Wirtschaft
«Es geht um gute Arbeit, nicht um mein Image»
Von Markus Wüest. Aktualisiert am 08.09.2012 39 Kommentare
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Ein Wechsel von den SBB zur UBS
Stefan Nünlist (50) wechselt nach zweieinhalb Jahren als Leiter Kommunikation und Public Affairs zur UBS. Dort übernimmt er von Peter Hartmeier die Verantwortung für die Unternehmenskommunikation der UBS in der Schweiz. Auf die Frage der BaZ, weshalb er nach so kurzer Zeit die SBB verlässt, sagt Nünlist: «Ich war 15 Jahre lang im Bereich Kommunikation und Public Affairs von eher staatsnahen Service- public-Unternehmen tätig. In den Funktionen bei Atel, Swisscom und SBB habe ich mich mit ähnlichen Problemstellungen wie Übergang vom Monopol zum Markt, interne Transformationen, verstärkte Kundenorientierung und Transparenz auseinandergesetzt.» Die Verantwortung für die Kommunikation der UBS in einer für ihn neuen Branche im heutigen Umfeld wahrzunehmen, sei eine Herausforderung und sehr inspirierend. Aber hat das alles etwas mit CEO Andreas Meyer zu tun? Nünlist sagt, man habe in den letzten zweieinhalb Jahren im Kommunikationsbereich der SBB sehr viel bewegen können. «Ohne engen Dialog und tatkräftige Unterstützung durch den CEO wäre das nicht möglich gewesen.» Entsprechend habe er die Zusammenarbeit mit Meyer, dessen Energie und die Gestaltungsräume sehr geschätzt. «Ein guter Chef fordert und fördert seine Mitarbeitenden. Sonst bewegt er nichts.» Dies treffe insbesondere auf Meyer zu. «Ich hätte gerne ein paar weitere Jahre für ihn und die SBB gearbeitet. Aber als das Thema UBS kam, musste ich mich entscheiden.»
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Wenn Züge stillstehen, statt zu fahren, wenn es sonstige Pannen bei den SBB gibt, dann hört oder sieht man oft Reto Kormann, den Mediensprecher, der erklärt, was geschehen ist. Das wird ändern, Kormann wechselt SBB-intern den Job. Gegangen ist bereits der Chef von Reto Kormann. Daniel Bach war zwei Jahre lang Pressechef der SBB. Fortan wird er für die Kommunikation im Bundesamt für Gesundheit zuständig sein. Doch damit nicht genug. Auch der Vorgesetzte von Daniel Bach tritt eine neue Aufgabe an. Stefan Nünlist, Leiter Kommunikation und Public Affairs bei den Bundesbahnen, wird ab November bei der UBS arbeiten (siehe Box).
Mehrere Zeitungen haben daraus gefolgert, SBB-Chef Andreas Meyer habe erneut ein Führungsproblem, nachdem ihm dies schon vor ein paar Jahren vorgeworfen worden war. «Keine Feier ohne Meyer» titelte der «Tages-Anzeiger – und wirft ihm ungeschickte Auftritte vor; und dass er Nünlist, Bach und Kormann vergrault habe. Im «St. Galler Tagblatt» wird Meyer als emotionslos, als Hektiker dargestellt, als ein Chef, der einen «wenig produktiven» Führungsstil pflege. Der Autor des Artikels beruft sich auf anonyme Quellen. Es seien «SBB-Insider», heisst es.
Herr Meyer, Sie verlieren quasi auf einen Schlag drei wichtige Mitarbeiter. Hat das etwas mit Ihrem Führungsstil zu tun?
Nein. Aber ich frage mich schon, weshalb man jedes Mal, wenn sich Mitarbeiter weiterentwickeln, dahinter gleich den grossen Krach vermutet.
Stefan Nünlist haben Sie selber ins Team geholt. Er gehört nicht zu der Crew Ihres Vorgängers, die Sie ja zum Teil ersetzt haben. War er der falsche Mann?
