Ideenfabrik vor dem Konkurs
Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 30.11.2011 4 Kommentare
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Die Sanierung der mit rund drei Millionen Franken verschuldeten Bieler Ideenfabrik Brainstore ist gescheitert. Balz Oberle, Präsident des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland, widerrief gestern auf Antrag der Sachwalterin Transliq die Nachlassstundung, womit Brainstore nicht wie vorgesehen bis Mitte Februar vor Gläubigerforderungen geschützt ist. Brainstore hat die Möglichkeit, den Entscheid vors Obergericht weiterzuziehen. Andernfalls können die Gläubiger ohne vorhergehende Betreibung die Konkurseröffnung verlangen.
Da Brainstore «auch in den letzten Monaten Verluste geschrieben» habe und «die Liquidität für die nächste Zeit nicht gesichert» sei, müsse ein Zustandekommen des vorgelegten Sanierungskonzepts als «äusserst unwahrscheinlich» beurteilt werden, sagte Denise Kreutz, Mandatsleiterin bei Transliq. Ohne Widerruf der Nachlassstundung hätte für die Gläubiger das Risiko bestanden, noch mehr Geld zu verlieren. Sie argumentierte, das Sanierungskonzept von Brainstore sei «rechtlich nicht ausreichend geprüft» worden, zudem sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich genügend Gläubiger gefunden hätten, die dieses mitgetragen hätten. Mettler hatte vorgesehen, dass die Gläubiger die offenen Forderungen in ein unverzinsliches Aktionärsdarlehen mit Rangrücktritt umgewandelt hätten und ab März am Gewinn beteiligt worden wären.
«Im Oktober in der Gewinnzone»
Markus Mettler gab sich gestern nach der Gerichtsverhandlung kämpferisch. «Unsere Produktion läuft, die Kunden bekommen, was sie wollen – das Leben geht also weiter.» Über die weiteren Schritte will Brainstore in den nächsten Tagen informieren. Mettler sagte, im August und September habe ein konsolidierter Verlust von total 30 000 Franken resultiert, im Oktober und November sei man aber «mit neuem Geschäftsmodell wieder in der Gewinnzone» gewesen.
Am 11. Oktober hat Mettler allen Angestellten gekündigt, auch sich selber und Mitgründerin Nadja Schnetzler. Vier der verbliebenen zehn Mitarbeiter seien noch im Betrieb, zwei mit dem neuen Modell. Sie hätten die Herausforderung angenommen, keinen Lohn mehr zu beziehen, sondern mit 25 Prozent am selber generierten Umsatz beteiligt zu sein. Aufgrund der negativen Schlagzeilen hätten viele Kunden Aufträge storniert, sagte Mettler; nun erarbeite Brainstore statt ganzer Projekte nur noch einzelne Etappen für Kunden, dann entscheide der Kunde, wie viel Geld ihm dies wert sei und ob er eine nächste Etappe realisieren wolle. Das neue Modell sei erfolgversprechend und erlaube, die Altlasten zu beseitigen. (Der Bund)
Erstellt: 30.11.2011, 07:31 Uhr
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4 Kommentare
Die untenstehenden hämischen Kommentare sind unfair: Brainstore hat Hochachtung verdient für die "Erfindung" eines völlig neuen Ansatzes im Produkt- und Dienstleistungsdesign. Ein Avantgardist der Wissensgesellschaft. Bloss wurden die neuen Methoden von grossen Firmen gleich internalisiert und der Rest bedient sich schlanker des virtuellen "Crowdsourcing" und setzt auf "Community Intelligence". Antworten
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