Wirtschaft

Julius Bär im Kampf gegen die Giganten

Von Anita Merkt. Aktualisiert am 20.06.2012 10 Kommentare

Der Kauf der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch durch Julius Bär scheint auf gutem Weg. Im Kampf gegen die Platzhirsche UBS und Credit Suisse geht Julius Bär aber auch Risiken ein.

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Gut im Rennen: Im Bieterwettbewerb um das Vermögensverwaltungsgeschäft der Merrill Lynch hat Julius Bär offenbar die Nase vorn.
Bild: Keystone

   

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Um im Kampf gegen die beiden grössten Schweizer Vermögensverwalter UBS und Credit Suisse besser zu bestehen, setzt Julius Bär (BAER 36.97 0.43%) schon seit geraumer Zeit auf Wachstum. Nachdem die Gruppe beim Kauf von Sarasin leer ausging, bietet der Kauf von Merrill Lynch die Chance, die Präsenz auf entscheidenden Märkten auszubauen.

«Die Bank of America-Tochter Merrill Lynch ist vor allem im Europageschäft stark. Auch Julius Bär ist im Onshore-Geschäft in Deutschland, Italien oder Grossbritannien vertreten und könnte jetzt in diesen Märkten eine kritische Grösse erreichen», ist von Bankspezialisten zu erfahren, die nicht namentlich genannt werden wollen. Wichtig sei auch, dass Merrill Lynch das Geschäft mit US-amerikanischen Kunden nicht verkaufe. Angesichts der Auseinandersetzungen mit den US-Justizbehörden um die Steuergelder amerikanischer Kunden ist kaum noch eine Schweizer Bank auf US-Kunden erpicht.

Kaufpreis und Kunden entscheidend

Mit dem Kauf des Private-Banking-Geschäfts von Merrill Lynch könnte Julius Bär die verwalteten Vermögen um mehr als die Hälfte vergrössern. Zu den bereits verwalteten 178 Milliarden Franken Kundengeldern kämen 90 Milliarden US-Dollar hinzu, vor allem in Asien, Europa und Lateinamerika. Durch diesen enormen Zuwachs könnte die Profitabilität gemäss Branchenkennern erheblich erhöht werden. Entscheidend sei allerdings nicht nur die Grösse des Gesamtvermögens, sondern auch die Zusammensetzung der Kundenportfolios.

Ob der Deal sich für Julius Bär lohnt, hängt zudem stark vom Kaufpreis ab. Die Rede ist von zwischen 1,5 und 2 Milliarden Dollar. Gemäss Schätzungen verfügt Julius Bär über rund 1 Milliarde an flüssigem Kapital, allerdings könnte in den USA noch eine saftige Busse auf die Privatbank zukommen. Zur Finanzierung müsste die Bank in diesem Fall neue Aktien auf den Markt bringen, was bei Investoren zu Verunsicherung führt.

Grosse kulturelle Unterschiede

Darüber, dass Julius Bär grösser werden muss, um gegen die beiden Platzhirsche UBS und Credit Suisse langfristig zu bestehen, sind sich Branchenkenner einig. Wachsen könnte die Bank allerdings auch organisch, indem sie zum Beispiel neue Kundenberater zu sich holt, die von kleineren Privatbanken abwandern.

Das grösste Risiko der Integration von Merrill Lynch besteht für Julius Bär in den erheblichen kulturellen Unterschieden. Das Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch ist sehr stark amerikanisch geprägt, die Berater sind umsatzorientierte Produktverkäufer. Ob es Julius Bär gelingen würde, diese Unternehmenskultur mit der schweizerischen Beratungstradition zusammenzuführen, ist gemäss Experten eines der grossen Fragezeichen.

Von den Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens könnte gerade der grosse Konkurrent UBS ein Lied singen. Die Bank hat 2001 den US-Vermögensverwalter Paine Webber erworben und seitdem versucht, das US-Geschäft einzugliedern und erfolgreich zu machen. Das Ergebnis war für Branchenkenner zumeist enttäuschend. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.06.2012, 14:14 Uhr

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10 Kommentare

Kurt Meier

20.06.2012, 14:46 Uhr
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Wie der Tagesanzeiger richtig feststellt, ist der Kulturunterschied eines der grössten Risiken. Anstatt in ihrer Nische erfolgreicht zu sein, scheint für JB absolutes Wachstum das Mass aller Dinge zu sein. Wer einmal bei CS oder UBS gearbeitet hat weiss, dass das heute keine Schweizer Firmen mehr sind. Heute regiert einzig die angelsächsische Mentalität, mit sehr sehr kurzfristiger Ausrichtung. Antworten


Felix Eichmann

20.06.2012, 14:39 Uhr
Melden 14 Empfehlung 0

"Durch diesen enormen Zuwachs könnte die Profitabilität gemäss Branchenkennern erheblich erhöht werden." Diese Branchenkenner (mehrer unabhängige Quellen, die nicht in den Deal involviert sind@Redaktion?!) sollte man auch Jahre später noch als Kapitalverbrecher jagen. Überall sinken Margen und doch soll hier "erheblich erhöht" werden können? Consultant und Branchenkenner sind Antonyme. Antworten



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