Wirtschaft
Irrflug zwischen Premium-Anbieter und Billig-Airline
Von David Nauer. Aktualisiert am 04.05.2012 20 Kommentare
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«Die Lage ist bedrohlich.» So beschreibt Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber die Situation von Deutschlands grösster Airline. Der Umsatz ist im ersten Quartal 2012 zwar um 6 Prozent gestiegen, wie gestern bekannt wurde. Unter dem Strich resultiert aber ein Verlust von 381 Millionen Euro. In der Vorjahresperiode hatte das Minus in den traditionell schwachen ersten drei Monaten noch bei 169 Millionen Euro gelegen.
Dem Mutterkonzern der Swiss setzen vor allem die hohen Spritpreise zu. Die Ausgaben für Kerosin dürften in diesem Jahr um 1,2 Milliarden Euro auf 7,5 Milliarden steigen. Aber auch Billig-Airlines wie Easyjet, Ryanair und die heimische Air Berlin machen der Lufthansa (LHA 16.13 -0.34%) das Leben schwer. Im Langstreckengeschäft kommt eine immer stärker werdende Konkurrenz aus den Golfstaaten dazu.
Runter mit den Kosten
Konzernchef Christoph Franz reagiert auf die schwierige Lage mit einem Sparprogramm namens «Score». Es soll «die Position von Lufthansa als Nummer eins in Europa» und die weltweite Konkurrenzfähigkeit sichern, so Franz. Konkret sind bis 2015 Einsparungen in der Höhe von 1,5 Milliarden Euro vorgesehen. Bitter für das Personal: Insgesamt fallen 3500 Stellen weg, die meisten davon in der Administration. Betroffen seien nur Tätigkeiten, die «keinen Mehrwert für die Kunden schaffen», so die Lufthansa etwas nebulös.
Kosteneinsparungen soll auch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Lufthansa und der konzerneigenen Billigtochter Germanwings bringen. Beschlossen ist bisher erst eine «gemeinsame Kapazitätsplanung». Wie die «Bild»-Zeitung kürzlich berichtete, gibt es aber viel weiter reichende Pläne. So soll das Europa-Geschäft der Lufthansa mit Germanwings zum Teil zusammengelegt werden. Intern gebe es mit «Direct 4 you» bereits einen Namen für die so entstehende Billig-Airline. Sie dürfte vor allem Flüge abwickeln, die ausserhalb der grossen Hubs Frankfurt und München starten.
Gerüchte stiften Unruhe
Solche Gerüchte beunruhigen die Angestellten der Lufthansa. Seit geraumer Zeit versucht das Management, Personalkosten zu drücken, indem etwa Kabinenpersonal an Drittfirmen ausgelagert wird. Die Flugbegleiter, die ab Anfang Juni vom neuen Berliner Flughafen starten, sind bei einer Temporärfirma angestellt – und nicht mehr bei der Lufthansa direkt. Sie müssen mit deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen rechnen. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter plant deshalb zur Eröffnung des Berliner Flughafens Protestaktionen.
Auch im Management wächst das Unbehagen über den Kurs der Lufthansa. Konzernchef Franz unterschätze die Kommunikation mit den Kunden, zitiert das «Handelsblatt» einen Angestellten aus dem Kader. Experten bemängeln, die Airline befinde sich auf einem Irrflug zwischen Premium-Anbieter und Billig-Airline. Franz habe es bisher versäumt, eine klare Richtung vorzugeben.
Konzernchef Franz im Dilemma
Vorgänger Wolfgang Mayrhuber hatte noch massiv in Business- und Firstclass investiert. Nun wird dieses Angebot wieder zurückgefahren. Bereits beschweren sich Vielflieger in Blogs. Viele finden die neuen Sitze in der Economyclass unbequem, andere beklagen, dass die Bonus-meilen plötzlich weniger wert sind.
Experten befürchten, dass die Lufthansa wegen des Sparkurses in eine Abwärtsspirale gerät. Konzernchef Franz, der zuvor die Swiss mit Erfolg saniert hatte, steckt in einem Dilemma. Um rentabel zu bleiben, muss er sparen; um keine Marktanteile zu verlieren, sollte das Angebot mindestens nicht schlechter werden. Bisher lässt sich nicht erkennen, wie er das Problem lösen will.
Noch steht Aufsichtsratschef Weber hinter Franz. Weber hat den jüngeren Manager bereits Anfang der 90er-Jahre gefördert. Jetzt will er sich wieder vermehrt einbringen. «Ich trete wieder etwas stärker an die Öffentlichkeit», sagte er kürzlich. «Nicht weil ich dem Vorstand um Christoph Franz nichts zutraue, sondern weil ich helfen will.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.05.2012, 06:46 Uhr
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20 Kommentare
Neben der Geschichte in der Herr Franz bereits bei der Deutschen Bahn eine Tarifpolitik eingeführt hat die weder nachvollziehbar noch erkenntlich noch berechenbar ist, merkt er, dass es im Laden Lufthansa-Swiss eventuell doch zu viele der hochqualifizierten, Deutschen Fachkräfte gibt. Andere Unternehmen sehen das noch anders. Antworten
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