Im Gegenteil. Ich hätte mit Stefan Nünlist gerne weitergearbeitet. Aber er befindet sich in einer Lebensphase – er wurde 50 – in der er sich fragte, welche Ziele er noch erreichen will. Gerade im Hinblick auf 2016, die Eröffnung des Gotthardbasistunnels, im Hinblick auf Volksabstimmungen zum Ausbau und zur Finanzierung der Bahninfrastruktur, wird es wichtig sein, eine Kontinuität zu wahren. Hätte ich frei wünschen können, hätte ich ihn nicht gehen lassen, aber besser jetzt als in einigen Monaten. Ich freue mich für ihn und muss akzeptieren, dass er noch andere Perspektiven hat. Dass SBB-Kadermitarbeiter auch in anderen Wirtschaftszweigen gefragte Leute sind, ist doch ein gutes Zeichen.
Haben Sie ein Imageproblem?
Ich schrecke nicht davor zurück, auch unangenehme Themen anzupacken. Das gehört mit zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung. Sei es Nachholbedarf im Schienennetz, seien es Abgeltungslücken im Regionalverkehr. Da bemühen wir uns, in mühsamer Kleinarbeit, Transparenz zu schaffen. Ich glaube nicht, dass es meine primäre Aufgabe ist, ein gutes Image zu haben. Ich muss gute Arbeit machen.
Stimmt denn der Titel «Keine Feier ohne Meyer»?
Diese Häufung von Auftritten in den Medien in den letzten Monaten ist mir ehrlich gesagt wirklich unangenehm. Das war ungeschickt.
Wären Sie manchmal gerne der Patron Weibel, statt der Macher Meyer?
Ich traf bei meinem Antritt bei den SBB einige Dinge an, die nach der starken Wachstumsphase «Bahn 2000» aufgearbeitet werden mussten. Zum Beispiel das Dossier Pensionskassen. Oder der Unterhalt der Infrastruktur. Es brauchte teilweise jahrelange harte Arbeit, um das aufzuarbeiten. Dies war schon prägend für meine ersten fünf Jahre an der Spitze der SBB.
Sie haben personell dabei zum Teil stark umgebaut. Sind diese anonymen Stimmen gegen Sie nun die Retourkutsche?
Das ist Spekulation. Ich kann nur sagen: Als meine Kinder hörten, ich sei «emotionslos», hielten sie sich vor Lachen die Bäuche. Fakt ist: Rund um die SBB gibt es sehr viele Interessengruppen mit sehr unterschiedlichen Wünschen und teilweise grossem Beharrungsvermögen. Jede Veränderung führt zu Widerständen und halt auch zu Konflikten. Es war nicht immer alles schmerzlos. Aber statt anonymer Andeutungen wäre es mir lieber, man würde mir ganz konkret sagen, was man beobachtet hat und was kritisiert wird. Dem stelle ich mich gerne. Das könnte dann noch spannend werden.
Ihr letzter Job war bei der Deutschen Bahn. Haben Sie damit gerechnet, dass Ihr Stil in der Schweiz kritisch beleuchtet wird?
(Lacht.) Das ist überhaupt nicht das Thema. Fragen Sie meine früheren Vorgesetzten in der Schweiz. Als ich zurückkam Anfang 2007 haben die gesagt: «Oh, du bist aber viel ruhiger geworden.» Aber ich ging immer schon mit viel Energie und Tatendrang an Herausforderungen heran.
Kommt der Basler Meyer im Grossbetrieb SBB anders an als der gemütliche Berner Weibel?
(Zögert.) Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, dass wir viele Dinge schnell anpacken mussten. Das Bahngeschäft ist ganz generell sonst aber langfristig orientiert – ohne schnelle Zyklen.
Nach fünf Jahren im Job sind es jetzt «Ihre» SBB. Diese Woche mussten Sie Zahlen veröffentlichen, die nicht sehr gut waren. Wo stehen Sie, was Ihre eigenen Erwartungen betrifft?Nun beginnt die zweite Phase. Vieles wurde auf den Weg gebracht. Jetzt soll mit einer guten, integren Führungsmannschaft, der ich vertraue, eine Firma voll Energie und Inspiration weiter vorwärtsgebracht werden. Ich hatte grosse Freude an den Ergebnissen eines Treffens mit dem Management des Europaparks Rust. Mit unseren Top-Kadern haben wir uns zu Beginn der Woche an zwei Tagen intensiv zu den Themen Sicherheit, Qualitätsmanagement, Kundenorientierung, Weiterbildung, Innovation und Unternehmertum ausgetauscht, um von diesem europaweit einzigartigen Familienunternehmen zu lernen.
