Wirtschaft
Die fünf Probleme der europäischen Airlines
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 04.05.2012 38 Kommentare
Wie steht es um die Swiss?
Während der Mutterkonzern Lufthansa tief in die roten Zahlen gerutscht ist (siehe Artikel rechts), hat Swiss im ersten Quartal 2012 «nur» einen Verlust von 4 Millionen Franken verbucht. Dennoch muss sie sich mit 95 Millionen Euro am Sparprogramm der Lufthansa beteiligen. Wo genau die Schweizer Airline Kosten einsparen wird, war von Seiten Swiss und Lufthansa nicht in Erfahrung zu bringen. Laut einer Swiss-Sprecherin werden «die konkreten Massnahmen noch erarbeitet». Obwohl die Airline im administrativen Bereich nach eigenen Angaben «bereits schlank aufgestellt» ist, fügt die Sprecherin hinzu: «Anpassungen können hier nicht ausgeschlossen werden.»
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Die Lufthansa (LHA 16.28 0.31%) schreibt einen Verlust von 381 Millionen Euro im ersten Quartal 2012. Die skandinavische SAS verdoppelt ihn auf 1,1 Milliarden schwedische Kronen (rund 150 Millionen Franken) gegenüber dem Vorjahr. Und heute Freitag gibt Air France-KLM bekannt, einen Verlust von 368 Millionen Euro von Januar bis März 2012 eingefahren zu haben.
Dabei haben besagte Airlines ihren Umsatz gesteigert, und ihr Passagierzuwachs bewegt sich im mittleren einstelligen Prozentbereich. Weshalb die Verluste?
Die fünf wichtigsten Gründe:
- 1. Treibstoff: Als Hauptgrund geben die Fluggesellschaften unisono die stark gestiegenen Spritkosten an. Die Lufthansa rechnet damit, dass sie dafür dieses Jahr 7,5 Milliarden Euro wird ausgeben müssen – 1,2 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Air France-KLM erwartet für dieses Jahr Sprit-Mehrkosten in fast derselben Höhe.
- 2. Konkurrenz: Billigairlines wie Easyjet und Ryanair, aber auch die heimische Air Berlin erschweren der Lufthansa das Leben. Auch SAS beklagt den «intensiven Druck durch die Konkurrenz». Zudem sei die Langstrecken-Konkurrenz aus dem Mittleren Osten gewaltig, wie Thomas Strässle, Stv. Chefredaktor der Zeitschrift «Cockpit», gegenüber DerBund.ch/Newsnet ausführt. Airlines wie Emirates, Qatar Airways oder Etihad könnten sich dank Geldern von Scheichs und dem Staat stets moderne, konkurrenzfähige Flotten leisten.
- 3. Lohnkosten: Vor allem bei Fluggesellschaften wie Air France (AF 7.754 0.43%) und Austrian Airlines seien die Pilotenlöhne deutlich teurer als etwa bei Swiss, erklärt Strässle. Zudem verfügen die Piloten und das Bodenpersonal der Air France über starke Gewerkschaften. Weil es öfters zu Streiks kommt, verliert Air France pro Streiktag zwei bis drei Millionen Euro.
- 4. Veraltete Maschinen: Strässle meint: «Die SAS zum Beispiel ist in einer schwierigen Situation, weil sie zum einen nicht zu einem grossen Verbund von der Art Air France-KLM oder Lufthansa gehört. Zudem ist die Flotte der SAS teilweise nicht mehr die jüngste und deshalb relativ spritintensiv.»
- 5. Deutschlands Luftverkehrssteuer: Strässle nennt auch die im Januar 2011 eingeführte neue Steuer in Deutschland als Problem, vorwiegend für die deutschen Airlines. Wegen der Steuer stiegen die Preise der betroffenen Flugtickets um 8 Euro auf der Kurzstrecke, 25 Euro auf der Mittelstrecke und 45 Euro auf der Langstrecke. Das kommt die Branche teuer zu stehen.
Sparen, ja. Aber wie?
Nun ist also Sparen angesagt: Der Lufthansa-Konzern will bis 2014 Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro erzielen, und dazu muss Swiss 95 Millionen Euro beitragen. SAS will ihr bereits aufgegleistes Sparpaket enger schnüren und bis 2013 fünf Milliarden schwedische Kronen (rund 563,5 Millionen Euro) einsparen.
Eine der Massnahmen ist der Stellenabbau. Lufthansa kommunizierte am Donnerstag, dass im Konzern weltweit 3500 Vollzeitstellen wegfallen werden. Welche Sparmöglichkeiten gibt es sonst für die Airlines? Thomas Strässle verweist auf die Pläne der Lufthansa, den Europaverkehr teilweise auf ihre günstigeren Töchter Germanwings und Eurowings auszulagern. «Doch das ist auch nur beschränkt möglich, denn die Kunden wollen nicht beliebig oft mit einer Billigairline fliegen, wenn sie die Preise von Lufthansa- oder Swiss-Flügen bezahlen.» Und spricht damit die Marktpraxis an, dass auf bestimmten Linien gerne Maschinen von Billigairlines eingesetzt werden, obwohl der Kunde einen Flug bei der Muttergesellschaft gebucht hat.
Flugplan nicht ausdünnen
Den Flugplan auszudünnen, um Geld zu sparen, hält Strässle für heikel: «Damit läuft man Gefahr, dass die kaufkräftigen Business-Kunden ausbleiben. Dies könnte die Airlines teurer zu stehen kommen als das Streichen von Flügen, und sie würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden.»
Ebenfalls heikel sei es, die Löhne zu reduzieren – unter anderem, weil dies bei laufenden Verträgen nicht rasch umsetzbar sei, so der Stv. «Cockpit»-Chefredaktor. Eine Möglichkeit, der steigenden Kerosinkosten Herr zu werden, sei der Kauf von neuen, treibstoffärmeren Flugzeugen. «Doch das kostet auch wieder Geld.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.05.2012, 12:40 Uhr
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38 Kommentare
Die Probleme...? Hohe Preise und oft keine gute Leistung an Bord. Warum soll ich swiss nach Bkk fliegen für 7000 Franken in der Business, wenn ich das bei OMAN mit allem Luxus (besser als eine First) für die Hälfte bekomme? Da steige ich gerne in Muscat um, mit VIP-Service. Dazu kommt, dass wir ab Zürich noch zu hohe Preise bezahlen. swiss-Flüge ab Milano und Athen kosten wesentlich weniger. Antworten
treibstoff und luftverkehrssteuer fallen auch für die billigflieger an! und diese kosten werden weitergegeben. es müssen also noch andere gründe vorhanden sein. flugplan nicht ausdünnen...? aber lieber halbleer fliegen statt weniger und volle flugzeuge. und sinnlose kurzstrecken als zubringer einstellen. soll dieser artikel die längst fälligen steuern angreifen? auch kerosin müsste besteuert sein! Antworten
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