Wirtschaft

Generika für Drucker senken die Kosten

Von Erika Burri. Aktualisiert am 05.11.2010 14 Kommentare

Mit Alternativpatronen liessen sich in der Schweiz im Jahr 100 Millionen Franken einsparen.

Sparpotential: Original-Druckerpartronen und Toner gehen ins Geld.

Sparpotential: Original-Druckerpartronen und Toner gehen ins Geld.
Bild: Keystone

Der hauseigene Drucker, Modell Laserjet 9040dn von Hewlett Packard (HP), spuckt 30'000 Kopien aus, bis nur noch Blätter mit verblasster Schrift aus dem Gerät kommen — Toner leer. Vier- bis fünfmal pro Jahr muss ein Toner oder eine Tintenpatrone im Schnitt ausgewechselt oder nachgefüllt werden, in papierintensiven Branchen etwas mehr. Günstig ist eine neue Patrone nicht. Rund 350 Franken kostet der Ersatz für den leistungsstarken HP-Drucker. Im Onlineshop Architronic.ch gibt es aber auch einen Toner für rund 250 Franken. Wieso so viel günstiger?

Weil eben nicht original. Weniger als ein halbes Jahr, nachdem das Druckermodell von HP auf den Markt gekommen war, hatte der Tintenhersteller Pelikan eine günstigere Alternative parat — im Fachjargon ein Druckerpatronen-Generikum. Generikum deshalb, weil es sich nicht einfach um eine Kopie handelt. Mit einer Kopie würden die Alternativhersteller das Patentrecht verletzen. Generika haben dieselbe Wirkung. Die Zusammensetzung sieht aber anders aus.

Achtung, Patente

Zu den erfolgreichen Produzenten von Druckerpatronen-Generika gehört auch das Schweizer KMU 3T Supplies AG mit rund 30 Angestellten in Schindellegi und weiteren 120 im Produktionsbetrieb in Tschechien. Das Geschäftsmodell tönt einfach. Im Detail ist die Arbeit aber komplizierter. Kommt ein neuer Drucker mit einer neuen Patrone auf den Markt, wird diese zuerst in ihre Einzelteile zerlegt und analysiert. Dann bastelt das Team an der Alternative, bis diese einwandfrei mit dem Drucker harmoniert. Der Druckkopf muss anders aussehen, die Tinte anders zusammengesetzt werden. Patentanwälte begleiten den Prozess, und die Patentanwälte der Gegenseite, der grossen Hersteller wie HP oder Epson, nehmen das Endprodukt ins Visier. Sehen sie Patentrechte verletzt, drohen Millionenklagen.

«Wir sind bisher noch nie wegen Patentrechtsverletzung verklagt worden», sagt 3T-Supplies-Geschäftsführer Alfred Wirch. Der ehemalige Manager bei Pelikan hat sich 1997 selbstständig gemacht. Nach eigenen Angaben kann er für jeden Patronentyp von Tintenstrahldruckern eine Alternative zum halben Preis anbieten. Peach heissen seine Patronen, die unter anderem über Internetshops vertrieben werden. Bei unabhängigen Warentests schneiden sowohl Peach- als auch Pelikan-Patronen jeweils gut ab, manchmal sogar besser als das Original. Der Onlineshop Architronic.ch rät allerdings zum Original, wenn ein Kunde besonderen Wert auf die Farbqualität legt.

Teure Computerchips

Das Nachbauen von Druckerpatronen wird allerdings immer aufwendiger. Denn die Grossen rüsten auf und bauen Hürden ein. «Fast in jeder Patrone hat es heute einen Computerchip», beklagt sich Wirch. Das verteuere die Generika massiv. Etwa eine Million Franken kostet 3T Supplies mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen das Decodieren und Nachbauen eines solchen Chips. Für Pelikan und Peach reine Schikane: Diesen Chip bräuchte es nicht, sagen beide. Er verteuere nur die Endprodukte, ihre und die Originale. 3T Supplies hat Anfang Jahr nach China expandiert, dort kann das Unternehmen deutlich günstiger produzieren. Von China aus will es den Weltmarkt erobern.

HP ist sich bewusst, dass Originaltinten von manchen Kunden als teuer angesehen werden. Beim Kauf, so schreibt der Konzern, würde aber nicht nur der Preis für die Tinte, sondern für ein komplexes technisches Gesamtprodukt bezahlt. Anders gesagt: Über Druckerpatronen wird der im Verhältnis günstige Preis des Druckers quersubventioniert. Epson antwortet, das Unternehmen stelle sich täglich dem fairen Wettbewerb.

Würde die Hälfte der Schweizer Konsumenten Tintengenerika kaufen, liessen sich hierzulande gemäss Hochrechnungen von 3T Supplies 100 Millionen Franken im Jahr einsparen. Der Totalverbrauch von Tintenpatronen und Toner liegt in der Schweiz bei rund 20 Millionen Stück. Dabei sind die Schweizer den Originalherstellern besonders treu. Nur 5 Prozent kaufen Alternativprodukte. In Europa sind es im Schnitt 10 Prozent. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2010, 22:27 Uhr

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14 Kommentare

Thomas Greuter

05.11.2010, 07:36 Uhr
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Würden die Druckerhersteller endlich die echten Preise für die Drucker verlangen, würde sich das Thema der Generika von selbst erledigen, da die Quersubvention wegfällt. Chips wären überflüssig. Durch höhere Preise würde ein Drucker auch wieder als Investitions- ,und nicht als Wegwerfprodukt angesehen. Reparaturen würden sich lohnen, gesamthaft würde der Abfallberg reduziert. Antworten


Beni Schärer

05.11.2010, 07:31 Uhr
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Ich warte seit Jahren Drucker von HP. Es gibt viele Nachahmer von Tonerkartuschen. Meine Erfahrung ist die, dass diese "Generika" viel mehr Toner verlieren, der sich in den Drucker ansammelt und so den Drucker verdrecken. Die Lebensdauer eines Drucker nimmt so rapide ab. Ich habe neben Pelikan schon andere probiert. Immer mit dem selben Resultat: Verdreckte Drucker. Ich bleibe beim Original. Antworten



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