Fragwürdige Methoden bei Suche nach Sponsoren für «Gesundheit Sprechstunde»

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 03.09.2010 20 Kommentare

Die Gesundheitssendung gerät wegen des Mailverkehrs ihres Medizinischen Leiters erneut in Erklärungsnot.

Wie wird bestimmt, wer in der Sendung als Fachperson auftritt? SF-Sendung «Gesundheit Sprechstunde».

Wie wird bestimmt, wer in der Sendung als Fachperson auftritt? SF-Sendung «Gesundheit Sprechstunde».
Bild: Screenshot GES

Das jüngste Aufsichtsverfahren gegen «Gesundheit Sprechstunde» (GES) läuft noch. Anfang Jahr beanstandete das Bundesamt für Kommunikation zehn mutmassliche Verletzungen der Werberichtlinien in sechs Sendungen.

Nun zeigen Recherchen des TA, wie sich der Medizinische Leiter von GES um Sponsoren bemüht: Einem Schmerzspezialisten, der sich nach dem Preis für einen 15 bis 20 Minuten dauernden Auftritt in der Sendung erkundigt, verweigert Markus Meier jede schriftliche Offerte. Auch auf Insistieren des Arztes, der angibt, dem Verwaltungsrat seiner Klinik eine solche vorlegen zu müssen.

Zweideutige E-Mailnachrichten

«Mehr als ich Ihnen am Telefon gesagt habe, kann ich Ihnen in einem Mail nicht schreiben», schreibt Meier im Juli an den Schmerzspezialisten. Er lässt den Arzt aber wissen, dass Sponsoren, mit denen man in einem «Rahmenvertrag» zusammenarbeite, sich jeweils an den «Produktionskosten» in der Höhe von 15?000 bis 40?000 Franken pro Sendung «beteiligen» würden.

In einem weiteren Mail deutet Meier an, dass der Arzt auch in die Sendung eingeladen werden könnte, wenn er einen von GES ausgerichteten Kongress im Paraplegikerzentrum Nottwil «unterstützen» würde (siehe Ausriss). Dieses Angebot ist in zweierlei Hinsicht fragwürdig. Erstens deutet Meier an, dass er dem Arzt einen Auftritt in einer Sendung verschaffen könne, wenn er GES anderswo entgegenkäme.

«Ungeschickt ausgedrückt»

Für die Zuschauer wäre dann nicht transparent, weshalb ausgerechnet dieser Arzt als Experte in einer Sendung von GES auftreten darf, was wiederum gegen die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des Radio- und TV-Gesetzes verstiesse. Zweitens heisst der beim Verlagshaus Ringier für GES Verantwortliche Fibo Deutsch. Deutsch ist auch Vizepräsident des Stiftungsrats der Paraplegikerstiftung, die das Paraplegikerzentrum Nottwil unterhält.

Deutsch sieht keine problematische Vermengung. «Wir richten den Schmerzkongress in Nottwil aus, weil wir von einer idealen Infrastruktur profitieren. Umgekehrt profitiert das Paraplegike-Zentrum von den Konsumationen der rund 2500 Besucher. Es fliesst kein Geld zwischen GES und Paraplegiker-Zentrum», sagt Deutsch. Meiers Angebot an den Arzt relativiert er. «Meier hat sich da ungeschickt ausgedrückt. Was er gemeint hat: Wir beobachten am Kongress jeweils die Auftritte der Experten. Wenn wir das Gefühl haben, einer kann reden und versteht sein Fach, dann laden wir den eher in die Sendung ein als andere», sagt Deutsch.

«Erlaubtes Product-Placement»

Bleibt die Frage, warum Meier schriftlich unter keinen Umständen über die «Beteiligung an Produktionskosten» verhandeln will. Handelte es sich um eine Zahlung im Rahmen eines üblichen Sponsoringvertrags, dann würde der Sponsor im Vor- und Abspann der Sendung erwähnt. Die Sponsoringverträge sind zwar Gegenstand eines Bakom-Aufsichtsverfahren, das die Unabhängigkeit von den Sponsoren überprüft. Sie gewähren aber die volle Transparenz für den Zuschauer.

Wollte Meier dem Arzt einen nicht als kommerziell deklarierten und damit glaubwürdigeren Auftritt als Experte verschaffen? «Nein», sagt Deutsch: «Seit Juli gilt ein neues Bakom-Reglement betreffend Sponsoring und Product-Placement. Darin ist Sponsoring als auch Product-Placement in einzelnen Sendungen explizit vorgesehen. Darüber verhandelt Meier. Arztauftritte gelten nach neuem Reglement als erlaubtes Product-Placement, welches wir auch ausweisen.»

Beobachter-Bericht bestätigt

In der heutigen Ausgabe berichtet der «Beobachter», dass Meier einer PR-Agentur ankündigte, eine Sendung über ein bestimmtes Medikament zu machen. Und ob die Herstellerfirma sich nicht mit zwischen 10'000 und 20'000 Franken an den «Produktionskosten beteiligen» und dafür einen Experten stellen wolle.

Deutsch bestätigt den Inhalt des «Beobachter»-Berichts im Wesentlichen, betont indes, es sei nicht um ein Medikament gegangen und dass die Redaktionsleitung die Experten aussuche und nicht Meier. «Es kann einer noch so viel zahlen wollen, wenn er fachlich nicht ausgewiesen oder nicht telegen ist, dann lege ich mein Veto ein», sagt Deutsch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2010, 22:55 Uhr

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20 Kommentare

Rolf Schumacher

03.09.2010, 10:30 Uhr
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@Müller um zu zeigen, dass man Sämi Stutz nur mit vorbehalt glauben kann. Vielleicht müsste man noch anfügen, dass jede ärztliche Fortbildung ebenfalls von grossen Pharmafirmen gesponsert wird. Die Bevölkerung hat ein recht zu wissen, wer die Werbesendungen bezahlt. In ofiziellen Werbesendungen steht der Name des Produktes ja auch immer irgendwo, oder? Hirslanden sells. Antworten


maja naef

03.09.2010, 10:11 Uhr
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Ich schaue mir diese Sendungen nie an. Ist mir einfach zu blöd am Wochende über Krankheiten nachzudenken, die mich nicht einmal selber betreffen. Antworten



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