Wirtschaft

Eine GV nach Dougans Geschmack

Aktualisiert am 29.04.2011 37 Kommentare

Die Credit-Suisse-Aktionäre gaben heute grünes Licht für die Coco-Bonds. Die Höhe der Vergütungen gab in diesem Jahr wenig zu reden.

Wie sich die CS-Aktie in den vergangenen fünf Tagen entwickelt hat.

Credit Suisse


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Wichtiger Erfolg durch die Annahme der Coco-Bonds: Brady Dougan an der Generalversammlung. (Bild: Keystone )

CS-Aktionäre verfolgen im Hallenstadion die Reden. (Bild: Keystone )

Hochzeit vs. Banken-GV

Eine ungewöhnlich tiefe Zahl an Aktionären hat sich am Freitag zur Generalversammlung der Credit Suisse im Zürcher Hallenstadion eingefunden. Ein Grund dafür dürfte die global weitaus mehr Aufsehen erregende Hochzeit des britischen Prinzen William mit Kate Middleton in London sein.

Vor einem Jahr nahmen etwa 2400 Aktionäre an der GV teil. Die CS- Führung habe damit gerechnet, dass sich wegen der Prinzenhochzeit etwa 500 Aktionäre weniger im Hallenstadion einfinden würden als sonst, sagte eine CS-Sprecherin am Rande der GV der Nachrichtenagentur SDA. CS-Präsident Hans-Ulrich Doerig äusserte sich allerdings nicht zur Teilnehmerzahl. (sda)

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An einer im Vergleich zu Finanzkrisenzeiten ruhigen Generalversammlung haben die Aktionäre der Credit Suisse der Schaffung neuer Kapitalreserven zugestimmt. Auch die Millionenboni für Topmanager gaben nicht mehr so viel zu reden wie früher.

93,46 Prozent der heute im Zürcher Hallenstadion vertretenen Stimmen gaben der CS-Führung grünes Licht für die Bildung von Reserven mithilfe so genannter Coco-Bonds. Damit wurde die erforderliche Zweidrittelmehrheit spielend erreicht. Nur 5,74 Prozent sagten Nein.

Die CS kann nun bedingtes Kapital von 16 Millionen Franken zur Unterlegung der Cocos schaffen. Die Cocos (»Contigent Convertible Bonds») sind Obligationen, die im Krisenfall in Aktien umgewandelt werden. Die CS benötigt sie, um ihr Kapital um jene Milliarden aufzustocken, die zur Erfüllung neuer regulatorischer Vorschriften notwendig werden.

Für die Schweizer Grossbanken CS und UBS dürfte ab 2018 eine Richtschnur gelten, die 19 Prozent Eigenkapital zur Absicherung der Aktiven vorschreibt. Das letzte Wort hat hier die Politik.

Kritik an Cocos fruchtet nicht

Die Kritik der Anlagestiftung Ethos, welche Pensionskassen vertritt, an den Finanzierungsvehikeln griff nicht. Ethos-Direktor Dominique Biedermann sagte vor den Aktionären im Zürcher Hallenstadion, die Cocos dienten nur der Absicherung von Handelsgeschäften der Investmentbank. Dies mache die CS weder rentabler noch sicherer.

Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Doerig entgegnete Biedermann mit dem Argument, die CS habe seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 zahlreiche Risiken abgebaut und ihr Geschäftsmodell geändert. Zudem sei es ein oberstes Ziel, dass die Cocos nie in Aktien gewandelt werden müssten.

Weniger Widerstand gegen Vergütungen

Die Löhne und Boni für die Top-Kader gaben weniger zu reden als im Vorjahr. In der Abstimmung zum jährlich verfassten Vergütungsbericht, die wie immer nicht rechtlich bindend ist und von der CS freiwillig durchgeführt wird, sagten 23,45 Prozent nein. Vor einem Jahr waren es knapp 30 Prozent gewesen.

74,11 Prozent zeigten sich einverstanden mit dem Vergütungsbericht 2010, der total 160,3 Millionen Franken in Cash und aufgeschobenen Boni für die 16 Geschäftsleitungsmitglieder vorsieht. Neben den Aktionärsvertreterinnen Ethos und Actares äusserten sich einige Aktionäre zum diesem Traktandum. Vor einem Jahr hatte noch eine eigentliche Redeschlacht mit einer langen Rednerliste um die Vergütungen getobt.

Bei aller Kritik erkannten Votanten an, dass die CS ihre Lohnsysteme angepasst habe. Exzesse wie jene 71 Millionen Franken, die CS- Chef Brady Dougan 2010 aus einem früheren Langfrist-Programm erhalten hatte, kämen nicht mehr vor, verspricht die CS. Im globalen Kampf um Talente müsse die CS aber gewisse Löhne bezahlen, sagte Präsident Doerig.

Applaus für Doerig

Am Ende der GV spendeten die Aktionäre Applaus für Doerig, der das letzte Mal eine CS-Generalversammlung leitete und nach jahrzehntelanger Arbeit die traditionsreiche Bank verlässt. Seinen Posten übernimmt Urs Rohner, der bereits seit längerem als Vizepräsident amtiert hat. (mrs/pbe/sda)

Erstellt: 29.04.2011, 16:01 Uhr

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37 Kommentare

Eron Thiersen

29.04.2011, 12:01 Uhr
Melden 41 Empfehlung

Wer die Sicherheit eines Landes, eines Staates, des Volkes, einer Volkswirtschaft niedriger wertet, als die Rentabilität einer Grossbank entlarvt nicht nur seinen / ihren Charakter und sein / ihr Streben nach Reichtum, er / sie zeigen auch, dass Papiergeld mehr Wertschätzung erfährt als die Existenz der Bürger. Diese Haltung ist schändlich, peinlich, menschenverachtend + kriminell. Antworten


Christoph Locher

29.04.2011, 11:23 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Nettes Geschwätz, Herr Doerig. Aber, wer die Chance nur für sich beansprucht und das Risiko der Allgemeinheit aufbürdet, tötet seine Glaubwürdigkeit. Voilà! Antworten



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