Wirtschaft
Langenthaler Solarfabrik ist auf Geldsuche
Von Hans Galli. Aktualisiert am 01.02.2012 2 Kommentare
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Anzeige gegen Schweizer Solarpionier
Der 60-jährige Rolf Wägli gilt als Pionier der Sonnenenergie. Er war viele Jahre Verwaltungsratspräsident der Lysser Firma 3S und stellte ihr via die von ihm im Jahr 2000 gegründete Zürcher Beteiligungsgesellschaft New Value Aktienkapital zur Verfügung. Als 3S im Jahr 2009 von der Thuner Solartechnikfirma Meyer Burger übernommen wurde, erzielte New Value einen beträchtlichen Gewinn. Ein Teil davon wurde in andere Cleantech-Unternehmen investiert, rund 13 Millionen blieben als flüssige Mittel übrig. Diese investierte Wägli als Festgeld in eine ausländische Finanzgesellschaft. Davon sind bisher nur 3 Millionen zurückgeflossen – 10 Millionen bleiben gefährdet. Als teilweisen Ersatz hat Wägli inzwischen Aktien im Wert von 2 Millionen an New Value übertragen. Dieser droht somit noch ein Verlust von 8 Millionen Franken, weshalb sie eine Wertberichtigung vorgenommen hat.
Wägli trat vor einer Woche als Verwaltungsratspräsident zurück. Gestern hat New Value gegen ihn Strafanzeige eingereicht. Es bestehe der Verdacht, dass er sich nicht an die internen Richtlinien gehalten habe, heisst es in einer Mitteilung: Erlaubt seien nur Anlagen in Gesellschaften mit einem «Investment-Grade»-Rating.
Berner Pensionskasse betroffen
Indirekt betroffen ist auch die Pensionskasse der Stadt Bern: Sie ist mit 19,9 Prozent am Aktienkapital der Firma New Value beteiligt. Der innere Wert dieser Beteiligung beträgt rund 12 Millionen. (-ll-)
Manchmal ändern sich die Verhältnisse rasch: «Es wird gebaggert und gehämmert: In Langenthal wird schweizweit die grösste Fabrikationsstätte für Solarpanels gebaut», heisst es in der druckfrischen Zeitschrift der bernischen Wirtschaftsförderung. Effektiv steht aber auf dem Bauplatz in der Steiachermatte alles still: Die Banken haben die nötigen Kredite nicht gesprochen, wie die Lokalzeitung «Unter-Emmentaler» meldete.
Die gesamten Investitionskosten für das ehrgeizige Vorhaben belaufen sich laut Initiant Rolf Wägli auf 25 Millionen Franken. Davon seien 16 Millionen Franken vorhanden, und für die restlichen 9 Millionen werde mit den Banken verhandelt. Diese seien wegen der schwierigen Lage der Solarindustrie weltweit zurückhaltend geworden – in Deutschland und in den USA wurden mehrere Solarmodulfabriken zahlungsunfähig. Möglicherweise werde die Langenthaler Fabrik nun mit mehr Eigenkapital gebaut, sagte Wägli dem «Unter-Emmentaler».
EWB ist stark engagiert
Bauherrin und Hauptaktionärin ist die Solar Industries AG in Niederurnen GL. Deren Hauptaktionärin mit einem Anteil von 30,2 Prozent ist die Zürcher Finanzgesellschaft New Value (siehe Zweittext links). Eine grosse Aktionärin ist auch Energie Wasser Bern (EWB) mit einem Anteil von 15,3 Prozent, was etwas über 5 Millionen Franken entspricht.
EWB investiere in die Herstellung von Solarmodulen, weil das Unternehmen dadurch erstens viel Wissen für diese Technik erwerbe und zweitens Zugang zu qualitativ hochstehenden, in der Schweiz hergestellten Solarmodulen erhalte, erklärte eine EWB-Sprecherin. Es sei ökologischer, diese lokal zu produzieren, statt sie um die halbe Welt zu transportieren.
«Der Verwaltungsrat der Solar Industries AG ist weiterhin vom Projekt Modulproduktion Langenthal überzeugt», schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Der Verwaltungsrat besteht aus zwei Personen: aus Gründer, Präsident und Geschäftsleiter Rolf Wägli und seit Anfang dieses Jahres aus Marcel Ottenkamp, Leiter Netze von EWB. Die Initianten geben sich in der Mitteilung zuversichtlich: «Sobald die Gesamtfinanzierung gesichert ist, wird das Bauprojekt weitergeführt. Innerhalb von sechs Monaten könnte dann die Produktionsanlage in Betrieb genommen werden.» Ihre Zuversicht begründen sie damit, dass die Module aus der Fabrik im deutschen Freiburg, welche ebenfalls Solar Industries gehört, in der Schweiz sehr gefragt seien. (Der Bund)
Erstellt: 01.02.2012, 08:18 Uhr
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2 Kommentare
Die Solarbranche ist im Wandel: Die Fördergelder in Deutschland werden gekürzt und zusätzlich bässt ein starker, asiatischer Wind durch die Industrie. Man wird sehen wer und was übrig bleibt. Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht...
Mit viel Innovation und Technologieführerschaft ist der Produktionsstandort Schweiz zu halten. Bei Standardware ist Asien unschlagbar.
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