Konkurrenzfähig auf Kosten der Bürger
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 22.04.2011 87 Kommentare
Ein Kommentar von Markus Diem Meier, Chefreporter Wirtschaft bei DerBund.ch/Newsnet.
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Die UBS sträubt sich dagegen, die Credit Suisse hält sie für akzeptabel, die Bankiervereinigung und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ebenfalls: die Regeln, wie in der Schweiz künftig das «Too big to fail»-Problem angegangen werden soll. Doch die Zustimmung hängt davon ab, ob andere Länder ebenfalls strenge Regeln fordern. Das wurde aus ersten Stellungnahmen deutlich. Denn ansonsten sei die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Grossbanken in Gefahr. Befürwortet man eine funktionierende Marktwirtschaft, und hält man es für falsch, dass die Allgemeinheit für die Risiken der Banken geradesteht oder irgendwelche private Unternehmen subventioniert, kann man dieser Argumentation nichts abgewinnen.
Der Reihe nach: Der Gesetzesentwurf, den der Bundesrat gestern vorgelegt hat, folgt in den wichtigsten Punkten seiner Expertenkommission. Am wichtigsten ist die Forderung nach einem risikogewichteten Eigenkapitalanteil von 19 Prozent. Dieser Anteil muss mindestens aus 10 Prozent «hartem» Eigenkapital bestehen (im wesentlichen Aktienkapital und einbehaltene Gewinne) und kann durch 9 Prozent an sogenannten «Cocos» ergänzt werden. Dabei handelt es sich um Wandelanleihen, die im Krisenfall in Aktien getauscht werden müssen (Contingent Convertible Bonds).
Die Erkenntnis von Franco Modigliani und Merton Miller
In Bezug auf diese minimale Eigenkapitaldecke steht die Schweiz tatsächlich international bisher an der Spitze, wobei andere Länder in anderer Hinsicht in der Regulierung ihres Finanzplatzes weiter gehen. Die Argumentation der Warner aus den Wirtschaftsverbänden, bürgerlichen Parteien und der UBS lautet nun: Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital. Die Pflicht zu einem deutlich höheren Eigenkapitalanteil, als ihn Banken in anderen Ländern halten müssen, führt daher auf der Kostenseite zu einem bedeutenden Konkurrenznachteil für die Schweizer Grossbanken. Wo liegt der Haken?
In einer Welt mit einer ideal funktionierenden Marktwirtschaft würde der Eigenkapitalanteil keine Rolle spielen – auch nicht von der Kostenseite her. Die theoretischen Grundlagen dieser Erkenntnis haben die beiden Ökonomen und Nobelpreisträger Franco Modigliani und Merton Miller im sogenannten «Modigliani-Miller-Theorem» gelegt, das jeder Wirtschaftsstudent büffeln muss. Die Überlegung ist einfach und eingängig. Eigenkapitalgeber verlangen eine höhere Rendite, je höher die Risiken sind, die sie eingehen. Ist die Eigenkapitaldecke tief, ist das Risiko besonders gross und damit sind es auch die Eigenkapitalkosten aus Sicht der Bank, denn es braucht weniger Verluste, um das Eigenkapital aufzuzehren. Umgekehrt bedeutet ein höherer Eigenkapitalanteil geringere Risiken und daher auch kleinere Kosten für die Bank. Fremdkapital ist nur so lange billiger, als die Risiken geringer sind, die die Gläubiger damit eingehen.
Subventionen fördern die Verschuldung
Gilt eine Bank aber als «too big to fail» ändert sich das Bild dramatisch. Weil hier die Gläubiger des Fremdkapitals darauf zählen können, dass die Bank im schlimmsten Fall von den Steuerzahlern gerettet wird. Deshalb kommt eine Bank billiger an Fremdkapital. Ökonomisch gesehen wird es durch die Steuerzahler subventioniert. Kein Wunder, wollen Banken möglichst wenig Eigenkapital halten. Anders gesagt bedeutet die Klage von Banken über Kostennachteile durch höhere Eigenkapitalforderungen nichts anderes, als dass sie weiterhin auf die implizite Subvention durch die Steuerzahler zählen.
Wie verhält es sich nun mit dem internationalen Wettbewerb? Internationale Fachleute wie Simon Johnson, einst Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), sind der Ansicht, dass ein Eigenkapitalanteil von weniger als 20 Prozent am Gesamtkapital – also nicht bloss dem risikogewichteten – das Finanzsystem weiterhin zu hohen Gefahren aussetzt – vor allem für die Steuerzahler. Wenn ein Land bei der Regulierung seiner Banken daher eine deutlich tiefere Eigenkapitaldecke fordert, setzt es seine Bevölkerung einer entsprechend grösseren Gefahr aus.
Strenger, aber noch zu wenig streng
Der nur im Vergleich zu anderen Ländern strenge Schweizer Vorschlag erfüllt dieses Erfordernis ebenfalls bei weitem nicht. Und angesichts der Grösse der hiesigen Grossbanken sind die Gefahren hierzulande besonders ausgeprägt: Die Bilanzsumme sowohl der Credit Suisse als auch der UBS ist rund doppelt so gross wie das Schweizerische Bruttoinlandprodukt.
Die Forderung, der minimale Eigenkapitalbestand müsse gesenkt werden, wenn andere Länder deutlich weniger fordern, bedeutet, dass man der eigenen Bevölkerung ein höheres Risiko zumutet, weil dies auch andere tun. Das wäre etwa so, wie wenn man aus Konkurrenzgründen geringere Sicherheitsstandards bei Atomkraftwerken fordern würde, wenn andere hier nachlässig sind und daher den Strom billiger produzieren können. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.04.2011, 15:12 Uhr
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87 Kommentare
Wenn man mit anderen Staaten vergleicht sollte man wohl den Schaden eines Konkurses im Verhätlnis zun Bruttosozialprodukt sehen. Die Schweiz ist zu klein für solche Bankriesen... und ein Staatsbankrot ist schnell da sollte eine der Grossen Banken in den Konkurs gehen. Entweder viel kleinere Banken.... oder viel grösseres Eigenkapital ! Antworten
Wenn Ihr Banker NUR während der Finanzkrise so hartnäckig gewesen wärt? Wo wart Ihr als unsere Depots in die Luft flogen weil Ihr durch satte Gier alle Regeln + Gesetze missachtet habt. Beim Boni verteilen seit Ihr schon wieder glänzend im Geschäft. Jetzt noch schnell die längst fälligen Rahmenbedingungen nach Eurem Gusto biegen + mit voller Unterstützung des Parlaments weiter im Takt Risiko=NULL! Antworten
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