Wirtschaft

Harsche Kritik am Stellenabbau der UBS

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 24.08.2011 34 Kommentare

Einer von zwanzig Mitarbeitern muss die UBS verlassen. Personalverbände werfen der Grossbank Intransparenz und Fantasielosigkeit vor.

Die meisten Stellen gehen im Grossraum Zürich verloren: Banker vor der UBS am Paradeplatz.

Die meisten Stellen gehen im Grossraum Zürich verloren: Banker vor der UBS am Paradeplatz.
Bild: Keystone

Grübel macht Politik mitverantwortlich

Nach der Bekanntgabe des Stellenabbaus verschickte UBS-Chef Oswald Grübel ein Memo an seine Mitarbeiter, das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt. Darin macht er neben dem schlechten Börsenumfeld und der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung auch die strengeren Vorschriften im Bankenbereich mitverantwortlich für den Stellenabbau. Grübel hat bereits im Vorfeld der Diskussionen über die «Too big to fail»-Vorlage des Bundes mehrfach vor einem drohenden Stellenabbau gewarnt.

Hier Auszüge des Memos im Wortlaut: «Liebe Kolleginnen und Kollegen: Unsere Industrie befindet sich inmitten eines massiven Veränderungsprozesses. Nur wer sich konsequent den neuen Verhältnissen anpasst, kann sich im zukünftigen Umfeld behaupten. Wir stehen vor einem grundlegend veränderten Marktumfeld, mit einem vorsichtigeren Kundenverhalten, Schuldenreduzierung auf staatlicher und privater Ebene, strengeren regulatorischen Bedingungen und extrem höheren Kapitalanforderungen (...) Wir haben bei UBS in den letzten Jahren sehr viel erreicht. (...) Gleichzeitig müssen wir uns aber entsprechend den künftigen Ertragsmöglichkeiten verhalten und laufend effizienter werden.»

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Der Gewinneinbruch der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) im dritten Quartal hat Folgen. Konzernchef Oswald Grübel will bis Ende 2013 konzernweit 3500 Stellen streichen – rund einen von 20 Arbeitsplätzen. In der Schweiz rechnet die Bank mit 400 Entlassungen, die meisten davon im Grossraum Zürich. Mit 45 Prozent am stärksten vom Stellenabbau betroffen ist das Investmentbanking, 35 Prozent der 3500 Arbeitsplätze werden im Bereich Wealth Management & Swiss Bank gestrichen. Mit diesem Schritt will die UBS die jährlichen Kosten um 2 Milliarden Franken drücken. Die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen kommt die Bank teuer zu stehen. Sie rechnet mit 550 Millionen Franken Restrukturierungskosten.

Die Angestelltenverbände bezweifeln die Notwendigkeit dieses Abbaus. «Ist es nötig, so viel zu sparen?», fragt Denise Chervet, Zentralsekretärin des Schweizerischen Bankpersonalverbands. Und sie gibt die Antwort gleich selbst: «Die UBS machte auch im letzten Quartal Gewinn, wenn auch weniger.» Im Vergleich zur Vorjahresperiode brach der Reingewinn von 2 auf gut 1 Milliarde Franken ein. Zu wenig in den Augen der UBS-Führung. Dennoch darf man nach Meinung von Chervet den Abbau von 3500 Stellen hinterfragen.

Auf Entlassungen folgen Anstellungen

Auch Barbara Gisi vom Kaufmännischen Verband Schweiz kritisiert den Abbau als «äusserst bedauerlich». Es bestehe ein Missverhältnis zwischen dem Gewinnziel der Bank und den Sparmassnahmen. Dabei lässt der Verband ausser acht, dass der UBS-Chef Ende Juli von seinem 2009 formulierten Ziel abgerückt ist, bis 2014 einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken zu erzielen. Das übersehe man nicht, entgegnet Gisi. Doch sei das Gewinnziel von Grübel nicht wirklich revidiert worden und bleibe damit «vage und unberechenbar».

