Wirtschaft

Julius Bär kämpft – nicht nur gegen US-Ermittler

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 19.10.2011 10 Kommentare

Für die Bank Julius Bär geht es zurzeit um viel: Sie muss dringend wachsen – doch da sind noch die Steuerfahnder aus den USA.

Heimmärkte Schweiz und Asien: Bär-Chef Boris Collardi.

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Die Bank Julius Bär (BAER 40.52 1.50%) führt zurzeit einen existenziellen Kampf. Mit Hochspannung warten Anleger auf den Zwischenbericht vom 14. November und die Jahresergebnisse, die im Frühjahr bekannt werden. Die Bank muss wachsen. Doch die Widerstände gegen eine Übernahme der Bank Sarasin und der Streit wegen unversteuerter Vermögen in den USA sorgen für kräftigen Gegenwind. Wie werden die Bären diesen Sturm überstehen?

Julius Bär hat ein branchentypisches Problem – sie hat mit 170 Milliarden Franken verwaltetes Vermögen und 3500 Mitarbeitern eine unbequeme Grösse. Sie ist so gross, dass sie einen teuren Personalstamm, teure Rechtsexperten und teure Informatiksysteme braucht – die Kosten sind im letzten Jahr stärker gewachsen als die Erträge. Gleichzeitig ist Julius Bär nicht gross genug, um noch kraftvoller im wichtigsten Zukunftsmarkt Asien expandieren zu können. Zum Vergleich: Die Credit Suisse verwaltet Vermögen von 1100 Milliarden Franken, die UBS von 2100 Milliarden Franken.

Der 37-jährige Bankchef Boris Collardi hat in den letzten zwei Jahren deutlich gemacht, wohin es gehen muss: Die Bank muss wachsen und gleichzeitig Kosten sparen. «Wir wollen bei der andauernden Konsolidierung der Schweizer Privatbanken eine wichtige Rolle einnehmen», sagt ein Sprecher zur Strategie der Bank.

Gegen das Sarasin-Management

Darum hat Julius Bär dieses Jahr bereits die dritte Sparrunde eingeläutet, mitsamt Stellenstreichungen. Darum auch hat sich die Bank in den letzten Jahren vier kleinere Banken einverleibt und mit der asiatischen Macquarie einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Und darum kämpft Julius Bär jetzt um eine Übernahme der Basler Bank Sarasin – gegen den bisher geäusserten Willen des Sarasin-Managements. Julius Bär kommentiert die Meldungen über den angestrebten Aufkauf nicht. Grundsätzlich hat eine Zunahme der verwalteten Vermögen Skaleneffekte im Backoffice und Operations zur Folge und dies wirke sich wiederum positiv auf die Ertragsseite aus, sagt ein Sprecher. Sarasin verwaltet Vermögen von 104 Milliarden Franken.

«Eine Übernahme von Sarasin wäre aus Aktionärssicht positiv», sagt ZKB-Analyst Michael Schwaller. «Bezüglich der verwalteten Vermögen wäre das ein Quantensprung für die Bank.» Die Bank Sarasin sei ausserdem bekannt für ihr effizientes und modernes IT-System. Schwaller schätzt das Paket der Rabobank an Sarasin auf einen Wert von bis zu 1100 Millionen Franken. Für die Bären wäre das knapp tragbar, eine komplette Übernahme aber schwierig zu finanzieren, sagt der Analyst. Er beziffert das Überschusskapital von Julius Bär auf rund 800 Millionen Franken.

Peter Thorne von Helvea sieht das ähnlich: «Wir gehen davon aus, dass Julius Bär bald Geld für eine Schweizer Übernahme ausgeben wird», schrieb er bereits im Juli.

«Swiss Bank No 1»

Doch die Verhandlungen werden zurzeit gestört: Die US-Justiz ermittelt gegen Berater der Julius Bär wegen mutmasslicher Beihilfe bei Steuervergehen. Der Code-Name der Bank, «Swiss Bank No 1», taucht in den Ermittlungspapieren auf. Gegen einen aktuellen und einen früheren Angestellten hat ein Gericht in New York inzwischen Anklage erhoben.

Ohne irgendeinen Deal – entweder mit allen Schweizer Banken gemeinsam oder mit den mutmasslich besonders betroffenen wie Credit Suisse, Julius Bär und Basler Kantonalbank – werden die USA ihren Druck nicht zurücknehmen. Im Zweifelsfall kostet das Bär Geld, wie auch der Friede mit Deutschland gekostet hat: 50 Millionen Euro zahlte die Bank im Frühjahr an die deutschen Behörden. Den USA lässt das bei den Verhandlungen viel Raum nach oben. Und Julius Bär bleibt viel Raum zur Unsicherheit. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.10.2011, 12:00 Uhr

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10 Kommentare

Felix Eichmann

19.10.2011, 13:12 Uhr
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Die Prämisse in Absatz 2 ist falsch! Es gibt keine Mindestgrösse, die erreicht werden muss um profitabel zu wirtschaften, weder in der Schweiz noch in Asien, welche Bär nicht schon erfüllt. Wieso könnten sonst Pictet + Cie und Lombard Odier Darier Hentsch in Asien wachsen. Sie sind ähnlich gross. Und Sarasin wachst ja dank der richtigen Strategie in Asien auch. Falsche Strategie, ganz einfach! Antworten


Roman Rebitz

19.10.2011, 13:40 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

In diesem Fall kostet ja das Wachstum ziemlich viel aber egal Hauptsache wachsen, wir werden auch in 1000 Jahren noch nichts aus den ganzen Krisen usw.. gelernt haben, ziemlich dumm die Menschheit ohne es je einzusehen, überlassen wir doch wieder den Tieren und Pflanzen die Welt, die scheinen es ja besser im Griff zu haben als wir. Antworten



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