Dieser Mann soll der Credit Suisse höhere Renditen liefern
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 09.09.2011 23 Kommentare
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Über 50 Prozent hat die Aktie der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) innerhalb eines Jahres verloren. Der massive Rückgang des Konzerngewinns im zweiten Quartal beschleunigte den Sinkflug. Es wird immer offensichtlicher: Die Investoren haben das Vertrauen in die Grossbank verloren. Bei der CS will man zwar die schlechten Quartalszahlen nicht schönreden. Man relativiert aber die Aussagekraft von Zahlen eines einzigen Quartals und verweist darauf, dass sich die Zahlen des ersten Semesters im Branchenvergleich sehen lassen.
Der Auftritt von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner im Rahmen des Euroforums am Montag in Frankfurt zeigt hingegen, dass man an der Spitze der Bank klaren Handlungsbedarf ausmacht. Die Aktienkursverluste vieler Banken, sagte Rohner, widerspiegelten nicht nur, aber auch die rückläufigen Renditeaussichten. Kapital müsse deshalb effizienter bewirtschaftet werden. Rohner folgerte: «Es können keine Geschäftsbereiche mehr weitergeführt werden, die nicht in der Lage sind, ihre Kapitalkosten zu tragen.»
Mit dieser strategischen Ansage ist nicht nur das Investmentbanking gemeint, das überdurchschnittlich viel Kapital bindet, hohe Kosten verursacht und nach der Krise nicht zur erhofften Profitabilität zurückgefunden hat. Gemeint ist auch der rentabelste Geschäftsbereich, die Vermögensverwaltung der reichen Kunden. Mit dem in unsicheren Zeiten passiven Kundenverhalten und vor dem Hintergrund verschärfter Regulierung ist auch das Private Banking unter Margendruck.
Meister soll es richten
Richten soll es Hans-Ulrich Meister, seit Anfang August verantwortlich für das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft. Er sei nicht mit diesem Job betraut worden, um zu verwalten. Er habe einen klaren Auftrag, heisst es innerhalb der Bank. Wie dieser Auftrag lautet, geht aus einer Mitteilung hervor, die Meister am Dienstag an die «lieben Kolleginnen und Kollegen» verschickt hat: Weil im schwierigen Marktumfeld die Profitabilität gelitten habe, weil dies mehr als nur ein zyklischer Einbruch sei, müsse das Geschäftsportfolio überarbeitet und nach Möglichkeiten gesucht werden, die Ertragspotenziale besser zu nutzen.
Die Ausgangslage ist klar: Es gibt die Vorgabe von Präsident Rohner, das Kapital besser zu bewirtschaften, um die Rendite zu verbessern. Und es gibt Private-Banking-Chef Meister, der Rohner beweisen muss, dass er zu Recht auf diesen Posten gehievt worden ist. Wer Meister kennt, weiss, dass Zögern nicht seine Sache ist. Bereiche mit ungenügender Rendite werden in der künftigen Struktur nicht überleben.
Innerhalb der Bank formuliert man diplomatisch, man werde alle Bereiche anschauen. Im Klartext rückt das Onshore-Geschäft in den USA und in europäischen Ländern in den Fokus. Die Vor-Ort-Betreuung der Kunden hat sich nie durch grosse Rentabilität ausgezeichnet. In den USA hat man sich zu teuer in dieses Geschäft eingekauft – etwa mit der 20-Milliarden-Franken-Akquisition von DLJ (Donaldson, Lufkin & Jenrette) im Jahr 2000. In Europa hat die Bank die Investitionen für die Vor-Ort-Präsenz unter- und die Erträge überschätzt. Man kann davon ausgehen, dass nicht alle der 16 Standorte in den USA und der 12 Sitze in Deutschland der Meisterprüfung – der Überprüfung durch Meister – standhalten werden.
Umbau im Investmentbanking
Auch wenn Meister für die Neuausrichtung des Vermögensverwaltungsgeschäfts verantwortlich zeichnet, sticht folgender Satz in seiner intern verschickten Mitteilung ins Auge: «Dieser Markt (das Private Banking) ist einer der wenigen der globalen Finanzindustrie mit Wachstumspotenzial und attraktiven Renditen.» Das kann man nur so deuten, dass mit den anderen Geschäftsfeldern der Credit Suisse – dem Investmentbanking und dem Asset Management – nicht viel Geld zu holen ist.
Dem Vernehmen nach soll auch das Investmentbanking umgebaut werden – namentlich das Geschäft mit festverzinslichen Papieren. Dieses Fixed Income bindet viel Kapital. Das sei nicht mehr haltbar. Was Kritiker schon lange bemängeln, ist neu auch innerhalb der Bank zu vernehmen. Die CS hat diesen Bereich nach der Krise ohne entsprechenden Erfolg aufgebläht. Vieles deutet darauf hin, dass der Wind jetzt dreht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.09.2011, 10:48 Uhr
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