Wirtschaft
Jagd auf die «Balkan Bandits»
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 13.04.2012 14 Kommentare
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Staatsanwaltschaft und Polizei des Kantons Zürich haben Grund zum Jubeln. Vier Jahre nach dem Kunstraub von Zürich konnte ein weiteres Gemälde in Serbien sichergestellt werden. Das Kunstwerk des französischen Malers Paul Cézanne im Wert von 100 Millionen Franken – «Der Knabe mit der roten Weste» – ist eines von vier im Jahr 2008 gestohlenen Gemälden. Zwei konnten bereits rückgeführt werden, Cézannes Kunstwerk ist das dritte. Nur eines fehlt noch: Edgar Degas' «Ludovic Lepic und seine Töchter». Die vier gestohlenen Gemälde aus der Sammlung Bührle gingen als der grösste Kunstraub Europas in die Geschichte ein.
In Anwesenheit der Zürcher Strafverfolgungsbehörden konnten drei Männer in Serbien verhaftet und Cézannes Gemälde schliesslich sichergestellt werden. Die Ermittlungen sind damit aber nicht beendet. Wie gesagt fehlt noch ein Gemälde von insgesamt vier geraubten Kunstwerken. Aus diesem Grund gibt sich die Exekutive derzeit besonders wortkarg – «aus Rücksicht auf die erst am Mittwoch stattgefundene Verhaftungsaktion», heisst es in einem Communiqué.
Wie im Film
Die Zurückhaltung ist verständlich, wenn man bedenkt, wie aufwendig sich die Suche nach den geraubten Kunstgegenständen gestaltet. Also möchten sich die Ermittler auch nicht in die Karten schauen lassen.
Dick Ellis, ehemaliger Chef der britischen Metropolitan Police Art & Antiques Unit, hat dennoch ein wenig über seine Arbeit geplaudert. In einem Interview für das «Art Newspaper» vom Januar 2012 erklärt er, sich besonders auf die Staaten Ex-Jugoslawiens zu konzentrieren. Dabei liest sich das Interview wie ein Kriminalroman: Vier Serben mit der notwendigen Lokalkenntnis sowie diverse Geschäftsleute und Privatdetektive arbeiten für sein Büro. Zusammen mit seinem Team jagt er Gangs wie die «Balkan Bandits» oder die «Pink Panthers» – zwei Räuberbanden, die auf Kunstgegenstände aus ganz Europa spezialisiert sind. «Die Kriminellen sind ein Albtraum, aber die Kunst, die wir ausfindig machen, ist faszinierend», so Ellis. Die Banden räubern in Frankreich, der Schweiz und Österreich, aber auch in Tschechien, der Slowakei, in den Niederlanden und Belgien. Das Diebesgut wird zumeist nach Serbien, Mazedonien, in den Kosovo oder nach Montenegro verschoben. Dazu später mehr.
Mühselige Kleinarbeit
In mühseliger Kleinarbeit tragen die Ermittler Indizien zusammen, bis die Räuber dingfest gemacht werden können. Bis es so weit ist, können – wie im aktuellen Fall – schon einmal vier Jahre vergehen. Die Methoden sind jenen bei der Bekämpfung von Entführungen und Lösegeldzahlungen im kolumbianischen Drogenkrieg aus den 70er- und 80er-Jahren ähnlich, erklärt Julian Radcliffe, Chef des Art Loss Register in London gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Das Art Loss Register (ALR) ist ein Verzeichnis aller weltweit gemeldeten Kunstdiebstähle.
Lösegeldsummen sollten, wenn überhaupt, möglichst gering gehalten werden, um ja keinen Anreiz für weitere kriminelle Handlungen zu schaffen, so Radcliffe weiter. Und das «Raubgut» soll bei den Ermittlungen und Verhandlungen möglichst nicht «beschädigt» werden.
Die Ermittler arbeiten dabei sowohl mit den Versicherungen als auch mit den Bestohlenen intensiv zusammen. Das sei deshalb notwendig, weil die Diebe nicht nur versuchten, die Ware weiterzuverkaufen, sondern auch hohe Versicherungssummen zu kassieren. Wenn die Versicherer kurzgeschalten sind, wird die Sache bedeutend erschwert. Die gestohlenen Kunstwerke sind im ALR verzeichnet. Dadurch werden die Waren unverkäuflich und Entschädigungszahlungen der Versicherer möglichst verhindert. Auch die Versicherungen haben Zugang zu dem Register.
In bester Geheimdienstmanier
Ein weiteres Instrument in der täglichen Arbeit der Kunstschnüffler ist die Anwerbung von ehemaligen Kunsträubern. Deren Expertise machen sich die Ermittler in bester Geheimdienstmanier zunutze, indem die Informanten in die Bandenkreise eingeschleust werden. Auf diesem Weg werden Räuber und kriminelle Kunsthändler auch gegeneinander ausgespielt und fliegen auf.
Das Insiderwissen braucht es, ganz besonders in einer so politisch zerklüfteten Region wie auf dem Gebiet Ex-Jugoslawiens, erzählt Radcliffe. Serbien und die umliegenden Länder mutierten nach dem Zerfall Jugoslawiens nicht zufällig zu einem Hotspot für Kunsträuber. Die kriminelle Energie im Kunstbereich geht laut Radcliffe auf die Feindschaft zwischen dem Westen und den Ottomanen zurück. Weil der Westen bei Reichtum und Fortschritt die angrenzende Region hinter sich liess, wurden Hass und Neid geschürt. Der Staatenzerfall wiederum führte dazu, dass die kriminelle Energie in Ex-Jugoslawien nicht mehr kontrolliert werden konnte. Also machten sich Räuberbanden auf den Weg in den Westen, auch um zahlreiche Kunstgalerien auszuräumen. «Weil die Schweiz besonders viele sehr wertvolle Kunstwerke auf seinem Territorium vereint, ist das Land deshalb auch ein beliebtes Ziel bei diesen Banden», sagt Radcliffe. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.04.2012, 16:22 Uhr
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14 Kommentare
Auf dem Westbalkan gibt es keine Turkvölker, also sind das keine Ottomanen. Und Kriminelle gehen dorthin, wo das Geld ist. Positiv ist, dass in Serbien die Staatsdienste wieder derart arbeiten, so dass auch Diebesgut wieder aufgefunden werden kann. War in den Chaosjahren 1990-2000 unmöglich. Antworten
Was wenn deren Geld auf der UBS liegt? Wird es dann auch beschlagnahmt? Oder werden die Balkanbanditen vom ehemaligen Balkan-Unicredit-Banker Sergio Ermotti gedeckt? Die Sergio Ermottis Unicredit Bank in Serbien heisst übrigens Unicredit Bank Srbija, Hauptsitz Rijaceva 27-29 in Belgrad. Als ehemaliger Vizepärsident der Unicredit, hat Sergio Ermotti sicher tiefe Geschäftsbeziehungen geknüpft. Antworten
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