Wirtschaft
Die Zeiten werden härter
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 28.02.2012 5 Kommentare
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Schlechte Stimmung
Mehr als 4200 Firmen sind dem Aufruf des Schweizerischen KMU-Verbandes gefolgt und haben an der Unternehmerumfrage 2011 teilgenommen. Befragt wurden Schweizer KMU aus allen Branchen. Nur 26,5 Prozent der Schweizer KMU erzielten 2011 weniger Umsatz als im Vorjahr. Rund 36 Prozent konnten den Umsatz sogar steigern, bei 37,5 Prozent der Befragten blieb der Umsatz gleich. In 20,4 Prozent aller Betriebe wurden neue Arbeitsplätze geschaffen, bei 12,3 Prozent kam es zu Stellenabbau. Für dieses Jahr rechnen 46,6 Prozent der Firmen mit einem stagnierenden Umsatz, 26,5 Prozent erwarten einen Umsatzrückgang. Verbleibende 26,9 Prozent rechnen mit einem Umsatzzuwachs. Bezüglich Marge und Gewinn sind die KMU tendenziell pessimistisch: Rund 90 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem stagnierenden oder rückläufigen Gewinn, knapp zehn Prozent glauben an ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. (fib)
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Auch wenn Georg Fischer einen Gewinnsprung vermeldet, gibt es für die Schweizer Industrie keine Entwarnung. Aus den Analystenstuben dringen weiterhin nur Hiobsbotschaften für die heimische Konjunktur: Der Produktionsrückgang in der Industrie zeichne sich bereits ab, die Auftragslage verschlechtere sich. «Uns werden sinkende Bestelleingänge gemeldet», sagt Richard Etter, Sektionsleiter der Konjunkturfoschungsstelle (KOF).
Ausblick bleibt negativ
«Für 2012 bleiben die Risiken grösser als die Chancen», meint auch Vontobel-Chefanalyst Panagiotis Spiliopoulos. Ausgehend vom vierten Quartal des Vorjahres bis zum 1. Quartal dieses Jahres sei eine rückläufige Nachfrage erkennbar. Auch wenn sich der Kurs des Franken zum Euro bei 1.20 stabilisiert habe, bereite das den exportorientierten Unternehmen in der Schweiz nach wie vor starke Schmerzen. «Bei den Klein- und Mittelbetrieben gab es bereits zahlreiche Schliessungen. Der weltweit tätige Riesenkonzern ABB (ABBN 22.03 0.55%) ist da als positives Beispiel irrelevant.» Ein solcher Grosskonzern habe ganz andere Möglichkeiten, negative Entwicklungen abzufangen.
Heimische Mittelbetriebe seien zwar nicht im Panikmodus wie in den Jahren 2008/09. Auch gab es keine notfallbedingten Kapitalerhöhungen. «Die Betriebe sind seit diesen Krisenjahren vorsichtig geblieben und daher besser aufgestellt.» Doch Unternehmen, die primär von der Schweiz aus und im Inland operieren, haben laut Spiliopoulos keinen Grund, deswegen optimistisch zu sein. Die Schuldenkrise in Europa ist nicht vorbei, und die Rezession im Euroraum hält an. Speziell für Deutschland, das für Schweizer Exporte besonders relevant ist, gilt ein nach wie vor negativer Ausblick der Analysten. Zudem wird ein steigender Ölpreis um 20 bis 30 US-Dollar erwartet, wenn sich der Konflikt mit dem Iran zuspitzt.
Pleiten und Entlassungen
Ausgabefreudigkeit und Investitionsbedarf anderer Staaten und Industrien werden in der Folge abnehmen, so der Konsens. Rückläufige Umsätze in diesem Jahr werden bei vielen Unternehmen in der Schweiz erwartet. «Wir mussten unsere Schätzungen bisher nicht anpassen», zieht Spiliopoulos ein erstes Fazit. Konjunkturforscher Etter geht noch weiter: «Die Zahl der Pleiten wird sicher im einstelligen Prozentbereich steigen, und wir erwarten Entlassungen in Branchen wie der Industrie, dem Gastgewerbe oder dem Detailhandel von mindestens 0,4 Prozent.»
Dass Firmen wie Georg Fischer oder Feintool aktuell gute Gewinnzahlen ausweisen, hat vor allem damit zu tun, dass Auftragsbestände aus der Vergangenheit abgearbeitet wurden. In den kommenden Wochen legen weitere Schweizer Traditionsunternehmen wie Holcim, (HOLN 78.25 0.32%) Lindt & Sprüngli, (LISN 40335 0.59%) Kühne & Nagel, (KNIN 108.8 1.59%) OC Oerlikon (OERL 11.85 1.28%) oder Implenia (IMPN 51 1.90%) ihre Jahresergebnisse vor. Auch wenn weitere Gewinnzuwächse vermeldet werden, lautet der Tenor der Analysten: Investitionen in die bestehende Produktion und Instandhaltung sind kein Indiz für eine gute Auftragslage.
Gradmesser für einen schnurrenden Konjunkturmotor sind die Investitionen in Wachstum und Expansion. Und die Ausgaben dafür sinken. «Nur wenn die Länder Brasilien und China wachsen, können Schweizer Unternehmen mit den Kunden in diesen Märkten mitwachsen. Für jeden investierten Franken bekommt man dort im Vergleich zu den Ausgaben in der Schweiz ein Mehrfaches zurück», erklärt Spiliopoulos. Selbst wenn jetzt Projekte und Werkserrichtungen in der Schweiz vermeldet werden, fallen diese nicht ins Gewicht, relativiert der Chefökonom. Denn diese Projekte wurden schon vor drei bis vier Jahren geplant und verbucht.
USA ziehen wieder Investitionen an
Der Trend gehe in eine andere Richtung. Auf der Suche nach expansionstauglichen Ländern rücken die USA wieder in den Mittelpunkt des Interesses. «Weil in den Schwellenländern die Lohnniveaus steigen, ziehen sich viele Unternehmen wieder in die Vereinigten Staaten zurück.» ABB etwa habe alternativ zu China zuletzt wieder verstärkt in den USA investiert. Zusätzlicher Druck auf den Standort Schweiz kommt von den Ländern Brasilien und China, die nicht mehr nur als Absatzmarkt für Schweizer Unternehmen betrachtet werden können. Häufig wird eine Produktionserlaubnis oder ein Liefervertrag mit einer verpflichtenden Forschungseinrichtung des Unternehmens vor Ort verknüpft. Grosskonzerne haben bei damit verbundenen Standortverlagerungen ein leichtes Spiel, reine Exportunternehmen in der Schweiz hingegen werden vom starken Franken weiterhin zerrieben. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.02.2012, 13:41 Uhr
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5 Kommentare
Unsere Konjunkturforscher sind beeindruckende Hellseher - hätte eigentlich mehr erwartet, wenn man so grossspurig als Wirtschaftswaisen auftreten kann. Ich frage lieber Herrn Roubini, er liegt zum Glück immer richtig und verdient auch immer sein Geld.
Wirtschaftswissenschaft: das einzige Fach, in dem jedes Jahr auf dieselben Fragen andere Antworten richtig sind.
Stimmt doch oder ?
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