Loeb reagiert mit Grossinvestition auf ein «Jahr zum Vergessen»

Der Preisdruck und das veränderte Einkaufsverhalten machen Loeb zu schaffen. Trotz einem Verlust von 4,6 Millionen Franken soll nun kräftig investiert werden.

Das Warenhaus Loeb ist bekannt für die exklusive Gestaltung seiner Schaufenster.

Das Warenhaus Loeb ist bekannt für die exklusive Gestaltung seiner Schaufenster. Bild: Webseite Loeb

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Wenn Nicole Loeb sagt, die Situation im Detailhandel sei noch nie so schwierig gewesen wie heute, hat diese Aussage Gewicht. Die Loeb-Chefin blickt selber auf 18 Jahre Branchenerfahrung zurück, 11 davon an der Spitze von Loeb; und sie hat sich zusätzlich mit ihrem Vater François Loeb ausgetauscht, der das Unternehmen fast 30 Jahre lang führte. Der Preiszerfall in den letzten zwei Jahren sei extrem, sagte Nicole Loeb am Donnerstag 17. März und begründete dies mit dem anhaltend starken Einkaufstourismus und der immer stärkeren Konkurrenz durch den grenzüberschreitenden Online-Handel.

Vor Jahresfrist war man bei Loeb noch der Meinung gewesen, die Situation normalisiere sich wieder. Zwar hatte die Aufhebung des Euromindestkurses am 15. Januar 2015 auch in der Loeb-Rechnung Spuren hinterlassen, aber dank Sondereffekten durch einen Immobilienverkauf und gutem Weihnachtsgeschäft resultierte am Ende ein Gewinn von gut 2 Millionen Franken. Doch im Frühling 2016 wurde der Loeb-Führung bewusst, dass das Unternehmen auf viel zu grossen Lagerbeständen sass, die sich auch mit 10-Prozent-Rabatt-Sparwochen nicht verkaufen liessen, wie Finanzchef François Manach erläuterte. «Da wussten wir: Wir haben nicht einfach eine Konjunkturbaisse, sondern ein strukturelles Problem.» Die Situation war besonders heikel, weil Loeb in den Jahren 2013 und 2014 expandiert und die Verkaufsfläche um 2000 Quadratmeter oder 10 Prozent erhöht hatte.

Filialnetz auf dem Prüfstand

Unter dem Strich resultierte für 2016 ein Minus von 4,6 Millionen Franken. Das ist erst der zweite Verlust seit der Jahrtausendwende. 2008 belastete die 50-Millionen-Franken-Investition für den Umbau des Stammhauses die Rechnung, operativ blieb Loeb aber profitabel. 2016 fiel nun auch das Betriebsergebnis (Stufe Ebit) negativ aus. Deshalb leitete Loeb im Verlauf des vergangenen Jahres diverse Spar- und Reorganisationsmassnahmen ein. So wurde die Filiale im Shoppyland geschlossen, ebenso der Outlet-Laden im Ryffligässchen. Finanzchef Manach liess durchblicken, dass das Filialnetz weiter schrumpfen könnte – für solche Bereinigungen wurden vorsorglich 2,6 Millionen Franken zurückgestellt.

Mit Blick auf die Umsatzeinbusse von über 6 Prozent sprach Manach von einem «Jahr zum Vergessen». Der Finanzchef rechnet nicht damit, die 100-Millionen-Franken-Umsatz-Schwelle in den nächsten Jahren wieder zu erreichen, zumal durch die Schliessung der defizitären Filiale im Shoppyland auf Anfang 2017 rund 3 Millionen Umsatz wegfallen. Deshalb gilt es, die Kosten zu reduzieren und das Unternehmen flexibler aufzustellen. Einsparungen bringt eine weitere Reduktion der Vollzeitstellen (mehrheitlich über Frühpensionierungen und natürliche Abgänge). Zudem soll ein neues Warenbewirtschaftungssystem künftig zu hohe Lagerbestände vermeiden helfen.

Die Herrenmode boomt

Doch Loeb will nicht nur sparen, sondern auch kräftig investieren. Zwischen 2018 und 2020 sollen 20 Millionen Franken in die Weiterentwicklung der Warenhäuser in Bern, Thun und Biel und den Ausbau des Online-Angebots fliessen. Das Stammhaus in Bern, das auch im schwierigen letzten Jahr profitabel war, wird ab Februar 2018 sukzessive umgebaut und modernisiert.

Im Segment Herrenmode habe man 2016 «fantastische Umsätze» erzielt, führte Loeb-Geschäftsführer Ronald Christen aus, das sei eine der wenigen positiven Überraschungen des letzten Jahres gewesen. Deshalb werde die Herrenmode neu im 1. Stock angesiedelt. Auf allen Etagen soll es mehr Gastroangebote und Events wie Showkochen oder Back- und Nähkurse geben. Durch solche Erlebnisangebote könne man die Verweildauer der Kunden erhöhen und die Stärken des stationären Handels herausstreichen, sagte Christen.

Gleichwohl will Loeb auch die Online-Schiene ausbauen, was sich auch darin äussert, dass Digital-Chef Martin Stucki neu zur Geschäftsleitung gehört. 2016 habe Loeb 5000 Online-Bestellungen verarbeitet, sagte Christen, 3000 davon sein via Siroop eingegangen, den Online-Marktplatz von Coop und Swisscom. Angesichts der zweistelligen Zuwachsraten will Loeb das Online-Sortiment weiter ausbauen. Kleider und Nahrungsmittel werden aber weiterhin nur im Laden verkauft. (Der Bund)

Erstellt: 16.03.2017, 10:29 Uhr

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