Wirtschaft
«Instagram ist cooler als Facebook»
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 10.04.2012 7 Kommentare
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- Wenn Facebook schon in den 90ern existiert hätte
Peter Cauwels (39) ist leitender Forscher an der ETH in Zürich. Der gebürtige Belgier war zehn Jahre lang Chef des Analystenteams im Händlerraum der französisch/belgischen Bank Paribas Fortis. Heute forscht er im Gebiet der Unternehmensrisikobewertung und bezeichnet sich selbst als Bubble-Forscher.
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Herr Cauwels, Sie haben vor einigen Monaten ein Tool entwickelt, um darzustellen, wie überbewertet Facebook
(FB
25.871
0.43%)
ist. Wie sieht das heute nach der Übernahme von Instagram aus?
Wenn man sich nur den Preis anschaut, macht das keinen Sinn. Vor einigen Wochen hat sich Instagram rekapitalisiert und war bis vor kurzem circa 500 Millionen Dollar wert. Facebook hat das Unternehmen jetzt für das Doppelte gekauft. Diese Firma ist klar überteuert und das Geld nach nur einer Woche allemal nicht wert.
Wie kam der horrende Preis zustande?
Facebook leidet unter der eigens kreierten Internetblase. Viele andere Unternehmen gewinnen im Fahrwasser von Facebook so rasch an Wert, dass Facebook bei jeglicher Akquisition besonders tief in die Tasche greifen muss.
Warum leistet sich Facebook so einen teuren Deal trotzdem?
Die Facebook-Plattform ist nicht ausreichend auf mobile Endgeräte abgestimmt. Instagram hingegen entwickelt Applikationen speziell und nur für mobile Nutzer.
Ist das Grund genug, eine Firma zu einem so hohen Preis aufzukaufen?
Natürlich nicht. Der wohl wichtigste Aspekt bei diesem Deal ist die unterschiedliche Reaktion der Nutzer auf die beiden Marken. Instagram ist cooler als Facebook. Gegen diesen Image-Schwenk unter den Nutzern muss Facebook dringend etwas unternehmen. Dafür ist das Unternehmen offenbar bereit, sehr viel Geld hinzublättern.
Facebook soll bei den jugendlichen Nutzern uncool sein?
Wir sprechen von kreativer Destruktion. Die Entwicklungszyklen in dieser Branche sind mittlerweile so kurz, dass neue Unternehmen mit neuen Entwicklungen sehr schnell hipper dastehen als andere etablierte Firmen in diesem Markt. Damit das nicht zu rasch passiert, kauft Facebook eines jener Unternehmen auf, die ihm gefährlich werden könnten.
In diesem Fall ist eine Milliarde wiederum ein guter Preis.
Durchaus, wenn man bedenkt, dass sich Firmengründer Mark Zuckerberg mit Facebook lange gegen einen Verkauf oder die Öffnung hin zum Kapitalmarkt gewehrt hat. Heute ist er der grösste Nutzniesser eines 100-Milliarden-Dollar-Unternehmens. Diesen Weg haben die Eigentümer von Instagram offenbar nicht gewählt und haben viel rascher verkauft. Der Druck der kreativen Destruktion in diesem Markt ist mittlerweile so gross, dass es besser ist zu verkaufen.
Wie gross ist die Facebook-Blase?
Wir sehen drei Schlüsselwerte, um ein Unternehmen wie Facebook korrekt zu bewerten. Von dem geschätzten Börsenwert von 100 Milliarden US-Dollar verteilen sich die Werte zu je einem Drittel wie folgt:
- Erstens auf den Fundamentalwert, das Kerngeschäft sozusagen – inklusive handfester Assets, die bei einem Internetkonzern wie Facebook naturgemäss gering ausfallen.
- Zweitens auf die Zukunftsaussichten für das Unternehmen, das Geschäfts- und Umsatzpotenzial.
- Drittens auf den Bubble-Wert, also die potenzielle Überbewertung von Facebook. Diese entsteht durch den Herdentrieb der Investoren an den Kapitalmärkten und durch Nachahmer, die auch ein Internetunternehmen gründen wollen, um in diesem Business mitzuspielen. All das beflügelt Technologiewerte und Internetaktien.
Wie gross ist das Risiko für den Kapitalmarkt, wenn diese Blase platzt?
Wenn man bedenkt, dass Facebook mit seinem kolportierten Firmenwert zu den 15 grössten US-Unternehmen gehört, aber über vergleichsweise wenige Assets verfügt, dann steckt eine grosse Gefahr in der Überbewertung. Der Firmenwert kann sehr rasch um mindestens ein Drittel fallen. Bei insgesamt 100 Milliarden US-Dollar nimmt das schon kapitalmarkt- und systemrelevante Ausmasse an. Wer sein Geld in Facebook-Aktien steckt, muss wissen, dass er in Optionen und Zukunftsaussichten investiert und nicht in Fundamentalwerte oder Anlagevermögen.
Wann platzt die Bubble?
Nicht so bald, noch gibt es ein Entwicklungspotenzial. Facebook hat rund 850 Millionen Nutzer. Wir glauben, dass es bis 1,2 Milliarden gehen kann.
Wer hoch steigt, fällt tief. Gilt das dann auch für Facebook?
Bestimmt auch. Aber derzeit hat diese Entwicklung noch mehr Vor- als Nachteile.
Welche?
Durch die Spekulationsblase wird die Innovation vorangetrieben.
Inwiefern?
Und zwar solange Facebook die vielen kleineren Internetunternehmen dazu inspiriert, neue Applikationen und Software-Elemente zu entwickeln. Wenn Facebook nicht alle diese Unternehmen aufkauft und damit vom Markt nimmt, dann wird der Innovationsgrad in diesem Markt sehr hoch bleiben.
Das gilt wohl für den Technologie- und Softwaremarkt. Aber was ist mit dem Kapitalmarkt? Wann ist der Höhenflug passé?
Facebook liefert die Story für all die ehrgeizigen Firmengründer, die auf der Erfolgswelle mitsurfen wollen. Letztlich hellt das generell die Stimmung am Kapitalmarkt auf. Private-Equity-Investoren wollen weiterhin viel Geld in diesen Bereich investieren und sind auch bereit, Risiken einzugehen. Für Aktionäre bleibt das Papier sehr interessant, denn nach dem Börsengang muss Facebook erstmals Quartalszahlen offenlegen und die Anleger werden das Papier sehr genau verfolgen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.04.2012, 14:30 Uhr
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7 Kommentare
Eine weitere Analyse welche die Welt nicht braucht und den Wert von Facebook nur kommerziell sieht und die politischen Interesse der USA und ihrer unzähligen Geheimdienste und Wirtschaftsspione ausser Acht lässt ... Personendaten sind unglaublich viel wert. Die Politik wird sich hüten aufzuklären und falls der Wert rapide sinkt, steht im Hintergrund ein Staat mit unbeschränkten Mitteln! Antworten
Wenn für eine Firma mit einem Dutzend Mitarbeitern und ohne Umsatz 1 Milliarde bezahlt wird ist das wohl ein Zeichen, dass Geld nichts mehr wert ist. Aber da ja ein Teil in Facebook Aktien bezahlt wurde die eigentlich auch nichts wert sind relativiert sich das wieder. Antworten
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