Wirtschaft

Helsana und Comparis brechen Prämien-Dekret

Von Daniel Friedli, Bern . Aktualisiert am 20.08.2010

Die Krankenkasse Helsana veröffentlicht bereits ihre Prämien für 2011 – gegen die Anordnung des Bundes und mit Comparis als lachendem Dritten.

«Dass Comparis sich nicht daran gehalten hat, ärgert uns»: Rob Hartmans, Helsana-Sprecher.

«Dass Comparis sich nicht daran gehalten hat, ärgert uns»: Rob Hartmans, Helsana-Sprecher.
Bild: Keystone

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Es naht der Prämienherbst und mit ihm die alljährliche Frage: Wie stark wird die Krankenkasse nächstes Jahr wieder aufschlagen? Gerne beantwortet der Internetvergleichsdienst Comparis diese Frage. Denn er verdient Geld damit, jeweils möglichst früh Prämienvergleiche zwischen den Kassen zu ermöglichen und Offertformulare anzubieten. So ist es auf den ersten Blick nicht überraschend, dass Comparis gestern werbewirksam ankündigte, die ersten provisorischen Zahlen – es sind jene von fünf Krankenkassen der Helsana-Gruppe – seien nun verfügbar.

Auf den zweiten Blick wirft das Vorgehen indes Fragen auf, denn genau eine solche Publikation wollte der Bund dieses Jahr eigentlich vermeiden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verschickte bereits im Mai ein Kreisschreiben an alle Kassen, in dem es heisst: «Vor der Genehmigung der Prämien durch das BAG sind diese in keiner Form zu veröffentlichen.» Explizit fügte das BAG an, dass dies auch für Internetdienste gelte.

Bei Comparis ist man sich trotzdem keiner Schuld bewusst. Man habe von der Helsana die Erlaubnis zur Publikation erhalten und sei bei zweimaliger Nachfrage beim BAG nicht auf Widerspruch gestossen, sagt Geschäftsführer Richard Eisler. Bei der Helsana tönt es bereits ein bisschen anders. Laut Sprecher Rob Hartmans wurde der Bund über die Pläne orientiert, die Prämie den Vergleichsdiensten weiterzugeben. In Absprache und auf Wunsch des BAG habe man diese indes explizit angewiesen, nicht aktiv darüber zu informieren. «Dass Comparis sich nicht daran gehalten hat, ärgert uns», sagt Hartmans.

BAG verlangt Rücknahme

Beim BAG sieht man es nochmals anders. Es gelte nach wie vor das genannte Kreisschreiben, und dieses sei bezüglich der Publikation unmissverständlich, heisst es auf Anfrage. Von einem Okay an die Helsana, die Prämien zu publizieren, ist also nicht die Rede, ganz im Gegenteil: Dem Vernehmen nach hat das BAG sofort bei der Kasse interveniert und verlangt, dass sie ihre Prämien bis heute Freitagmorgen wieder vom Netz nimmt. Die Helsana lehnt dies ab.

Verärgert über das Vorpreschen sind aber auch andere Krankenkassen, von denen einige umgehend beim BAG reklamiert haben. So schickte etwa die CSS ein Schreiben nach Bern, in dem sie bis Freitagmittag Klarheit über das weitere Vorgehen verlangt. Ansonsten behält sie sich vor, ihre Zahlen ebenfalls zu präsentieren. Und auch Visana-Sprecher Christian Beusch moniert, es müssten für alle dieselben Regeln gelten – sonst werde man die eigene Haltung überdenken.

5 bis 7 Prozent teurer

Genau darauf hofft Comparis-Chef Eisler. Er hat mit den Helsana-Zahlen im Gepäck bereits bei anderen Kassen nachgefragt, ob sie ihre Daten nicht auch freigeben wollten. Comparis argumentiert dabei, dass sich die Versicherten bis Ende September entscheiden müssen, ob sie ihre Zusatzversicherung für 2011 wechseln oder nicht. Und weil viele Leute Zusatz- und Grundversicherung bei derselben Kasse abschliessen wollten, müssten sie schon in etwa wissen, um wie viel die Grundprämie aufschlage. Überdies habe das BAG gar keine rechtliche Kompetenz, die Publikation der provisorischen Prämien zu verbreiten.

Beim Bund räumt man ein, dass eine explizite Grundlage dafür fehlt – zumindest noch. Denn das BAG will die Aufsicht über die Kassen generell verstärken, wobei dann auch der Moment der Prämienpublikation geregelt werden könnte.

Wie hoch der Aufschlag für 2011 ausfallen wird, wird man im Herbst wissen, wenn das BAG alle Prämien genehmigt hat. Brancheninsider rechnen derzeit mit einem mittleren Anstieg zwischen 5 und 7 Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2010, 21:57 Uhr

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