Wirtschaft

Importeure zocken Konsumenten ab

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 13.07.2011 93 Kommentare

Händler kaufen wegen des starken Frankens günstig im Ausland ein. Doch die Konsumenten im Inland merken davon kaum etwas. Der Konsumentenschutz will deswegen die Wettbewerbshüter anrufen.

1/2 Importeure in der Schweiz leeren die Taschen der Konsumenten
Textil-Detailhändler geben die günstigen Euro-Einkaufspreise nur zögerlich an die Kunden weiter.

   

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Der Franken steigt – nur die Preise bleiben gleich oder steigen sogar. Innert eines Jahres sind so wichtige Produktgruppen wie Lebensmittel um mehr als zehn Prozent teurer geworden, Bekleidung um mehr als vier Prozent. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sind Kleidung und Autos nicht nur im Einkauf billiger, sondern parallel dazu im Verkauf sogar teurer geworden. Das fällt auf, denn der Euro hat zum Franken rund ein Fünftel an Wert eingebüsst.

Ein grosser Teil dieser Produktgruppen wird im günstigeren Ausland eingekauft. Textilien zum Beispiel werden zu 70 Prozent aus dem Euro-Ausland importiert. Doch die Konsumenten sehen von den Vergünstigungen nichts. Konsumentenschützer hegen seit längerem den Verdacht, die Importeure streifen die Differenz ein und geben die günstigeren Einkaufspreise nicht an die Konsumenten weiter. André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der Stiftung für Konsumentenschutz, sieht darin einen Fall für die Wettbewerbshüter; die Branchenvertreter wehren sich. DerBund.ch/Newsnet hat sich umgehört.

Die Macht liegt bei den Importeuren

Rudolf Blessing von der Vereinigung der Schweizer Automobilimporteure ist verärgert: «Dass nur die Listenpreise verglichen werden, ist problematisch.» Wenn der Importeur oder Händler beim Einkaufspreis für Neuwagen runtergehe, müssten auch die Preise bei Gebrauchtwagen angepasst werden, dann würden im Neuwagenbereich Milliarden vernichtet, weil dann mehr Gebrauchtwagen und weniger Neuwagen gekauft würden.

Hinzu komme, dass das Gros der Leasing-Verträge ebenfalls angepasst werden müsste: «Ein Auto für 30'000 Franken müsste dann um mehr als 15 Prozent auf 25'000 Franken gesenkt werden.» Das wären hohe Abschreibungskosten, so der Automobil-Experte. Eine Abzocke am Konsumenten ortet Blessing jedenfalls nicht: «Man kann das Auto ja auch im Ausland kaufen. Das Maximum herauszuholen, ist üblich, das versucht jeder.» Und: «Es werden ja nicht nur Autos teurer, sondern auch andere Produkte.» Dass die Händler abkassieren, glaubt er weniger, die grössere Verhandlungsmacht liege immer noch bei den Importeuren. «Beide machen die Margen letztlich untereinander aus.» Diese könnten infolge des günstigen Wechselkurses durchaus um rund zehn Prozent gestiegen sein, festlegen will sich Blessing aber nicht.

Kein Handlungsdruck

Das ist für die Konsumentenschützer nicht nur in der Automobilbranche ein Skandal: «Auch bei der Bekleidung wird die hohe Kaufkraft der Schweizer Konsumenten schamlos ausgenutzt.» Bei den Online-Shops von Walbusch oder Esprit werde der Euro zum Franken mit 1:2 statt 1:1.20 umgerechnet. Mit anderen Worten: Schweizer zahlen für identische Produkte bis zu 84 Prozent mehr als beispielsweise Deutsche.

Für Ulrich Stalder, Verbandspräsident von Swiss Fashion Stores, eine übertriebene Darstellung: «Der Handel wird die Preise bald senken müssen, denn in der Modebranche haben Bestellungen und Preise Vorlaufzeiten von circa einem Dreivierteljahr.» Bis dahin würden die Händler allerdings von den günstigeren Einkaufspreisen profitieren. Das sei auch notwendig, meint Stalder weiter, «denn bei der bevorstehenden Preissenkung werden die Deckungsbeiträge der Händler massiv unter Druck geraten». Eilig haben es die Händler mit den Preissenkungen schon deshalb nicht, weil eine höhere Marge von rund 15 Prozent «wegen des Wettbewerbs auf Dauer ohnehin nicht beibehalten wird». Der Verbandschef sieht keinen Handlungsdruck: «Die Schweizer fahren auch ins Ausland zum Einkaufen.»

Lebensmittelhändler drücken Lieferanten

Ein Phänomen, das man auch aus dem Lebensmittelhandel kennt. Ausschlaggebend wird der starke Franken für Lebensmittelketten wie Coop oder Migros in den Grenzregionen: «Viele Kunden fahren zum Einkaufen regelmässig nach Österreich und Deutschland», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. «Der Euro spielt für uns aber keine ausschlaggebende Rolle.» Denn der Grossteil der Produkte stamme aus der Schweiz. Und Früchte und Gemüse aus dem Ausland werden wöchentlich kalkuliert. Seit einem halben Jahr wirbt die Migros damit, die Preise über das Sortiment von mehr als 3000 Artikeln gesenkt zu haben.

Und dennoch bleiben die Preise für Nahrungsmittel laut dem Bundesamt für Statistik seit Monaten stabil. Nur im Einkauf haben die Lebensmittelpreise um 1,5 Prozent zugelegt. Um trotz den verkündeten Preissenkungen im Detailhandel - und moderat höheren Preisen im Einkauf - die Margen zu halten, werde der Druck vom Lebensmittelhandel an die Lieferanten im Inland weitergegeben. «Die Einkaufsverhandlungen sind härter geworden», sagt Weibel.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.07.2011, 15:55 Uhr

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93 Kommentare

Guido Felsener

11.07.2011, 16:40 Uhr
Melden 80 Empfehlung

Autoimporteur Walter Frey (SVP) wird sicher sein Einstehen für den Mittelstand durch die volle Weitergabe der Währungsschwankungen beweisen, oder? ODER? Antworten


Tom Dubach

11.07.2011, 17:28 Uhr
Melden 80 Empfehlung

Für Schweizer Produkte bezahle ich gerne Schweizer Preise, da die Wertschöpfung im Inland generiert wird. Aber warum zum Gugger soll ich für für Snickers, Gatorade oder ein Waschmittel von Henkel 50 % mehr als im angrenzenden Ausland bezahlen?! Antworten



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