«Haarsträubende Lösungen, um Personalkosten zu sparen»
Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 23.02.2010
«Nachvollziehbar»: Georg Zimmermann, Geschäftsführer der «Cabin Crew Union» Kapers.
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Lufthansa fliegt trotz Streikende nur Notplan
Der nach einem Tag abgebrochene Pilotenstreik hat den Flugplan der deutschen Airline für längere Zeit durcheinandergebracht. Auch an diesem Dienstag müssen sich die Fluggäste der Lufthansa in ganz Deutschland auf zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen einrichten. Es werde der im Internet veröffentlichte Sonderflugplan zu 100 Prozent abgeflogen, erklärte ein Konzernsprecher am Montagabend in Frankfurt. Damit dürfte wie bereits am Montag erneut etwa jeder zweite Flug der grössten deutschen Fluglinie ausfallen. Auch Flüge der Tochter Germanwings und der Frachtsparte Cargo sind erneut betroffen. Mit einem einigermassen normalisierten Flugplan sei aber erst für Freitag wieder zu rechnen.
Herr Zimmermann, ist der Arbeitskampf der Lufthansa-Angestellten in Ihren Augen begründet?
Sagen wir, ich kann den Streik nachvollziehen. Das Lufthansa-Personal hat Angst, dass Stellen ausgelagert werden könnten. Und obwohl die Swiss eigentlich davon profitieren könnte, habe ich dafür Verständnis. Ausserdem herrscht Solidarität unter den Gewerkschaften: Wir fallen unseren deutschen Kollegen nicht in den Rücken.
Warum diese Angst?
In keiner anderen Branche verfügen Arbeitgeber über so viel Mobilität. Fluggesellschaften können ihr Personal auf der ganzen Welt rekrutieren. Die Swiss etwa hat lokales Kabinenpersonal in Indien, China und Thailand. So kann es sein, dass das Kabinenpersonal aus Polen kommt, die Piloten aus Frankreich und die Maschine aus Deutschland. Da gibt es haarsträubende Kombinationen, nur um Personalkosten zu sparen. Wie es bei den Piloten aussieht, weiss ich allerdings nicht genau.
Wie gross sind die Unterschiede von Lufthansa- und Swiss-Personal?
Beim Kabinenpersonal könnte man tatsächlich von einer Zweiklassengesellschaft sprechen. Zwar ist der Netto-Lohn in Deutschland tiefer. Doch rechnet man alle Zulagen und Abgaben mit, verdienen unsere Kollegen von Lufthansa
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besser. Und dies bei einer deutlich geringeren Arbeitsbelastung.
Bei den Lufthansa-Piloten wird von einem Lohn bis zu 240'000 Franken im Jahr gesprochen.
Das ist ein tolles Salär. Auch wenn ich für diese Zahl nicht die Hand ins Feuer legen kann.
Man könnte also sagen, hier wird auf sehr hohem Niveau lamentiert.
Mit dieser Aussage wäre ich vorsichtig. Ich kann, wie gesagt, die Angst der Lufthansa-Angestellten sehr gut verstehen. Der Kostendruck ist massiv, die Tickets werden immer billiger. So dass man sich fragen muss, wie lange das noch gut gehen kann, wenn ein solcher Druck ausgeübt wird. Ein Nordatlantik-Flug ist heute noch halb so teuer wie vor wenigen Jahren.
Ist ein Streik das richtige Mittel, um auf die Missstände aufmerksam zu machen und seine Forderungen durchzubringen?
Für uns ist ein Streik immer die Ultima Ratio. Bis jetzt hatten wir noch immer einen Plan B in der Hinterhand. Doch das Kabinenpersonal hat einen engeren Kontakt zum Kunden, darum bleiben uns mehr Mittel, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Da haben es die Piloten schwerer.
Wie sieht es in Zukunft für das Fluglinienpersonal aus? Rosig oder düster?
Der Kostendruck könnte noch zunehmen. Fluglinien spüren Konjunkturschwankungen immer gleich doppelt so stark. Allerdings hat die Swiss zwei Restrukturierungen hinter sich. Und blieb sogar unter diesen widrigen Bedingungen halbwegs profitabel. Das stimmt mich optimistisch.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.02.2010, 09:16 Uhr
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