Wirtschaft
Italienischer Finanzskandal führt in die Schweiz
Aktualisiert am 07.07.2012 52 Kommentare
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Vizepräsident der Rothsinvest Asset Management AG: Manuel Brandenberg. (Bild: PD)
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Insgesamt vier Personen seien in der Toskana und bei Rom verhaftet worden, alle Mitarbeiter von Rothsinvest mit Sitz in Zug. Von dem Fall berichtet das Schweizer Finanzportal Finews ausführlich. Auch in italienischen Medien ist die Sache inzwischen ein Thema. Die Festgenommenen sollen für eine Filiale von Rothsinvest in Italien tätig gewesen sein. Der Fall kam vermutlich ins Rollen, nachdem Mitte Mai der Chef der Firma, der britisch-italienische Doppelbürger Robert Da Ponte, abgetaucht ist. Die Verhaftungen der Mitarbeiter fanden laut den Berichten am 21. Mai statt.
Laut der Staatsanwaltschaft von Florenz habe man den italienischen Kunden angeboten, das Geld im Ausland zu deponieren, geschützt vor dem Staat. Zudem sollen Renditen von 10 Prozent versprochen worden sein. Nun scheint das angelegte Geld verschwunden. Die Rede ist von bis zu 250 Millionen Euro und 500 geprellten Kunden.
Der italienische Senator Elio Lannutti sprach in einem offenen Brief an den Finanz- und Wirtschaftsminister von einem toskanischen Fall Madoff. Italienische Medien sprechen zudem von einem «Schatten der Camorra»: Zwei der Verhafteten hätten Kontakte zur Mafia-Organisation gehabt.
Bundesanwaltschaft untersucht
Auch die Bundesanwaltschaft (BA) wird in der Sache aktiv. «Vor dem Hintergrund verschiedener Medienberichte aus Italien über mutmassliche Anlagebetrügereien in einem angeblichen Deliktsbetrag von gegen 250 Millionen Euro bestätigt die Bundesanwaltschaft, in diesem Zusammenhang eine selbständige Strafuntersuchung gegen einen ausländischen Staatsangehörigen zu führen», bestätigt die BA gegenüber Finews.
Die Strafuntersuchung richte sich nicht gegen die Verwaltungsräte der Rothsinvest Asset Management. Gemäss Medienberichten ist der gesuchte frühere Direktor des Finanzinstituts britisch-italienischer Doppelbürger.
«Backed by the Rothschild family office»
Aus Schweizer Sicht verfügt die Geschichte über eine weitere Dimension: Im Verwaltungsrat der Firma sitzt der SVP-Politiker Manuel Brandenberg. Der Zuger Anwalt wurde von seiner Partei in die Arbeitsgruppe des Bundes zur Umsetzung der Ausschaffungsinitiative entsandt. Die NZZ betitelte ihn in einem Artikel einst auch als «neuen Hofanwalt der SVP».
Geworben hat die Firma mit einem wohlklingenden Namen: «Backed by the Rothschild family office», wie es auf dem Linkedin-Profil der Firma heisst. Doch vonseiten der berühmten Bankiersfamilie Rothschild weiss man von nichts: «Weder die Rothschild-Bank Zürich noch ihre Tochtergesellschaften stehen in irgendeiner Weise mit der Rothsinvest in Verbindung», sagt das Unternehmen gegenüber Finews.ch. Verwaltungsratspräsident Nathan Rothschild hat demnach keinen familiären Bezug zu den britischen und französischen Rothschild-Zweigen.
Unternehmenssitz war in Brandenbergs Kanzlei
Im Handelsregister wurde laut Finews.ch Da Ponte am 4. Juni als Direktor des Unternehmens gelöscht – wenige Tage nach den Festnahmen der Mitarbeiter in Italien. Auch soll die Finanzgesellschaft zu diesem Zeitpunkt von der Poststrasse 9 in Zug, dem Sitz von Brandenbergs Kanzlei, an die Eisengasse im Zürcher Seefeld gewechselt haben.
In einem Communiqué (das DerBund.ch/Newsnet vorliegt) geht der Verwaltungsrat der Rothsinvest Asset Management AG auf Distanz zu Da Ponte: Dieser habe den Anschein erweckt, «dass er seine Tätigkeit als Vertreter der Rothschild-Bank und der entsprechenden Dynastie ausübte, um so das Vertrauen der Anleger zu gewinnen». Bis zum Untertauchen von Robert Da Ponte habe man nichts von «dessen deliktischer Tätigkeit» gewusst, gezeichnet ist das Schreiben von Verwaltungsratspräsident Nathan Rothschild, Vizepräsident Manuel Brandenberg und, als Verwaltungsratsmitglied, von dessen Vater, Ernst Brandenberg. (kle/mw (ergänzt mit Material der sda))
Erstellt: 06.07.2012, 19:18 Uhr
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52 Kommentare
«Prellen» ist in der Finanzindustrie bloss eine Frage der Semantik und des Betrages. Wenn ein kleiner Finanzintermediär mit einer handvoll Millionen verlustsuchenden Kapitals seine Verprechen nicht hält, prellt er seine Anleger. Bei der CS, die dem Kleinanleger «todsichere Lehman-Papiere» andreht, haben wir eine Fehleinschätzung. Bei Zinsmanipulationen gibts gar Anhörungen und goldene Fallschirme. Antworten
Es ist wie bei Anwalt Lei. Büro und Adresse sind identisch, aber man ist sich keiner "Schuld" bewusst. Rothschild heissen viel abe wenn man diesen Namen bewusst und als Namensverwechslung für einen vermutlichen "Bschiss" verwendet, ist das eines SVP-Politikers nicht würdig. Warum reagieren die seriösen Bürgerlichen der SVP und die Bauern noch nicht? Antworten
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