Wirtschaft

France Télécom kehrt der Schweiz den Rücken

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 29.07.2011 12 Kommentare

Orange soll wegen fehlender Perspektiven verkauft werden. Insbesondere die Konkurrenten dürften Interesse an der Firma haben.

Das neue Angebot für Junge, das massiv beworben wird, ist laut Orange ein Erfolg: Passanten vor einem Orange-Shop.

Das neue Angebot für Junge, das massiv beworben wird, ist laut Orange ein Erfolg: Passanten vor einem Orange-Shop.
Bild: Keystone

(Bild: TA-Grafik kmh / Quelle: Anbieter)

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Vor einigen Monaten noch haben sie es abgestritten. Jetzt ist es offiziell: France Télécom ( 12.98 0.00%) sucht einen Käufer für Orange Schweiz. Angebote nimmt die französische Ex-Monopolistin ab sofort entgegen. Mit rund 1,5 Milliarden Euro sei man dabei, glauben Analysten. Zum Vergleich: Sunrise wurde letzten Sommer für 3,3 Milliarden Franken an die Beteiligungsgesellschaft CVC verkauft.

Der Grund für den Rückzug des französischen Konzerns ist offiziell, dass Orange nicht mehr ins Portfolio passt. Zum einen, weil die Anbieterin, gemessen am Marktanteil, bloss Nummer 3 ist. Zum anderen, weil Orange in der Schweiz nur über ein Mobilfunknetz verfügt. «Die Bestrebungen von France Télécom, einen Vollservice-Anbieter zu schaffen, wurden vor einem Jahr im Keim erstickt», sagt Tom Sieber, Chef von Orange Schweiz.

Gemeint ist die gescheiterte Fusion mit Sunrise. Die Wettbewerbskommission verbot den Zusammenschluss vor gut einem Jahr, weil der Wettbewerb dadurch geschwächt worden wäre. Orange hätte durch den Zusammenschluss aber nicht nur ein Festnetz erhalten, sondern auch Schützenhilfe im Mobilfunk. Die Anbieterin hat in den letzten Jahren stetig Boden verloren: Seit 2007 sank Oranges Marktanteil von 18,7 auf 16,6 Prozent (siehe Grafik). In der gleichen Zeit legte Sunrise von 18,6 auf 21,4 Prozent zu, auch dank der Übernahme 2008 von Tele 2. Nach einem deutlichen Rückgang wächst die Zahl der Kunden zwar wieder leicht. Der Umsatz ist aber rückläufig.

Hohe Marge, schlechte Aussicht

Doch nicht nur das Fusionsverbot hat France Télécom einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch eine Zwischenlösung ist gescheitert. Orange und Sunrise verhandelten in den letzten Monaten über die Zusammenlegung ihrer Netze. «Unsere Bemühungen haben sich aber verlaufen», sagt Sieber. Dem Vernehmen nach war Sunrise nicht mehr interessiert – was auch an den veränderten Machtverhältnissen liegen dürfte: Sunrise hat Orange klar überholt.

Die grosse Frage ist, wer als Käufer infrage kommt. Die Perspektiven im Schweizer Markt sind nicht besonders attraktiv – trotz relativ hoher Margen. In Europa findet derzeit eine Konsolidierungswelle statt: Entweder die Zahl der Anbieter reduziert sich durch Übernahmen (in den Niederlanden zum Beispiel von 5 auf 3), oder die Anbieter legen ihre Netze zusammen, wie etwa in Grossbritannien, Schweden oder Dänemark. «Ziel ist es, die sinkenden Preise durch Grössenvorteile zu kompensieren», sagt der dänische Mobilfunkexperte John Strand.

Genau das aber ist in der Schweiz schwierig. «Dabei wär es hier umso wichtiger», so Strand. Denn der Netzbau ist aufgrund von Topografie, strengen Strahlenschutzvorschriften und Einsprachen beim Bau neuer Antennen wesentlich teurer als im Ausland.

Cablecom als Wunschkäuferin

Tendenziell geht man daher von einer Beteiligungsfirma als Käuferin aus. Sie könnte spekulieren, dass ein Netzzusammenschluss oder gar eine Fusion zu einem späteren Zeitpunkt doch noch möglich ist. Damit liessen sich die grössten Synergien und damit eine deutliche Wertsteigerung erreichen. Nicht auszuschliessen ist auch, dass Sunrise-Eigner CVC einen Anlauf wagt. Wettbewerbsrechtlich wäre das zwar genauso problematisch, wie wenn Sunrise Orange direkt übernehmen würde. Aber wer weiss – vielleicht finden die Parteien im zweiten Anlauf einen Weg, die Bedenken der Wettbewerbshüter zu entkräften. CVC wollte sich dazu nicht äussern: «Wir kommentieren keine Spekulationen.»

Wunschkäuferin von Politik und Behörden wäre UPC Cablecom. Die Schweiz wäre allerdings das erste europäische Land, in dem der Cablecom-Mutterkonzern ein Mobilfunknetz betreibt. Fraglich ist auch, ob Cablecom mithilfe von Orange tatsächlich zu einem gleichwertigen Konkurrenten der Swisscom würde. «Das ist, als ob man zwei Esel kreuzen würde in der Hoffnung, ein Rennpferd zu erhalten», sagt Strand. Für Orange-Chef Sieber kommen auch andere Mobilfunkanbieter als Käufer infrage: «Zum Beispiel ein ausländischer Konzern, der so den Einstieg in den europäischen Markt sucht.»

Am Ende wird es eine Frage des Preises sein. «Je tiefer, desto mehr Käufer kommen infrage», sagt Strand. Allerdings hat France Télécom klar gemacht: Verkauft wird nur, wenn der Preis stimmt. Der Bieterprozess läuft erst an, mit einem Entscheid ist frühestens Ende Jahr zu rechnen. Bis dahin stehen die Orange-Mitarbeitenden vor grossen Unsicherheiten – schon wieder. Trotzdem fürchtet Sieber keinen Exodus beim Personal: «Wir sind krisenerprobt und äusserst loyal zum Unternehmen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2011, 07:45 Uhr

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12 Kommentare

Eron Thiersen

29.07.2011, 12:54 Uhr
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@A-Fink: Das hat nichts mit der Einwohnerzahl zu tun, schauen sie mal über die Grenze nach Österreich. Dort herrscht Konkurrenz unter den Telekomanbietern, das schlägt sich im Preis und Angebot nieder. Bei uns wird der Konkurrenzkampf massiv behindert. Die Swisscom ist immer noch Herrscher über ein Netz das der Bund und nicht die Swisscom finanziert hat! Das Netz muss freigegeben werden! Antworten


Tom Müller

29.07.2011, 12:54 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Die Swisscom ist geradezu unverschämt teuer, aber trotzdem halten Herr und Frau Schweizer ihr die Stange. Solange die Konsumenten zuviel Geld haben, wird es auch keinen Wettbewerb und keine Entwicklung geben. In Österreich kriegt man für lächerliche 14 Euros 1000 SMS, 1000 Minuten Telefon und 1000 MB Datentransfer. Antworten



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