Wirtschaft

Fitch stuft Portugal auf Ramsch-Niveau herab

Aktualisiert am 24.11.2011

Die Ratingagentur bewertet das unter dem Rettungsschirm stehende Land noch einmal tiefer. Auch Frankreich droht sie mit dem Entzug der Topbonität.

Düstere Aussichten: Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho.

Düstere Aussichten: Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho.
Bild: Keystone

Protest gegen Sparmassnahmen: Ein Generalstreik hat den öffentlichen Verkehr in Portugal grösstenteils lahmgelegt. (Video: Reuters )

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Die Ratingagentur Fitch hat Portugal um einen weiteren Schritt herabgestuft. Das Land rangiert jetzt auf der Bewertung BB anstelle der besseren Stufe BBB-. Zur Begründung verwies die Agentur auf den «stark unausgeglichenen Haushalt, hohe Verschuldung und einen ungünstigen makroökonomischen Ausblick».

Der Schritt ist ein weiterer herber Rückschlag für Portugals Bemühungen, ökonomisch wieder auf die Beine zu kommen. Im Mai war das Land unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft und hatte eine Sicherheit in Höhe von 104 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Die portugiesische Regierung hat seitdem die öffentlichen Ausgaben drastisch gekürzt und die Steuern erhöht. Dadurch wurde der Zorn der Bevölkerung geschürt.

Doch auch Frankreich droht nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch der Verlust seiner Topbonität, sollte sich die Krise in der Eurozone weiter verschärfen. Eine «weitere Intensivierung der Krise» werde zu einer sehr viel drastischeren Konjunkturabschwächung in Frankreich und der Europäischen Union führen als bislang befürchtet, erklärte Fitch in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Dies bedeute, dass Frankreich Gefahr laufe, seine Bonitätsnote AAA zu verlieren. Wenige Tage zuvor hatte sich die Ratingagentur Moody's ähnlich geäussert.

Generalstreik in Portugal

Das auferlegte Sparprogramm der Regierung sorgt derweil für viel Unmut in der Bevölkerung. Ein Generalstreik hat den öffentlichen Verkehr in Portugal am Donnerstag grösstenteils lahmgelegt. Alles deute auf «eine sehr starke Beteiligung» hin, sagte Manuel Carvalho da Silva, Generalsekretär der Gewerkschaft CGTP. Die nationale Fluggesellschaft TAP strich 121 von 140 geplanten Passagierflügen, wie ein Verantwortlicher mitteilte. Es werde lediglich ein Minimalbetrieb aufrechterhalten.

In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht; und auch die Fähre auf dem Fluss Tejo, welche die beiden Teile der Hauptstadt miteinander verbindet, stellte den Betrieb komplett ein. Zudem kam es im Eisenbahnverkehr zu starken Beeinträchtigungen. Die Gewerkschaften in Portugal protestieren mit dem Streik gegen das Sparprogramm der Regierung. Das Land hatte im Mai einen Kredit des Internationalen Währungsfonds in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten und musste im Gegenzug Sparmassnahmen zusagen.

Sowohl die Beamten als auch die Arbeitnehmer in Privatunternehmen wurden nun zum Ausstand aufgerufen. Bei den Beamten sollen zwei von 14 Monatsgehältern gestrichen werden, in den Privatunternehmen ist eine halbe Stunde Mehrarbeit pro Tag geplant.

(jak/dapd, AFP, sda)

Erstellt: 24.11.2011, 12:30 Uhr

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