Wirtschaft
Investmentbanking wird für die UBS zum Spaltpilz
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 16.11.2011 14 Kommentare
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Morgen Abend um 18 Uhr unserer Zeitrechnung findet der Investor Day in New York statt. Investoren und Analysten rechnen damit, dass dort der neue UBS-Chef Sergio Ermotti «Stabilität garantieren» und die «Moral im Bankengeschäft» wieder herstellen will. Gelingen soll ihm das, indem er an der integrierten Grossbank unverändert festhält, wie Ermotti selbst betont.
Das heisst, das Kleinkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und das Investmentbanking (IB) bleiben unter einem Dach. Eine Abtrennung der IB-Sparte steht nicht auf dem Programm. Doch das Investmentbanking der UBS (UBSN 17.32 -3.78%) soll schrumpfen. Künftig soll nicht mehr so viel Geld auf einmal in ein einzelnes Projekt fliessen, wie das derzeit noch der Fall ist. Auch das Obligationengeschäft soll drastisch reduziert werden, weil dieses Geschäft nur mit einem äusserst hohen Kapitaleinsatz zu bewältigen ist. Das wird wohl auch einen weiteren Jobabbau bedeuten neben dem, der bereits auf Hochtouren läuft. Christopher Wheeler vom italienischen Finanzhaus Mediobanca hält dieses Szenario gegenüber dem Nachrichtendienstleister Bloomberg für unausweichlich: «Wenn das Anleihengeschäft nicht heruntergefahren wird, ist das der Tod der UBS-Investmentbank.»
Am Investor Day wird Ermotti aller Voraussicht nach im Detail bekannt geben, in welchem Ausmass und bis zu welchem Zeitpunkt der Umbau der Sparte stattfinden soll. Abgespalten oder gar aufgegeben werden soll das Investmentbanking laut Ermotti aber dezidiert nicht. Es ist die fünfte Umstrukturierung innert sechs Jahren.
Peter Kurer: «Das falsche Modell»
Das Konzept der Universalbank wie jenes der UBS steht auf dem Prüfstand. Während die einen am umfassenden Produktangebot für den Kunden von ein und derselben Bank festhalten, meinen die anderen, dass die Abspaltung der IB-Sparte sowohl für die Bank rentabler als auch für die Kunden und deren Einlagen sicherer wäre. Das sagt auch niemand Geringerer als Peter Kurer, einst Chefjurist der UBS und Nachfolger im Amt des Verwaltungsratspräsidenten nach Marcel Ospel und Vorgänger von Kaspar Villiger.
Kurer formuliert, was sich hochrangige Kollegen anderer Finanzinstitute und Investmenthäuser seit langem denken: «Die Universalbank ist das falsche Modell, um das Vertrauen der Investoren und Kunden wiederherzustellen.» Kurer ist überzeugt, dass das Vertrauen nur wieder gewonnen werden kann, wenn Investmentbanking, Vermögensverwaltung und das Kleinkundengeschäft voneinander getrennt werden. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident bezeichnet in einem Kommentar für Bloomberg die Universalbank abschätzig als ein «Phänomen unserer Zeit», das «sturköpfig» verteidigt werde.
Aufspaltung unvermeidbar?
Für die Aufspaltung nennt Kurer drei Gründe: Erstens verlangt die britische Bankenaufsicht eine Trennung des Kleinkundengeschäfts vom riskanteren Investmentbanking. Zweitens dürfen laut der Volcker-Richtlinie auch in den USA keine Kundengelder von sogenannten Kleinsparern mit riskanteren Anlageformen unter einem Dach betreut werden. Immerhin gehören Grossbritannien und die USA zu den wichtigsten Märkten der UBS. Und drittens: Die Schweizer Regulierungsvorschriften sehen die Herauslösung von systemrelevanten Geschäftsteilen einer Bank vor. Ziel ist es, für diese systemisch relevanten Geschäftsbereiche das Risiko zu minimieren.
Kurer versucht auf seine Weise, die Finanzbranche dazu zu motivieren, der Universalbank abzuschwören: «Die Bank, die es wagt, als erste die Aufspaltung bekannt zu geben, wird mit steigenden Aktienkursen belohnt werden.» Doch dass das schon morgen am Investor Day in New York von Ermotti bekannt gegeben wird, ist ausgeschlossen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.11.2011, 17:04 Uhr
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14 Kommentare
Der Herr Kurer hat zu 100% Recht. Der UBS Geld anvertrauen, wenn es im IB Handelsbuch blitzartig versickern kann, ist in etwas so schlau, wie wenn man einem Spielsüchtigen den Monatslohn bar gibt, zum 10. Mal!, und ihn einkaufen schickt. Er wird zurückkommen, das Geld nicht. Aber eben, Finanzminister und Politiker haben ja Hypotheken und Wertschriften dort, also wird kein Druck ausgeübt. Antworten
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