Fastweb-Gründer in die Zange genommen
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Das zuständige Gericht in Rom habe dem Gesuch von Fastweb stattgegeben, sagte Swisscom-Sprecher Olaf Schulze am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Fastweb hatte am Vortag um eine Verschiebung der gerichtlichen Anhörung ersucht.
Fastweb und Telecom Italia-Tochter Sparkle stehen im Zentrum von Ermittlungen wegen Mehrwertsteuerbetrugs und Geldwäscherei. Dabei sollen zwischen 2003 und 2006 mit fiktiven Käufen und Verkäufen von internationalen Telekom-Dienstleistungen knapp 2 Mrd. Euro in Rechnung gestellt worden sein. Damit sei der Fiskus um 365 Millionen Euro betrogen worden.
Verschiebung
Angesichts der Vorwürfe hatte die italienische Strafverfolgungsbehörde die Zwangsverwaltung von Fastweb und Telecom Sparkle beantragt. Darüber sollte ein Richter in Rom am (heutigen) Dienstag entscheiden.
Nun habe das Gericht die Anhörung von Fastweb auf Donnerstag verschoben, sagte Schulze. Fastweb habe einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen eingereicht, «den wir nicht näher ausführen», sagte Schulze weiter. Mit der beantragten Verschiebung sollen die Behörden Gelegenheit erhalten, die Vorschläge angemessen zu prüfen.
Fastweb strebe eine volle Kooperation bei den Ermittlungen an. «Wir wollen den Justizbehörden einen tieferen Einblick in das betroffene Geschäft geben», hatte ein Swisscom-Sprecher am Vortag gesagt. Auch die Anhörung von Telecom Sparkle wurde vertagt, wie Anwälte vor den Medien in Italien sagten.
Fastweb-Gründer vernommen
Die italienische Justiz ermittelt mittlerweile gegen 80 Personen, gegen 56 Personen wurde Haftbefehl erlassen. Darunter befindet sich Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, der 2007 das Mailänder Unternehmen an die Swisscom (SCMN 352 0.09%) verkauft hatte. Scaglia ist nun in der römischen Strafanstalt Rebibbia vernommen worden. Näheres wurde bislang nicht bekannt.
Im Visier der Behörden ist auch Fastweb-Chef Stefano Parisi. Gegen den einstigen Swisscom-Finanzchef Mario Rossi wird ebenfalls ermittelt. Rossi war bis 2007 Finanzchef der Swisscom und wechselte erst dann in gleicher Funktion zur Tochter Fastweb nach Italien. Seit vergangenem September arbeitet Rossi wieder bei Swisscom in der Schweiz als Leiter «Business Steering».
Mafia-Kontakte vorgeworfen
Das Geldwäscherei-Netz soll laut der römischen Staatsanwaltschaft auch Verbindungen zur 'Ndrangheta, der kalabresischen Mafia, gepflegt haben.
In diesem Zusammenhang habe die Organisation die Wahl des Senators Nicola Di Girolamo, Mitglied der Regierungspartei PDL (»Volk der Freiheit») von Regierungschef Silvio Berlusconi, bei den Parlamentswahlen im April 2008 aktiv unterstützt. Di Girolamo soll mit aktiver Unterstützung der 'Ndrangheta zum Senator gewählt worden sein. (bru/sda)
Erstellt: 02.03.2010, 17:32 Uhr
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