Wirtschaft

Julius Bär bestätigt Diebstahl von Kundendaten

Aktualisiert am 27.08.2012 151 Kommentare

In Deutschland haben Fahnder die Häuser von Kunden durchsucht. Nun bestätigt Julius Bär, dass ein Angestellter mit Arbeitsort Zürich Daten gestohlen hat. Ausserdem plant die Bank einen grösseren Stellenabbau.

«Leider trifft es zu»: Die Bank Julius Bär in Zürich. (Archivbild)

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Die Privatbank Julius Bär (BAER 40.52 1.50%) ist erneut Opfer eines Datendiebstahls geworden. «Leider trifft dies gemäss unseren Erkenntnissen zu», bestätigt CEO Boris Collardi gegenüber der «SonntagsZeitung». «Im Rahmen von verschärften Kontrollmechanismen und einer umfangreichen internen Untersuchung mussten wir kürzlich einen Fall von Datenmissbrauch feststellen und konnten den mutmasslichen Täter identifizieren.»

Der Beschuldigte, ein Angestellter der Bank mit Arbeitsort Zürich, wurde verhaftet. Er soll offenbar im Alleingang gehandelt haben. Weiterführende Informationen – etwa in welcher Abteilung der Mitarbeiter tätig war, zu Alter, Privatverhältnissen und Wohnort – gibt die Bank mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und Schutz der Privatsphäre nicht bekannt.

Angestellter entlassen

Informationen der «SonntagsZeitung» zufolge hat sich Julius Bär bereits von ihrem Angestellten getrennt. Mit möglicherweise betroffenen Kunden in Deutschland steht Julius Bär in Kontakt. Die gestohlenen Daten gelangten in Form einer CD in die Hände nordrhein-westfälischer Steuerfahnder. Der Verdächtige hat für das Material dem Vernehmen nach eine Geldzahlung erhalten. In welcher Höhe, ist nicht bekannt.

Dem mutmasslichen Täter auf die Spur gekommen ist die Bank, nachdem sie Unregelmässigkeiten festgestellt hatte. Sie ordnete eine vertiefte Untersuchung an, die zum genannten Mitarbeiter führte. Für die Bank hat der jüngste Vorfall keine Konsequenzen. Im April 2011 hatte sich Julius Bär mit Deutschland auf eine Vergleichszahlung in der Höhe von 50 Millionen Franken geeinigt und damit Straffreiheit für das Institut und seine Mitarbeiter erkauft – nicht aber für die Kunden.

Datenklau bei Merrill Lynch Schweiz

Ein weiterer Datendiebstahl soll sich offenbar auch bei Merrill Lynch Schweiz ereignet haben. Bär hatte vorletzte Woche angekündigt, das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft der US-Bank zu übernehmen. Collardi: «Das wäre natürlich ebenfalls sehr bedauerlich, hätte aber keinen direkten Einfluss auf uns. Bis zur Übernahme des Geschäfts liegt die entsprechende Verantwortung allein bei der Bank of America Merrill Lynch.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Julius Bär Opfer eines Datendiebstahls wird. So geriet die Privatbank wegen ihres Ex-Angestellten Rudolf Elmer, der bei seiner Entlassung 2002 Kundendaten auf den Cayman Islands stahl und sie 2005 an die Öffentlichkeit brachte, weltweit in die Schlagzeilen. Mit dem nun bestätigten Fall kommen der Privatbank bereits zum dritten Mal innert 10 Jahren Kundendaten abhanden.

Mehrere Hundert Stellen abbauen

Nach dem Grosseinkauf bei der US-Bank Merrill Lynch will Julius Bär weltweit Stellen streichen. «Wo die Kapazitäten angepasst werden, werden wir erst in einigen Monaten sagen können», sagte Julius-Bär-Chef Boris Collardi der «SonntagsZeitung».

Mit der Übernahme will Julius Bär bis zu 72 Milliarden Franken Kundenvermögen dazukaufen. Dafür legt Bär bis zu 860 Millionen Franken auf den Tisch. Daneben fallen Integrationskosten von 312 Millionen Franken an. Die Auslands-Vermögensverwaltung von Merrill Lynch beschäftigt circa 2000 Mitarbeiter. Mit der Übernahme steigt die Zahl der Standorte von Julius Bär um 8 auf 50.

Bei den Kundenberatern sehe man kaum Überschneidungen, sagte Collardi im Interview: «Im Backoffice allerdings, also etwa bei der Informatik, der Buchhaltung oder Rechtsabteilung, ist noch nicht klar, wie viele Leute wir künftig brauchen.» Das hänge stark davon ab, wie viele Kundengelder letzten Endes bei Julius Bär ankämen und ob sich der Standort in einem Wachstumsmarkt wie Asien befinde oder nicht.

Verlagerung aus Genf

«Sobald uns die Kartellbehörden grünes Licht geben, werden wir Merrill Lynch Schweiz übernehmen, als ersten von allen Standorten weltweit. Wann wir mit der Integration beginnen, ist aber noch offen», sagte Collardi. Zunächst werde man sich mit den Wachstumsmärkten beschäftigen, denn dort falle deutlich mehr Transferarbeit an. «In den nächsten zwölf Monaten wird sich in Genf noch nicht viel ändern», sagte Collardi.

Allerdings habe er den Angestellten dort keine falschen Hoffnungen gemacht. Denn die Schweiz sei kein Wachstumsmarkt. «Viele Funktionen werden von Genf nach Zürich verlegt beziehungsweise zusammengelegt», sagte Collardi.

Das übernommene Geschäft von Merrill Lynch ist derzeit nicht profitabel. Die Kosten-Ertrags-Spanne von 100 sei inakzeptabel, sagte Collardi. Diese wolle Julius Bär auf 70 Prozent senken. Es gebe viel Sparpotential: In Singapur könne man beispielsweise beide Standorte zusammenlegen. Zudem werde Julius Bär alle Verträge mit den Geschäftspartnern neu aushandeln. (kle)

Erstellt: 25.08.2012, 23:59 Uhr

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151 Kommentare

Hanspeter Moesch

26.08.2012, 00:32 Uhr
Melden 269 Empfehlung 0

"Für die Bank hat der jüngste Vorfall keine Konsequenzen". Hoffentlich aber für den Angestellten selbst auf zivilrechtlicher Basis! Antworten


Rudolf Elmer

26.08.2012, 00:16 Uhr
Melden 216 Empfehlung 0

Das Geschäftsmodell "Datendiebstahl gegen Entgelt" wird leider noch mehr zunehmen, da inzwischen die USA, Indien und Kanada hierfür bis zu 30 % der eingezogenen Steuereinnahmen aufgrund der Daten bezahlen und zudem persönlichen Schutz offerieren. Es scheint, dass dies nun die Retourkutsche ist hierfür, dass man mit dem Bankgeheimnis Steuerhinterziehung etc. über Jahre schützte. Antworten



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