Hummler zum NZZ-Rücktritt aufgefordert

Die Klage gegen CVP-Präsident Darbellay verschlechtert die Position Hummlers im Verwaltungsrat der «Neuen Zürcher Zeitung». Im Tessin fordert ein überparteiliches Komitee seinen sofortigen Rücktritt.

Ein Mann in der Defensive: Konrad Hummler. (Foto: Sabina Bobst)

Ein Mann in der Defensive: Konrad Hummler. (Foto: Sabina Bobst)

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Das Schuldeingeständnis der Bank Wegelin in den USA und die Aussage von Wegelin-Partner Otto Bruderer im Namen aller Teilhaber, dass ähnliches Verhalten bei Schweizer Banken üblich gewesen sei, gibt weiterhin zu reden. Denn Rechtsanwalt Mathias Schwaibold hat soeben im Namen von Konrad Hummler und Otto Bruderer eine Klage gegen CVP-Präsident Christophe Darbellay und die «Aargauer Zeitung» (AZ) eingereicht (<%=misc::zitat%> berichtete). Dies, weil sich Darbellay in der AZ mit der Aussage zitieren liess, wer so etwas sage, sei «ein Verräter». Dafür muss Darbellay nun in Teufen und in Uitikon vor dem Friedensrichter antraben.

Darbellay sagte dem «Tages-Anzeiger» gestern: «Als Schweizer Bürger, als Schweizer Politiker und als Vertreter des Wirtschaftsstandortes Schweiz empfinde ich ein solches Verhalten als Verrat, dazu stehe ich.» Er sei bereit, die Konsequenzen zu tragen: «Ich werde hingehen und auf die Immunität als Politiker verzichten. Denn ich finde es höchst bedenklich, dass ausgerechnet diese Leute die Meinungsfreiheit eines Parlamentariers einschränken wollen.» Erstens hätten sie dem Schweizer Finanzplatz Schaden zugefügt; zweitens habe sich Hummler bisher selber in der Rolle als Provokateur gefallen, der mit harten Bandagen kämpft. Und drittens sei Hummler weiterhin Verwaltungsrat der «Neuen Zürcher Zeitung». Ob er von diesem Amt nicht auch zurücktreten wolle, müsse Hummler selber wissen, wenn er am Morgen in den Spiegel schaue, sagte Darbellay. «Ausserdem ist es schon etwas speziell, wenn sich der NZZ-Verwaltungsrat von einem ‹Blick›-Anwalt vertreten lässt.» Damit sprach er die Tatsache an, dass Schwaibold oft Mandate von Ringier hat.

Politiker solidarisieren sich

Laut Darbellay hat sich SP-Präsident Christian Levrat sofort mit ihm solidarisiert und anerboten, ihn bei seiner Reise nach Teufen zu begleiten. FDP-Präsident Philipp Müller hatte sich in der letzten «SonntagsZeitung» bereits kritisch zu Hummler geäussert: «Das Wegelin-Vorgehen passt in die Kaskade von Schweinereien der von den US-Behörden zur Verantwortung gezogenen Banken.» Müller sagte auf Anfrage, er sei bisher noch nicht angeklagt, doch er habe von Hummler ein scharfes Mail erhalten und treffe sich zu einer Aussprache mit ihm. Weiter erklärte Müller: «Dass Hummler und Bruderer Darbellay anklagen, finde ich politisch sehr ungeschickt.» Es verbessere die Position der beiden sicher nicht.

Druck auf Hummler in seiner Funktion als NZZ-Verwaltungsrat, die er auch nach seinem Rücktritt als VR-Präsident letztes Jahr noch hat, kommt auch von anderer Seite: Der ehemalige Tessiner Staatsanwalt und bekannte Mafiajäger Paolo Bernasconi fordert zusammen mit einer Reihe von Tessiner Persönlichkeiten seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der NZZ. Einen entsprechenden offenen Brief hat Bernasconi darum NZZ-Präsident Franz Steinegger geschrieben – nicht nur wegen des Verhaltens der Bank Wegelin in den USA, sondern auch wegen des Geschäftsgebarens der Bank im Tessin. Dieses war ruchbar geworden nach der Verhaftung eines ehemaligen Wegelin- und späteren Notenstein-Bankers am 30. Dezember 2012. Der Mann wird verschiedener Vermögensdelikte im Umfang von 15 Millionen Franken beschuldigt. Dabei geht es um den Grenzdevisenhandel, also den physischen Transport von Banknoten, ein Geschäft, das laut Bernasconi andere Banken auf Geheiss der Finanzmarktaufsicht Finma nicht mehr anbieten.

Bernasconis Schreiben zufolge sind in Como und Varese Strafverfahren wegen unrechtmässigen Devisen- und Goldhandels hängig. Wegelins Wahl des Businessmodells trage zur weiteren Verschlechterung des internationalen Prestiges des schweizerischen Bankenplatzes bei. Darum müsse Hummler aus dem NZZ-Verwaltungsrat zurücktreten, sonst entstehe der Eindruck, dass «die Schweizer Elite die neue regulatorische Auffassung der Weltordnung noch nicht verstanden hat, wenn nicht sogar, dass sie sich widersetzt».

Es ist nicht das erste Mal, dass Bernasconi dem VR-Präsidenten der NZZ schreibt. Im Mai war er mit einem bisher unveröffentlichten Schreiben an Steinegger gelangt und hatte Hummlers Rücktritt verlangt. Unterzeichnet wurde das Schreiben von elf weiteren Tessiner Persönlichkeiten, unter ihnen ehemalige wie amtierende Bundesparlamentarier: Dick Marty (FDP), Jacques Ducrey (FDP), Remigio Ratti (CVP), Fulvio Caccia (CVP), Chiara Simoneschi Cortesi (CVP).

Steinegger bestätigte gestern auf Anfrage den Eingang des Briefes: «Bernasconi hat uns bereits im Mai geschrieben, damals ging es um eine Rückkehr von Hummler ins Präsidium. Daraufhin habe ich mit Herrn Bernasconi telefoniert und ihm versichert, dass das nicht geplant sei. Die Vorfälle im Tessin sind für mich neu. Wir werden sie prüfen. Im Moment sind mir die anstehenden Personalien bei der NZZ (die Ernennung eines neuen Chefs und eines neuen Verwaltungsrats, Anm. der Red.) wichtiger als die Vergangenheitsbewältigung.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.01.2013, 08:13 Uhr)

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