Ex-RBS-Chef in Angst vor wütendem Mob
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 05.03.2009 16 Kommentare
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Enge Freunde hätten Goodwin nahegelegt, vorübergehend aus Grossbritannien wegzuziehen, wie britische Medien schreiben. Goodwin ziehe ernsthaft in Betracht, vor der wütenden Bevölkerung zu fliehen, so die «Times». Ein wichtiger Grund für Goodwins Sorgen seien seine Kinder John und Honor. «Sie haben es ziemlich schwer gehabt in letzter Zeit», zitiert das Blatt einen nahen Freund. Bereits 2008 habe Goodwin die Kinder vorübergehend aus der Schule genommen – aus Angst, es könnte ihnen etwas zustossen. Vor seinem Haus in Edinburgh demonstrieren seit Tagen wütende und enttäuschte Schotten.
Viele Briten sind stinksauer auf Fred Goodwin. Obwohl die Royal Bank of Scotland 2008 so viel Verlust schrieb wie noch nie zuvor ein Unternehmen auf der Insel (24 Milliarden Pfund), bezieht der frühere Chef eine üppige Pension: Jedes Jahr bekommt Sir Fred Goodwin 650'000 Pfund (rund eine Million Franken) ausbezahlt. Und zwar so lange, bis er sein versprochenes Pensionsguthaben von 16 Millionen Pfund (27 Millionen Franken) aufgebraucht hat.
Die Flucht würde keine Ruhe bringen
Den Deal handelte Goodwin im Herbst 2008 zu seinem frühzeitigen Abgang aus der Bank aus. Weil ein Beauftragter von Premier Gordon Brown ihn gutgeheissen haben soll, steht auch die Regierung in der Kritik. Nachdem Medien die Pensionszahlungen Mitte Februar aufdeckten, streute Brown Asche auf sein Haupt und verlangt nicht nur die Rückzahlung des Geldes, sondern auch eine öffentliche Entschuldigung von Goodwin.
«Wenn er Grossbritannien verlässt, ohne zumindest einen Teil seiner Pension zurückzuzahlen, erntet er heftige Wut von der Regierung» schreibt die «Times» denn auch zu Goodwins Rückzugsplänen.
Die Suche nach dem Schuldigen
Die Finanzinsitution UKFI, die von der Regierung eingesetzt wurde, um die kürzlich teilverstaatlichten Banken Britanniens zu betreuen und zu überwachen, macht jetzt Druck. Sie hat eine Anwaltsfirma beauftragt zu prüfen, ob der frühere VR-Präsident Tom McKillop für das Durchwinken von Goodwins Pension belangt werden kann. Gestern machte UKFI öffentlich, dass der Verwaltungsrat die Rente offenbar an einem hitzigen Wochenende um 1.30 Uhr in der Nacht unterzeichnet hatte – und am nächsten Morgen den neuen Geschäftsführer Stephen Hester vorstellte, wie Bloomberg am Dienstag schrieb.
Die öffentliche Empörung richtet sich gegen die ganze Hierarchie-Kette: Von Premier Gordon Brown zu seinem Finanzberater Paul Myners, und von da weiter zu den Verwaltungsräten der RBS. Zusätzlich angeheizt wurde die Stimmung durch die Meldung der «Financial Times» vom Dienstag, dass Fred Goodwin offensichtlich bis Ende Januar Mitglied eines Beraterzirkels der Regierung war.
Der Vorwurf wird weitergereicht
Diese bemüht sich weiter um Schadensbegrenzung. «Die Kritik sollte an jene gerichtet sein, die den Entscheid gefällt haben» zitiert der «Telegraph» am Mittwoch den UKFI-Vorsitzenden John Kingman. «Die zwei Entscheidungsträger waren der Verwaltungsratspräsident (Tom McKillop) und der Vorsteher des Entschädigungs-Ausschusses.»
Auch das Finanzministerium nimmt seinen Mann in Schutz: «Paul Myners hatte an dem entsprechenden Wochenende mit sechs kriselnden Banken zu tun. Tom McKillop nur mit einer Sache, nämlich Fred Goodwins Abgangsentschädigung – und er sagte kein Wort darüber, dass sie vielleicht nicht in Frage kommt», zitiert die «Times» Quellen im Finanzministerium. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.03.2009, 10:10 Uhr
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