Die zwei ungleichen Schwestern
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 02.05.2011 17 Kommentare
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- Grübels Irrtum
- CS-Aktionäre unterstützen Reservenaufbau mit Coco-Bonds
- «Bei Erfüllung der Basel-III-Regeln haben wir einen Wettbewerbsvorteil»
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Das Systemrisiko der beiden Grossbanken beschäftigt die Schweizer Politik seit der Beinahe-Kernschmelze des internationalen Finanzsystems im Herbst 2008. «Too big to fail» ist ein Ausdruck geworden, der Eingang in die Alltagssprache gefunden hat. Jedes Kind weiss mittlerweile, dass die Banken sich ein dickeres Eigenkapitalpolster zulegen müssen.
Die beiden Grossbanken stellen sich dieser Herausforderung jedoch sehr unterschiedlich: Die CS ist die anständige Tochter, die sich den Wünschen des Bundesrates beugt – mit über 93 Prozent der Stimmen haben ihre Aktionäre am Freitag eine Stärkung der Kapitaldecke gutgeheissen. Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) hingegen probt bislang den Aufstand. Worum geht es dabei?
Die Rechnung geht auf, solange der Steuerzahler eine Rückversicherung bietet
Der Erfolg von an der Börse kotierten Banken wird von den Aktionären an der Eigenkapitalrendite gemessen. Die in dieser Hinsicht am meisten bewunderte Bank der Welt war bis zur Finanzkrise Goldman Sachs. Den Bankern von Goldman war es regelmässig gelungen, eine jährliche Eigenkapitalrendite (englische Abkürzung ROE) von durchschnittlich mehr als 25 Prozent zu erzielen. Die Konkurrenz musste sich derweil mit einem ROE von durchschnittlich 15 Prozent begnügen.
Zwischen ROE und der Höhe des Eigenkapitals besteht ein direkter Zusammenhang. Er lautet: Je tiefer das Eigenkapital, desto höher die Rendite. Im Interesse des Shareholder Values halten die Banken das Eigenkapital daher möglichst tief. Solange die Öffentlichkeit respektive der Steuerzahler als unfreiwillige Rückversicherung wirkt, geht die Rechnung auf. Die Milliarden, die der Staat und die Notenbanken für die Verhinderung eines Bankencrashs aufbringen mussten, haben diese Gefahr jedoch einem breiten Publikum bewusst gemacht und die Politik aufgerüttelt. «Too big to fail» hin oder her: Weitere Bail-outs der Banken würden beim ohnehin schon gereizten Stimmvolk gar nicht gut ankommen.
Um das Risiko zu vermindern, muss die Eigenkapitaldecke dicker werden. Das ist nicht nur logisch, das hat sich auch in der Praxis bewährt. In Ländern, in denen die Banken von Gesetzes wegen hohe Eigenkapitaldecken haben müssen, hielt sich der Schaden der Finanzkrise in Grenzen. Kanada wird meist als typisches Musterland gepriesen. Rund um den Globus ist man deshalb im Begriff, die Eigenkapitalvorschriften zu verschärfen. In einem internationalen Regelwerk, dem Basler Abkommen – es heisst so, weil die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel steht –, will man im «Basel III» das Eigenkapital auf rund zehn Prozent erhöhen. Das genügt der Schweiz nicht. Der «Swiss Finish» nach Vorstellungen des Bundesrates, der Nationalbank und der Finma sieht 19 Prozent vor. Dieser «Swiss Finish» wird von den beiden Grossbanken sehr unterschiedlich beurteilt.
Grübel verspricht Gewinn auf Vorkrisen-Niveau
Die CS spielt die brave Tochter. Sie akzeptiert den «Swiss Finish» und hat bereits erfolgreich sogenannte «Cocos» emittiert. Darunter versteht man Obligationen, die im Krisenfall in Aktien umgewandelt werden. Es handelt sich somit um Fremdkapital, das bei Bedarf zu Eigenkapital wird. Für das Vorgehen der CS gibt es gute Gründe. Die Kernkompetenz des Finanzplatzes Schweiz ist das Private Banking. Diese Kundschaft ist ebenfalls an Sicherheit interessiert. Hat die Bank eine dicke Eigenkapitaldecke, dann schlafen auch die «Very High Net Worth Individuals» besser. Die CS hat folgerichtig auch ihre ROE-Ziele deutlich hinuntergeschraubt. Sie will sich mit über 15 statt mit über 18 Prozent zufriedengeben.
Die UBS hingegen will keinen «Swiss Finish» und wird auch mit den Cocos nicht warm. Konzernchef Oswald Grübel hat sich verschiedene Male öffentlich gegen beides gewandt. Er argumentiert dabei, dass den Schweizer Grossbanken damit ein zu grosses Handicap aufgebürdet wird und sieht ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. Grübel will zudem den ROE wieder auf Vorkrisen-Niveau hieven und hat seinen Aktionären versprochen, bald wieder 15 Milliarden Franken Gewinn zu erzielen.
Betriebswirtschaftlich sind die Ziele der UBS – milde ausgedrückt – ehrgeizig. Politisch ist das Vorgehen der UBS – milde ausgedrückt – ungeschickt. Dass Grübel gar mit dem Wegzug der Bank gedroht hat, ist nach den Vorfällen der jüngsten Vergangenheit rational nicht mehr zu erklären. Und dass er dabei von Verwaltungspräsident und Ex-Bundesrat Kaspar Villiger unterstützt wird, löst landesweit und parteiübergreifend Kopfschütteln aus.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.05.2011, 15:25 Uhr
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17 Kommentare
Die Bezeichnung "Swiss Finish" wird in der Produktion angewandt, was soviel bedeutet das ein im Ausland hergestelltes Produkt in der Schweiz an die schweizerichen bedürfnissen angepasst wird. Das hat wohl mit einer Bank nichts zu tun, oder ist eine Bank ein Produktionsbetrieb? Swiss Solution wäre die richtige Bezeichnung :-) Antworten
Bei UBS-Grübel hat das System, solange das Thema Eigenkapital und Basel III umgesetzt am St. Nimmerleinstag ist, kommen eben wirklich griffige Massnahmen, wie 100% Trennung in Geschäfts/Investment-Banking nicht zur Sprache (wikipedia Investmentbanking). Oder per Gesetz verbieten, dass einer Bank geholfen werden darf, die Kunden sollen es Zahlen! Unser aller Wohlstand verzocken (Island/Irrland)? Antworten
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