Wirtschaft

Die grösste Optionen-Party 2012

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 18.04.2012 9 Kommentare

Die Illumina-Aktie wird offenbar zum Zockerpapier. Immer mehr Investoren wetten auf ein Scheitern des Übernahmedeals durch den Pharmariesen Roche.

Partylaune am US-Börsenparkett: Momentaufnahme aus der New Yorker Börse am 4. April 2012.

Partylaune am US-Börsenparkett: Momentaufnahme aus der New Yorker Börse am 4. April 2012.
Bild: Keystone

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Der Aktienkurs der US-Firma Illumina hat sich seit Dezember des Vorjahres fast verdoppelt. Als Folge der Übernahmegespräche hielt sich der Kurs bis dato konstant auf hohem Niveau. Je näher allerdings ein Scheitern des Deals rückt, desto mehr taucht die Illumina-Aktie wieder. (siehe Grafik oben)

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Die Summe aller offenen Positionen bei Put-Optionen auf die Aktien der Illumina ist mit 15'000 spektakulär hoch. Ein grosser Teil dieser Kontrakte wird gemäss Informationen von Bloomberg am 19. Mai fällig. «Der Überhang an Put-Optionen ist so dramatisch, dass das zu einem Rodeo im Markt führen könnte», sagt ein anonym bleiben wollender Vermögensverwalter einer Schweizer Grossbank gegenüber DerBund.ch/Newsnet.

Stimmungsumschwung

Vor einem Monat waren noch 41 Put-Kontrakte auf das Illumina-Papier offen. Zur Erklärung: Im Gegensatz zur Call-Option rechnet der Käufer bei einer Put-Option damit, dass der zugrunde liegende Aktienkurs der Illumina sinkt. Er geht mit einem Vertragspartner den Deal ein, dass dieser zu einem in der Zukunft liegenden tieferen Ausübungspreis – das ist der dann gültige Aktienkurs – die Aktie abkaufen muss. Bei dem geringen Ausmass an gehandelten Put-Kontrakten war man bezüglich der Übernahme offenbar noch zuversichtlich.

Mit Stichtag heute sind es aber bereits 14'802 offene Terminpositionen – so viele Wetten wurden auf ein Scheitern des Deals abgeschlossen. Damit ist klar: Der Übernahmepoker des Basler Pharmariesen Roche (ROG 226.9 -1.52%) um den US-Gentechnikspezialisten Illumina befindet sich in einer heissen Phase. Denn je mehr Investoren darauf wetten, dass Roche die Übernahme abbläst, desto mehr kommt die Illumina-Aktie unter Druck. Und damit auch die Illumina-Aktionäre, die sich bisher vehement gegen die Übernahme wehrten. «Der Aktienpreis geht mit der Aktivität bei den Put-Optionen konform», sagt der Pharma-Analyst der ZKB, Michael Nawrath. Anders gesagt: Mehr und mehr Investoren glauben an ein Scheitern der Übernahme. Das äussert sich sowohl in mehr Put-Positionen als auch einem sinkenden Aktienkurs. Roche dementiert diese Darstellung.

Derzeit notiert das Papier bei 44 US-Dollar je Stück. Die Prognosen der Analysten liegen bei etwa 35 Dollar. Roche bietet für die Übernahme 51 Dollar je Aktie. Wer sich gegen das Absacken des Kurses auf 35 Dollar absichern will, schliesst solche Put-Kontrakte ab.

Bewegte Geschichte

Doch wie konnte es so weit kommen? Begonnen hat alles mit einem feindlichen Übernahmeangebot von Roche Anfang März. Der Pharmakonzern legte den Aktionären von Illumina eine Kaufofferte über 44.5 US-Dollar je Aktie vor. Dies hätte einen Unternehmenswert von 5,7 Milliarden Dollar ergeben. Zwei Wochen später kam das Nein von Illumina, das Angebot sei «zu niedrig». Derzeit ist Illumina an der Börse 5,4 Milliarden Dollar wert. Für ZKB-Analyst Nawrath gibt es drei mögliche Szenarien, die bei den Terminkontrakten zum Ausdruck kommen und den Aktienkurs beeinflussen. «Erstens: Roche zieht das Angebot zurück und lässt von der Übernahme ab. Zweitens: Der Deal kommt zum Preis von 51 Dollar je Aktie zustande. Oder drittens: Roche bessert nach, und die feindliche Übernahme könnte noch eine freundliche werden», so Nawrath gegenüber DerBund.ch/Newsnet.

Hohe Wetteinsätze

Doch die Szenarien erklären nicht, weshalb die Wetteinsätze so enorm hoch ausfallen. Der Banker vom Paradeplatz, der immerhin mehrere Hundert Millionen Franken Vermögen verwaltet, spekuliert: «Möglicherweise sichert sich Roche selbst gegen ein Scheitern ab und stellt deshalb das Gros der aktuellen Optionen-Deals.» Für den Konzern wäre das eine Win-win-Situation: Wenn Roche den Aktienkurs durch immer mehr Put-Optionen nach unten prügelt, werden die Illumina-Aktionäre möglicherweise zum Verkauf gedrängt, um nicht noch mehr Geld zu verlieren. Wenn die Übernahme dennoch scheitert, hat Roche allfällige Kursverluste durch Put-Optionen abgesichert.

Möglicherweise wird aber demnächst die Frage gestellt werden, welche Investoren genau hinter diesen massenhaften Deals stecken. Denn immerhin wettet der Konzern damit immer noch gegen den eigenen Erfolg. Der Vermögensverwalter vom Paradeplatz meint: «Das wird er wohl nur tun, wenn bei diesen Geschäften auch ordentlich Gewinne abfallen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2012, 14:26 Uhr

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9 Kommentare

Daniel Paul

18.04.2012, 14:58 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Open Interest von out-of-money Calls ist noch um einiges höher als die Puts! Also mehr Wetten auf ein erfolgreichen Deal. Aber nur aufgrund hoher Volumina Schlüsse zu ziehen ist eh gewagt. Zwar kann aufgrund Optionspreisen eine Wahrscheinlichkeitsverteilung extrahiert werden, aber auch das ist nicht ganz sauber wegen notwendiger Annahmen. Antworten


Jonas Brunner

18.04.2012, 15:05 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

"Wenn je mehr Investoren darauf wetten, dass Roche die Übernahme abbläst, desto mehr kommt die Illumina-Aktie unter Druck. " Eben nicht! Sorry, aber wer schreibt solche kreuzfalschen Artikel? Wenn Optionen gekauft bzw. verkauft werden ist die Aktie überhaupt nicht davon betroffen. Das ist nur der Fall, wenn die Option ausgeübt wird. Roche ist wohl eher der Verkäufer der Optionen... Antworten



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