Wirtschaft

Einheimische retten die Hasliberg-Bahnen

Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 16.11.2011 1 Kommentar

Zwei Unternehmer wollen für 6 Millionen Franken neues Aktienkapital zeichnen. Damit die Rettung gelingt, müssen die Banken auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und gleichzeitig umfangreiche neue Kredite sprechen.

Drei neue Hoffnungsträger: Albert Wyler, Christian Ghelma und Hanspeter Wenger (von links nach rechts).

Drei neue Hoffnungsträger: Albert Wyler, Christian Ghelma und Hanspeter Wenger (von links nach rechts).
Bild: zvg

Drei Wochen vor Beginn der Wintersaison kann die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG gute Nachrichten verkünden: Die beiden Oberländer Unternehmer Christian Ghelma und Hanspeter Wenger sind bereit, sich mit je drei Millionen Franken am stark überschuldeten Tourismus-Unternehmen zu beteiligen. Sie knüpfen diese Zusage allerdings an die Bedingung, «dass im Rahmen des gerichtlichen Nachlassvertrags das Fremdkapital massiv reduziert wird und die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung die Herabsetzung des Aktienkapitals um 90 Prozent beschliessen».

Den Kontakt zu den neuen Investoren knüpfte Verwaltungsratspräsident Gianni Biasiutti. Er unterhielt sich im April erstmals mit Hanspeter Wenger, den er als «Vollblutunternehmer» und «leidenschaftlichen Haslitaler» bezeichnet. Wenger gründete vor 36 Jahren als 23-Jähriger eine eigene Garage in Innertkirchen, heute führt der 59-Jährige in Matten bei Interlaken ein Autohaus mit 45 Angestellten. Für Wenger war relativ rasch klar, dass er mithelfen will. «Die Hasliberg-Bahnen sind der Motor des ganzen Haslitals», sagte er gestern, «da kann man nicht einfach beim Niedergang zuschauen.» Rasch fand Wenger im Meiringer Tiefbau-Unternehmer Christian Ghelma, mit dem er seit Jahrzehnten befreundet ist, einen Verbündeten. «Mein Vater war 21 Jahre im Verwaltungsrat der Meiringen-Hasliberg-Bahnen», sagte Ghelma, «es brauchte deshalb nicht viel Überzeugungsaufwand.»

Schuldenerlass und Investitionen

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Einstiegs bei den Bergbahnen brachen die beiden Investoren zu Besprechungen mit Banken auf. «Einerseits geht es darum, dass die grössten Finanzgläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten und so Hand bieten zu einer nachhaltigen Sanierung», sagte Ghelma, «andererseits verhandeln wir über eine neue Kreditlimite, denn unsere sechs Millionen reichen bei weitem nicht aus». Laut Gianni Biasiutti braucht das Unternehmen insgesamt «rund 30 Millionen Franken», um Schulden zu zahlen, Anlagen zu ersetzen oder zu sanieren und eine Beschneiungsanlage zu bauen. «Ohne eine solche Lebensversicherung ist ein profitabler Betrieb heute nicht mehr möglich», sagte Wenger. Der letzte Anlauf in diese Richtung, der die Gründung der Hasli Schnee AG vorsah, scheiterte am Widerstand der Gemeinde Meiringen. Die Stimmbürger hatten aufgrund der hohen Verschuldung Nein gesagt zu neuem Aktienkapital und einer Bürgschaft.

Nun zeichnet sich eine solidere Neufinanzierung ab. «Wir spüren das Vertrauen der Banken und sind sehr zuversichtlich, dass auch die Gemeindeversammlungen und die Aktionäre an der Generalversammlung grünes Licht geben werden», sagte Christian Ghelma gestern. Es sei schon in Vergangenheit gut gearbeitet worden, aber durch die immense Schuldenlast sei das Unternehmen blockiert gewesen. Die beiden Investoren peilen einen Anteil von 75 bis 80 Prozent am Aktienkapital an.

Personell wird es spätestens an der Generalversammlung im Winter 2012 zu diversen Veränderungen kommen. Dann soll Ghelma als Verwaltungsratspräsident Gianni Biasiutti ablösen und Hanspeter Wenger als sein Stellvertreter in den Verwaltungsrat einziehen. Delegierter des Verwaltungsrats soll neu Albert Wyler werden. Der 63-Jährige kennt das Bergbahn-Business bestens, war er doch elf Jahre lang Chef der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG, die den Ertrag unter seiner Ägide von 30 auf 50 Millionen Franken steigerten. Vor einem Jahr trat Wyler als Geschäftsführer ab, diesen Frühling legte er auch sein VR-Mandat nieder, auch auf Druck der Aktionäre. Im Sommer 2010 hatte ein Buchhalter unrechtmässige Transaktionen in achtstelliger Höhe vorgenommen, ohne dass dies bemerkt worden wäre, Wyler übernahm eine Teilverantwortung dafür. Er könnte wichtig werden, falls die Idee, die Skigebiete Hasliberg, Melchsee-Frutt und Engelberg-Titlis zu verbinden, wieder spruchreif werden sollte. «Das ist im Moment höchstens eine Vision», sagte Ghelma gestern dazu, «Vorrang haben jetzt die Hausaufgaben.»

Neuer Chef noch nicht bekannt

Wer sich künftig im operativen Geschäft um diese kümmern wird, ist noch nicht klar. Der bisherige Geschäftsführer Hans Beer werde die Bergbahnen Meringen-Hasliberg «zu einem noch festzulegenden Zeitpunkt verlassen», schreiben die neuen Investoren in einer Medienmitteilung. Im Gespräch als neuer Chef ist offenbar Christian Baumann, langjähriger Chef der Zermatt Bergbahnen.

Bis zur Generalversammlung kann das Investoren-Duo im Rahmen eines Lenkungsausschusses wichtige Entscheidungen beeinflussen. «Es kann beispielsweise nicht sein, dass wir die Anlagen fast bis Ende April laufen lassen, wie das dieses Jahr geschehen ist», sagt Hanspeter Wenger. Ghelma deutete weiter an, der Personaletat sei vermutlich noch zu hoch, das müsse man nun ebenso genau überprüfen wie den Maschinenpark.

Beide Investoren gaben sich aber überzeugt, dass es gelingen werde, einen Nachlassvertrag zu erarbeiten, dem Gläubiger und der Richter zustimmten. Die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg hatten im Mai dieses Jahres Zahlungsunfähigkeit erklärt und um Nachlassstundung ersucht. Das Unternehmen steht weiterhin unter Aufsicht der Transliq AG, die als Sachwalterin amtet. (Der Bund)

Erstellt: 16.11.2011, 07:14 Uhr

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1 Kommentar

Christian Duerig

16.11.2011, 09:23 Uhr
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Die Meiringer und Hasliberger werden bald so richtig durchgeschüttelt. Das Geld wird verspekuliert. Antworten



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