Wirtschaft

Ein melancholischer Milliardär

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 01.04.2011 4 Kommentare

Paul Allen lässt in seinen Memoiren kein gutes Haar an Bill Gates. Der Mitbegründer von Microsoft fühlt sich von Gates hintergangen. Dieser winkt ab.

Fühlt sich um den Ruhm betrogen: Paul Allen.

Fühlt sich um den Ruhm betrogen: Paul Allen.
Bild: Reuters

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Genial, besessen und hinterhältig – so beschreibt Paul Allen jenen Mann, mit dem er als Junge zur Schule gegangen war und vor 36 Jahren eine Firma gründete, die zum weltgrössten Softwarekonzern aufstieg: Bill Gates. Dieser habe ihn, so enthüllt der 58-jährige Allen in seinen Memoiren «The Idea Man», just dann besonders fies hintergangen, als er auf einen guten Freund angewiesen gewesen wäre.

Anfang der Achtzigerjahre wurde bei Allen Blutkrebs diagnostiziert, weshalb er seine Präsenz bei Microsoft (MSFT 29.06 -0.03%) reduzieren und sich einer Chemotherapie unterziehen musste. Ende 1982 hat Allen zufällig ein Gespräch zwischen Bill Gates und dem zwei Jahre zuvor zur Firma gestossenen und heutigen CEO Steve Ballmer mitgehört, worin die beiden Pläne schmiedeten, Allens Firmenanteile zu ihren Gunsten zu reduzieren – schliesslich sei seine Leistung rückläufig. Allen hat die beiden zur Rede gestellt, später haben sie sich bei ihm entschuldigt. «Sein wahres Gesicht» habe Gates damals offenbart, schreibt Allen, der die Firma 1983 verliess.

13 Milliarden Dollar

Die Fetzen, so schildern Weggefährten, seien schon zuvor öfter zwischen Gates und Allen geflogen. Regelrechte Schrei-Duelle hätten sie sich geliefert, manchmal vom Sitzungszimmer bis in den Lift und danach zur halbstündigen Verlängerung auf dem Parkplatz. Der junge Gates scheint die Diskussionen allerdings öfter gewonnen zu haben, so konnte er Allen unter anderem davon überzeugen, seine anfänglichen 50 Prozent an Microsoft auf deren 36 zu reduzieren, Gates stockte auf 64 auf.

Allen verliess die Firma dennoch nicht mit leeren Händen, sein Vermögen wird heute auf rund 13 Milliarden Dollar geschätzt, das meiste davon häufte sich erst in der Zeit an, als er nicht mehr bei Microsoft war. Mittlerweile ist er vor allem als exzentrischer Philanthrop bekannt, er hat mehr Geld in gemeinnützige Projekte gesteckt, als die meisten jemals verdienen, mindestens eine Milliarde Dollar. Er unterstützt unter anderem die Hirnforschung, schenkte seiner Heimatstadt Seattle ein Rock- und Science-Fiction-Museum (erbaut von Frank Gehry) oder finanziert die Suche nach intelligentem, ausserirdischem Leben. Er nennt ein paar der weltgrössten Jachten ebenso sein Eigen wie mehrere Kampfjets, gerade erst hat er sich eine MiG-29 gekauft, zwei Sportteams gehören ihm auch.

Um den Ruhm geprellt

Was kann so ein Mann noch vermissen? Noch mehr Geld kann es nicht sein, auf ein paar Milliarden mehr kommt es ihm kaum an. Allen fühlt sich primär um den Ruhm geprellt. Während Gates heute als Wohltäter und globaler Gutmensch auftritt, kämpft Allen weiterhin um die Anerkennung seines Teils zum Erfolg Microsofts. Immerhin wäre ohne ihn damals der legendäre Deal mit IBM nicht zustande gekommen, der es Microsoft erlaubte, das DOS-Betriebssystem auch anderen Herstellern zu lizenzieren – der Grundstein des späteren Aufstiegs zum Weltkonzern. Kein gutes Haar lässt Allen übrigens an dessen derzeitiger Führung, zählt reihenweise Versäumnisse und Fehlentwicklungen auf, zweifelt lautstark am Management – das dürfte Gates und Ballmer wahrscheinlich härter treffen als aufgewärmte Geschichten aus der Gründerzeit.

Bill Gates hat übrigens bereits auf Allens Vorwürfe reagiert. Mit Nonchalance liess er verlauten, dass, auch wenn seine Erinnerungen von jenen Allens abweichen mögen, er diesen weiterhin als Freund schätze. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2011, 21:50 Uhr

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4 Kommentare

reto baumann

01.04.2011, 07:26 Uhr
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Scheinbar ist es auch bei den Superreichen so; wenn man keine Probleme hat, dann schafft man sich halt welche. - Wie langweilig doch ein sorgenfreies Leben sein muss...! Antworten


Holger Ohnmacht

01.04.2011, 08:30 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Auch in diesen Sphären wird schmutzige Wäsche gewaschen. Zweistellige Milliardenbeträge können eine verletzte Ehre nicht entschädigen. Antworten



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