Wirtschaft

Dougan verdient 1812 Mal mehr als seine Mitarbeiter

Aktualisiert am 21.06.2010 116 Kommentare

Zum sechsten Mal in Folge hat Travailsuisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Firmen untersucht. Die Resultate zeigen: Von Krise ist in den Portemonnaies der Manager kaum etwas zu sehen.

1/8 Der Spitzenreiter: Brady W.Dougan, Manager der Credit Suisse, verdient 1812 Mal mehr als sein billigster Mitarbeiter.
Bild: Keystone

   

Travail-Suisse-Exponenten erläutern ihre Studie. (Keystone Video)

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Travailsuisse

Travailsuisse ist eine schweizerische Dachorganisation der Arbeitnehmenden, die am 14. Dezember 2002 in Bern gegründet wurde.

Travailsuisse ist eine Dachorganisation. Sie vertritt die Interessen der ihr angeschlossenen autonomen Arbeitnehmerverbände und deren Mitglieder in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Organisation orientiert sich an den Werten der christlichen Sozialethik, den Regeln der Sozialpartnerschaft und der demokratischen Grundordnung.

Stellungnahme der Credit Suisse

«Zu den Zahlen: Die Angaben der Travailsuisse zur Vergütung der Geschäftsleitung der Credit Suisse für 2009 sind falsch - gemäss Geschäftsbericht waren die Vergütungen deutlich tiefer, d.h. 19 Mio für den CEO und im Schnitt 12 Mio für GL-Mitglieder. 90% dieser Beträge sind zudem langfristig gesperrt.

Der Fehler: Es falsch, die in 2010 angefallene Ausbezahlung des Vergütungsprogramms PIP zur 2009-Vergütung zu addieren. PIP war der über 5 Jahre gesperrte Anteil der Vergütung von 2004, und die hohen Wertgewinne auf dem PIP-Instrument wiederspiegeln die sehr gute Entwicklung der Bank über die letzten 5 Jahre. PIP hätte auch wertlos verfallen können.

Zu unserer Vergütung: Unabhängig von den irreführenden Zahlen von Travailsuisse ist es so, dass die CS auf allen Stufen und in allen Bereichen marktgerechte Löhne zahlt. Das Lohngefüge wiederspiegelt die verschiedenen Funktionen und Verantwortungsbereiche sowie die grosse Vielfalt an Geschäftsfeldern, Ländern und Märkten, in denen wir tätig sind.

Beim Vergleich von Unternehmen und Vergütungssystemen gilt es mehrere Dinge zu beachten: ob hohe Vergütung mit hohem Unternehmensgewinn einhergeht; ob die Vergütungssysteme langfristig ausgerichtet sind; ob die Vergütung klar transparent ausgewiesen ist. In all diesen Bereichen schneidet die Credit Suisse sehr gut ab.»

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Trotz der Rezession hat sich bei vielen Schweizer Grossunternehmen das Lohn-Gefälle verstärkt. In 13 der 27 untersuchten Firmen stiegen im 2009 die Durchschnittslöhne für die Spitzenmanager stärker als die Tiefstlöhne.

Konkret vergrösserte sich der Graben bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse, aber auch in anderen Branchen, beispielsweise beim Chemiekonzern Clariant oder beim Reisekonzern Kuoni.

Im Schnitt stieg der Lohn eines Konzernleitungsmitglieds im vergangenen Jahr bei den Unternehmen um 20 Prozent. Die Lohnschere - also das Verhältnis zwischen dem Durchschnittslohn auf der Teppichetage und jenem auf der untersten Gehaltsstufe der Unternehmen - vergrösserte sich um 18 Prozent. Seit 2002 hat sich die Lohnschere gar um 70 Prozent geöffnet.

Stärkster Anstieg bei der UBS

Am stärksten stieg im letzten Jahr das Lohngefälle bei der UBS, wie es in der Mitteilung des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse heisst. Bei der Grossbank verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Löhnen der Topmanager und dem Tiefstlohn von 1 zu 51 im 2008 auf 1 zu 190.

Dies entspricht einer Ausweitung der Lohnschere um 274 Prozent. Seit 2002 hat sich die Lohnschere bei der UBS allerdings um 25 Prozent geschlossen.

Bei der Credit Suisse betrug das Verhältnis zwischen den Topmanager-Löhnen und dem Tiefstlohn im 2009 gar 1 zu 590. Dies entspricht einer Steigerung von 203 Prozent im Vergleich zum 2008. Seit 2002 öffnete sich die Lohnschere um 151 Prozent.

Der Chef der Grossbank, Brady Dougan, erhielt mit 90 Millionen Franken gemäss Travail.Suisse die höchste Vergütung im 2009. Das ist 1812 Mal mehr als der tiefste Lohn bei der Grossbank. Die Credit Suisse selbst bestreitet diesen Sachverhalt. (Siehe Stellungnahme in der Box links)

Platz zwei belegt Novartis-Präsident Daniel Vasella mit 43 Millionen Franken, was 752 Mal mehr ist als der Tiefstlohn beim Pharmakonzern, wie es weiter heisst. Vasella war 2009 sowohl CEO als auch Präsident von Novartis.

«Hörige Politiker»

Wegen der stetig steigenden Managerlöhne sei das wirtschaftliche Erfolgsmodell der Schweiz gefährdet, das auf Vertrauen, Anstand und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft basiere, sagte Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel vor den Medien in Bern.

Manager und Politik litten unter «fortschreitendem Realitätsverlust», sagte Flügel weiter. Zudem reagierten die meisten Politiker «heuchlerisch» auf die hohen Managerlöhne, weil sie den Managern «hörig» seien.

Weil die Selbstregulierung versagt habe, fordere Travail.Suisse «grundlegende Veränderungen». So soll eine Personalvertretung in den Verwaltungsräten Einsitz nehmen. Eine solche stärkt nach Ansicht des Verbandes die Ausrichtung des Unternehmens auf lange Frist und binde die kurzfristige Gewinnmaximierung zurück. Die Stärkung der Aktionärsdemokratie alleine reiche nicht aus.

Keine goldene Fallschirme

Darüber hinaus fordert Travail.Suisse eine Begrenzung der Boni auf einen Monatslohn und das Verbot von Abgangs- und Antrittsentschädigungen. Zudem sollen die Unternehmen Boni ab 1 Million Franken nicht mehr vom Gewinn abziehen dürfen, sondern versteuern müssen. Die Aktionäre sollen zudem künftig nicht mehr nur über die Entschädigung des Verwaltungsrates, sondern auch über die Managersaläre bestimmen können. (bru/sda)

Erstellt: 21.06.2010, 09:44 Uhr

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116 Kommentare

Olga Baumgartner

21.06.2010, 10:12 Uhr
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Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ich am Besten diese Artikel nicht mehr lesen soll! - Es ist kaum zu glauben, dass die Politik nichts tun will ! - Man muss sich bald wünschen, dass extreme " Katastrophen " passieren sollen, - und sich diese Manager nicht mehr einfach so davon schleichen können ! - Erst " Das Letzte Hemd " hat keine Taschen mehr, - und wir sind endlich ALLE GLEICH !!!!! - Zu spät Antworten


stefan bucher

21.06.2010, 10:51 Uhr
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Dieses populistische Stammtischthema geht auf den Wecker. Ueberlegt mal, auf Loehne werden Steuern bezahlt und ueber Loehne unsere Sozialsysteme finanziert - auf stille Reserven/Aktiengewinne nicht und auch nicht wenn diese Jobs ins Ausland gehen, weil man in der Schweiz keine Grossverdiener will. Antworten



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