Was heisst das konkret?
Wenn man die richtigen Leute am richtigen Ort hat, kann man ihnen Freiräume gewähren, um so attraktive Ziele zu erreichen. Zum Beispiel die Eröffnung des Gotthardbasistunnels 2016. Dann werden sich die Kameras der ganzen Welt auf dieses Ereignis richten. Es wird für Jahre, für Jahrzehnte nichts mehr geben, das in dieser Prägnanz für die Schweizer DNA steht: Innovation und Zuverlässigkeit. Und wir als SBB können eine tolle Plattform sein, um Schweizer Werte in die ganze Welt hinauszutragen. Das wird im Unternehmen viele konstruktive Kräfte aktivieren.
2016 der Basistunnel, der grundlegende Umbau bei SBB Cargo, die neue Führungscrew bei SBB Infrastruktur. Ist das nicht etwas viel auf einmal?
Das ist doch bei allen Grossbetrieben so. Wenn ich zurückblicke auf meine Zeit bei der ABB. Da hatten wir auch immer eine ganze Reihe von Projekten, die parallel liefen. Worauf sollen wir denn bei den SBB verzichten? Die Entwicklung des Netzes? Cargo? Die Weiterentwicklung der Kundeninformation? Die Prioritäten, die wir jetzt setzen, sind richtig und notwendig!
Und wie steht es um die Kunden? Sind die unzufriedener geworden?
Ich glaube, viele verstehen, dass eine gute Leistung auch ihren Preis hat. Aber in der Berichterstattung der Medien wird im Moment immer alles auf den Aspekt Preis zugespitzt. Und wenn wir auf hohem Niveau einmal eine Stagnation bei den Personenkilometern haben, also bei der Zahl der zurückgelegten Strecke pro Kopf, dann heisst es, es sei wegen der Preise. Im letzten Jahr schlugen wir mit 1,2 Prozent moderat auf.
Macht Ihnen das Sorgen, dass es jetzt erstmals rückwärts geht?
Nein, denn ich habe das vorausgesagt. Wir können nicht unendlich wachsen. Und dazu stecken wir in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Was mir Sorgen macht: Dass die Zeiten noch härter werden und die öffentlichen Haushalte eher weniger Geld zur Verfügung haben werden. Investitionsgelder werden knapper – darauf müssen wir uns vorbereiten. Mühsam ist es, von den einen zu hören, der öffentliche Verkehr sollte gratis sein, und von den anderen, die Kunden müssten eigentlich viel mehr an die Billettpreise zahlen.
Wo liegt die Wahrheit?
Die gibt es nicht. Das ist eine politische Entscheidung. Ich wünsche mir im Zusammenhang mit der Vorlage im Parlament zum Thema Infrastruktur, dass die Politik uns einen klaren Auftrag erteilt und sagt, was sie will. Einen konkreten Kostendeckungsgrad via Billettpreise von 40, 50 oder 60 Prozent. Dann können wir uns entsprechend einstellen.
Die Preisdiskussion ist das eine. Wie steht es um die Pünktlichkeit?
Das war die Grundlage des Erfolgs in den letzten fünf Jahren. Wir haben neun Ziele definiert und messen die Beiträge aller Einheiten sehr konsequent. Unter anderem Pünktlichkeit und Sicherheit. Da legen wir in den meisten Bereichen zu. Ich spüre im Unternehmen, dass wir zunehmend wieder eine inspirierende Zukunftsperspektive haben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 08.09.2012, 19:14 Uhr
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39 Kommentare
als ich noch zur Schule ging, war die SBB ein voll staatlich geführtes Unternehmen, ohne CEOs mit Millionengehalt, ohne teure PR Kampagnen und Partys ... sondern einfach dunkelgrüne Züge, die von A nach B fahren. Viel günstiger. Und pünktlich. Das ist Service publique. Ich vermisse das! Antworten
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