Ein Dandy will Deutschlands Warenhauskönig werden
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Es dauerte die halbe Nacht, bis Nicolas Berggruen als Sieger vom Tisch aufstand. Acht Stunden lang hätten die Gläubiger des insolventen Karstadt-Konzerns am Montag verhandelt, bis sie sich für den Investor als Käufer entschieden, berichten verschiedene deutsche Medien. Morgen Mittwoch soll nach Monaten des Bangens um das Traditionsunternehmen der Kaufvertrag unterschrieben werden, wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gegenüber der Presse sagte. Am Donnerstag wird mit dem Amtsgericht von Essen der Plan zur Abwicklung und Neuaufstellung des Konzerns festgelegt.
Wer ist dieser Mann, der dieses Stück deutscher Alltagsgeschichte retten soll? Der 48-jährige Nicolas Berggruen ist der Sohn des verstorbenen Berliner Kunstsammlers Heinz Berggruen. Er liebe wie sein Vater historische Bauten und schöne Kunst, schreibt die «Financial Times Deutschland», er plane sogar den Bau eines Museums in Berlin. Auch damit folgt der Junior dem Vorbild seines Vaters. Dieser hat im Berliner Schloss Charlottenburg mit seinen Bildern eine Ausstellung eingerichtet, so sind dort jetzt Werke von Picasso, Matisse, Klee oder Cézanne zu sehen. Eine historische bedeutsame Geste: Heinz Berggruen war 1936 als Jude vor den Nazis aus seiner Heimatstadt in die USA geflohen.
Investments, langfristig und weltweit
Dort lebt heute noch sein Sohn. «Wie der perfekte Dandy», schreibt Spiegel Online – in einer Suite im teuersten Hotel von Los Angeles. Die meiste Zeit verbringe Berggruen allerdings im Privatjet, unterwegs zu den Orten seiner verschiedenen Investments: die spanische Zeitung «El País», Reisplantagen in Südostasien, Windenergie-Anlagen in der Türkei und den USA, historische Berliner Immobilien.
Alles Anlagen, die auf langfristigen Wert ausgelegt seien, so die FTD. «Werte statt Wert» laute das Leitwort des heute 48-jährigen Erben. «Berggruen hat in jungen Jahren an der Wall Street eine Menge Geld gemacht, den entsprechenden Lebensstil gepflegt – und mittlerweile die Nase voll vom sinnlosen Jetsetter-Dasein», schreibt Spiegel Online. Anlässlich des Angebots für Karstadt zitierte ihn die «Berliner Morgenpost» mit den Worten: «Wenn jetzt der Eindruck entsteht, hier will ein Überflieger das schnelle Geld machen, so ist der falsch.»
Ein Verlierer macht Druck
Berggruen habe das nötige Geld, um die Gläubiger von Karstadt zu beruhigen, schreibt Spiegel Online. Sein Vermögen beträgt laut der Reichenliste des Magazins «Forbes» 2,2 Milliarden Dollar. Ausserdem habe er «Herzblut», was nötig sei, um den etwas verstaubten und ineffizienten Konzern in die Zukunft zu führen.
Doch dem neuen Eigentümer bläst ein scharfer Wind entgegen. Während der Verhandlungen hatte er gefordert, dass die Eigentümerin der Karstadt-Liegenschaften, das Konsortium Highstreet, die Mietzinsen für die Filialen reduziere. Heute Dienstag nun setzt Highstreet Druck auf: «Wir bleiben unverändert bei den Konditionen unseres Angebots», erklärte ein Sprecher gegenüber den Medien. Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser. Allein für das laufende Jahr sollen sich die Mietforderungen von Highstreet an Karstadt auf rund 250 Millionen Euro belaufen.
Die mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörende Gesellschaft hatte zuvor mit einem eigenen Angebot am Bieter-Wettstreit teilgenommen. «Verlierer Highstreet torpediert Karstadt-Käufer», titelt die FTD darum heute zu der Unnachgiebigkeit des Immobilienkonzerns. «Vermieter droht Karstadt-Investor», schreibt Zeit.de. Denn: Nehme Berggruen das Angebot dieses bedeutenden Gläubigers nicht an, so platze der Vertrag. Nicolas Berggruen selber hat bislang zur Ankündigung von Highstreet geschwiegen. (oku)
Erstellt: 08.06.2010, 14:06 Uhr
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