Wirtschaft

KPT-Präsident Bosch tritt zurück

Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 20.12.2011 1 Kommentar

René Jenny wird Präsident der Berner KPT. Walter Bosch verlässt die Krankenkasse während der laufenden Finma-Untersuchung.

Bei der Berner KPT kommt es zu einem Sesselrücken.

Bei der Berner KPT kommt es zu einem Sesselrücken.

Wenn Walter Bosch im April 2009 gewusst hätte, was auf ihn zukommt: Er hätte sich wohl nicht zum Verwaltungsratspräsidenten der Berner KPT wählen lassen (als Nachfolger des umstrittenen Roland Schaer). Doch das Amt schien die Krönung einer langen Karriere zu sein: Bosch war bereits mit 25 Jahren Chefredaktor der «Annabelle», dann wurde er Chefredaktor von «Blick» und «Schweizer Illustrierte», später sass er in den Verwaltungsräten von Swiss und Cablecom.

Im Mai letzten Jahres – ein Jahr nach Boschs Amtsantritt – lud die KPT gemeinsam mit der Sanitas zur Pressekonferenz: Die beiden Versicherungen kündigten an, fusionieren zu wollen. Für Bosch hätte dies einen weiteren Karrieresprung bedeutet: Er war als Präsident des neuen Versicherungskonzerns vorgesehen. Doch bald zogen dunkle Wolken auf über der Braut KPT: Im Sommer 2010 wurde bekannt, dass die Krankenkasse ein Aktienrückkaufprogramm für Mitarbeiter plante, dank welchem die KPT-Chefs über Nacht zu Millionären geworden wären. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) eröffnete daraufhin eine Untersuchung. Die KPT stoppte das Programm zwar bald. Doch die andauernde Finma-Untersuchung verunmöglichte die Fusion mit der Sanitas. Vor Jahresfrist wurde die Hochzeit abgeblasen.

Gestern nun hat die KPT bekannt gegeben, dass Bosch zurücktritt – bereits per 31. Dezember. Laut KPT-Sprecher Reto Egloff hat sich Bosch bereits vor längerer Zeit für den Rücktritt entschieden. Nächstes Jahr hätte Bosch als 70-Jähriger gemäss den KPT-Statuten sowieso zurücktreten müssen. Die Mitteilung über den Rücktritt komme kurzfristig, weil Bosch die Wahl seines Nachfolgers habe abwarten wollen, sagt Egloff.

«Ich konnte nicht damit umgehen»

Das ist gestern nun erfolgt: Der Verwaltungsrat der KPT-Genossenschaft hat den 61-jährigen René Jenny zum neuen Präsidenten des Holding-Verwaltungsrats gewählt. Im Januar werden die KPT-Delegierten Jenny auch noch zum Präsidenten der Genossenschaft selbst wählen. Der Ökonom Jenny arbeitete lange in der Pharmaindustrie und ist heute Verwaltungsrat und Präsident verschiedener Unternehmen im Gesundheitsbereich. Gestern wurde zudem der 56-jährige Hugo Gerber in den KPT-Verwaltungsrat gewählt, der unter anderem bereits in den Verwaltungsräten der Swisscom und der Suva sitzt.

Die Untersuchung der Finma gegen Walter Bosch, KPT-Vizepräsident Bernhard Liechti und KPT-Chef Christoph Bangerter dauert indessen an. Nachdem die Befragungen seit längerem abgeschlossen sind, wird das Ergebnis der Untersuchung nun für Anfang Jahr erwartet. Käme die Finma zum Schluss, Bosch, Liechti und Bangerter hätten gegen das Gesetz verstossen, könnte sie gegen sie ein faktisches Berufsverbot verhängen.

Auch wenn das Bosch kaum mehr betreffen würde: In Kurt W. Zimmermanns Buch «Schlagzeilen, Skandale, Sensationen» zeigt sich der scheidende KPT-Präsident von der medialen Kritik am Aktienprogramm und an seiner Person verletzt: «Ich muss zugeben, dass ich damit überhaupt nicht umgehen konnte. Und bis heute nicht umgehen kann.» Sein Ehrgefühl sei lädiert gewesen. Und: «Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Situation wiedergefunden, die ich nicht kontrollieren konnte. Ich konnte die Medien nicht kontrollieren.» (Der Bund)

Erstellt: 20.12.2011, 07:51 Uhr

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1 Kommentar

C. von waldkirch

20.12.2011, 09:05 Uhr
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Damit ist endlich auch für alle klar, dass die Krankenkassen ein lukratives Geschäft sind für Verwaltungsräte und Direktoren. Meint etwa jemand, die Krankenkassen seien eine gemeinnützige Institution? Kostenexplosion im Gesundheitswesen? Nein, damit haben die nichts zu tun. Oder etwa doch? Antworten



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