Grübels Gewinnrückzieher war ein klarer Hinweis, dass sich das Geschäft nicht annähernd so gut entwickelt, wie er sich das bei seinem Einstieg bei der UBS vorgestellt hat. Entsprechend hart greift er jetzt im Personaletat durch. Gisi kritisiert, dass die UBS schon 2009 in den gleichen Bereichen Stellen gestrichen habe. Damals habe es geheissen, man sei jetzt gut aufgestellt. Auch Denise Chervet legt ihren Finger auf diesen Punkt: «Die UBS hat Erfahrung mit einem Stellenabbau, der rückgängig gemacht werden muss.» 2009 kündigte die Bank einen Abbau von 2500 Arbeitsplätzen allein in der Schweiz an, der dann effektiv in 1200 Entlassungen mündete. Kurze Zeit danach stellte die Bank wieder Leute ein.

UBS schweigt zu Spitzensalären

Chervet wirft der Grossbank vor, sie pflege die Sozialpartnerschaft nicht mehr so gut wie zur Zeit der Krise. Vor allem sei die Informationspolitik «absolut unbefriedigend». Als Beispiel nennt sie die vom Bankpersonalverband geforderte Opfersymmetrie. Es gehe nicht an, Mitarbeitende zu entlassen, ohne dass auch das Topmanagement spare. In der Frage, ob Spitzensaläre gekürzt werden, habe die Bank den Verband nicht informiert. «Das ist ein schlechtes Zeichen», sagt Chervet. Dem «Tages-Anzeiger» teilt die Bank in dieser Sache mit: «Wir haben den heute kommunizierten Angaben nichts beizufügen.»

Schon Ende Juli hat der Bankpersonalverband auf seiner Website die Mitarbeitenden der Credit Suisse aufgefordert, auf vertraulicher Basis eine Erklärung zu unterstützen, mit der die CS-Leitung zur Opfersymmetrie aufgefordert wird. Bis gestern taten dies nur 26 CS-Angestellte. Das seien zu wenig, klagt Chervet. «Die Bankangestellten müssen lernen, sich zu wehren. Es wird ihnen psychisch besser gehen, wenn sie nicht alles schlucken, was von oben kommt.»

Keine Mitsprache der Verbände

KV-Frau Gisi kritisiert vor allem auch, dass die UBS nicht bereit sei, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen. Sie nennt die Förderung von Teilzeitanstellungen, die erleichterte Möglichkeit für Auszeiten zur Weiterbildung oder auch stufenlose Frühpensionierungen. «Einfach Entlassungen aussprechen ist fantasielos. Es wäre schön, wenn die Bank bei der Einführung und Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle gleich viel Fantasie walten lassen würde wie bei der Entwicklung neuer Finanzprodukte.»

Die vom Stellenabbau Betroffenen können von einem Sozialplan profitieren. Bevor es zu Kündigungen kommt, bietet ihnen die Bank einen zwei- bis viermonatigen Begleitprozess an. Dabei werden sie bei der internen und externen Stellensuche unterstützt. Erst dann werden blaue Briefe verschickt.

Beide Verbände kritisieren nun aber, dass dieser Sozialplan Ende Jahr auslaufe, ohne dass sie an der Ausarbeitung des Folgeplans beteiligt würden. «Wir haben den grossen Chef in dieser Sache angeschrieben, aber noch keine Antwort erhalten», sagt Denise Chervet. Sie meint damit Lukas Gähwiler, ehemaliger Credit-Suisse-Mann und seit anderthalb Jahren Chef der UBS Schweiz. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» teilt die Bank mit: «Die Verhandlungen über einen neuen Sozialplan werden mit der internen Arbeitnehmervertretung geführt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2011, 21:12 Uhr

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34 Kommentare

Marc Peer

24.08.2011, 08:38 Uhr
Melden 30 Empfehlung

«Die Verhandlungen über einen neuen Sozialplan werden mit der internen Arbeitnehmervertretung geführt.»
-
Hier wird jedem klar, weshalb den Banken- und Wirtschaftslobbyisten (fdp, svp etc) die Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen ein Dorn im Auge sind. Je schlechter der Arbeitnehmer organisiert ist, desto besser kann er ausgepresst, herumgeschoben und abserviert werden.
Antworten


Hansueli Wirz

24.08.2011, 10:12 Uhr
Melden 11 Empfehlung

«Die Bankangestellten müssen lernen, sich zu wehren.» - Dieser Spruch ist echt super! - Ich hatte mich damals im 2008 schon gewehrt und bin seither ohne Job...! Würde mich wunder nehmen, was Frau Gisi heute dazu sagen würde? - Solange es einen nicht selber trifft, kann man immer gute Sprüche klopfen! Antworten



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