Wirtschaft

Fitch stachelt Grossbanken auf

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 14.10.2011 83 Kommentare

Jetzt kommen auch die Schweizer Banken dran und werden in ihrer Bonität weiter schrittweise herabgestuft. UBS und CS wehren sich.

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Die Ratingagentur Fitch hat es gewagt, das Flaggschiff des Swiss Banking – die UBS (UBSN 17.82 1.65%) – um einen Grad herabzustufen: von A+ auf A. Bei Credit Suisse (CSGN 29.25 1.74%) (CS) kündigt sich laut Fitch das gleiche Szenario an.

Die UBS reagiert darauf: «Die Entscheidung von Fitch beruht nicht auf einer veränderten Einschätzung der Kreditwürdigkeit von UBS», sagt UBS-Sprecherin Tatiana Togni. Vielmehr habe Fitch seine «Annahmen zur staatlichen Stützungsbereitschaft in verschiedenen Ländern» überprüft. Überdies gehöre UBS unverändert zu den «am besten kapitalisierten Banken weltweit» und verfüge über «breit diversifizierte Ertragsquellen».

Staatliche Unterstützung unsicher

Dem widerspricht Fitch in seiner Erklärung zum Downgrading ohnehin nicht. Was Fitch sagt: Wenn die UBS eine Anleihe begibt, dann sollte das Ausfallsrisiko für die Anleihe über den Zeitraum von zwölf bis 24 Monaten stabil bleiben. Das sieht Fitch aber nicht mehr im selben Ausmass gewährleistet wie noch vor einiger Zeit und hat deshalb die UBS herabgestuft.

Zudem ist die Situation der Grossbank laut Fitch in den nächsten drei Monaten nicht nur von drohenden Abschreibern im Zuge der Schuldenkrise geprägt. Sondern auch von politischer Unsicherheit im Inland: Die Regierung hat noch keinen Beschluss darüber gefällt, ob der Staat bereit wäre, im Notfall die UBS erneut aufzufangen. Weil die eindeutige Unterstützungserklärung der öffentlichen Hand diesmal fehlt, hebt Fitch den Zeigefinger – und hat die Erwartungen heruntergeschraubt.

Bereits am 16. September hat sich Fitch dazu skeptisch geäussert. Jetzt hat die Ratingagentur ihrer Skepsis erneut Ausdruck verliehen. Und zwar, indem sie die Untergrenze, bis zu welcher das Rating der UBS maximal absinken kann, weiter nach unten revidiert hat. Die staatliche Unterstützung sei im Zuge der anhaltenden «Too big to fail»-Debatte eben fraglich, meinen die Fitch-Analysten.

UBS und CS bald gleichauf?

Noch stärker als die UBS sei die Credit Suisse in Staatsanleihen der Eurostaaten engagiert. «Wie viel Geld im Feuer steht, dürfen wir aber nicht verraten», so ein Fitch-Analyst zu DerBund.ch/Newsnet. Die Ratingagentur verfüge über vertrauliche Daten zu den Risiken der beiden Schweizer Grossbanken. Laut dem Ratingbericht sei die CS-Gruppe in grossem Ausmass in der Eurozone tätig. Zudem haben die Kapitalmärkte die Gewinnsituation im Investmentbanking der CS belastet.

In der nahen Zukunft werde die CS mehr Geld zusammenkratzen müssen, um die Mindestanforderungen an das Eigenkapital gemäss Fitch zu erfüllen. «Derzeit verfügt die Credit Suisse über ein ausgewiesenes Eigenkapital von 13,1 Prozent. Nach unseren strengeren Berechnungen sind das aber nur 9,1 Prozent», sagt Fitch-Analyst Christian Scarafia. Durch die weitere Eindämmung des Risikogeschäfts und einbehaltene Gewinne könne dieses Ziel erreicht werden.

Derzeit wird die Credit Suisse von Fitch noch mit AA- bewertet. Fitch rechnet damit, die integrierte Grossbank um bis zu zwei Grade auf A herunterzustufen. Dann wäre die CS auf demselben Bonitätsniveau wie die UBS.

Die Krise kumuliert

Beide Schweizer Grossbanken sind offenbar bemüht, die Bonitätsbewertungen der Ratingagentur herunterzuspielen. «Das ist eine branchenweite Aktion», heisst es von der CS. «Das ist mehr eine Industrie- als eine UBS-Geschichte», sagt ein Sprecher der Konkurrenz. In der Tat hat Fitch gleich mehrere Banken herabgestuft. Darunter die Deutsche Bank, die britische Barclays und die französischen Banken BNP Paribas und Société Générale. Ebenso traf es die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Fitch sieht sich im Recht: «Für uns kumuliert die Krise im Moment, deshalb kam es zu diesen Ratingaktionen», begründet Sprecher Christian Giesen die Analyse. «Unser Vorsatz war, lieber einen grossen Rundumschlag zu machen als vereinzelt viele kleine.» All dies «mit Rücksicht auf den Markt», der so ein Mal darauf reagieren könne statt mehrmals hintereinander. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2011, 16:30 Uhr

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83 Kommentare

Stephan Bögli

14.10.2011, 16:50 Uhr
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Nun sind wir also soweit, dass eine Bank weltweit nur noch eine Top Kreditwürdigkeit bescheinigt kriegt, wenn sie de facto eine Staatsgarantie hat.
In was für ein haarsträubende Entwicklung sind wir hier eigentlich reingeraten?
Antworten


Hans Schmid

14.10.2011, 16:54 Uhr
Melden 43 Empfehlung 0

Falls nochmals Steuergelder in eine Bank eingeschossen werden, dann müssen die Löhne der Angestellten zwingend auf die Höhe der Bezüge von Bundesangestellen vergleichbarer Funktionsstufen begrenzt werden. Dies für mindestens 10 Jahre sowie rückwirkend auf 10 Jahre. Darüber hinausgehende Bezüge der letzten 10 Jahre sind zurückzuerstatten, nötigenfalls unter Zwangsverwertung des Privatvermögens! Antworten



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