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Bei der Zürich Versicherung in Deutschland scheint etwas falsch zu laufen. Schon zum zweiten Mal hat die Versicherung bei der Berechnung der Kosten für Haftpflichtfälle schlampig gerechnet. Jetzt musste sie 550 Millionen Dollar zurückstellen, um für ausstehende Forderungen ihrer Versicherten in Deutschland gerüstet zu sein. Die Schweizer Geschäftsleitung des Zürich-Konzerns ist «enttäuscht über die signifikante finanzielle Korrektur» und will ihrem Deutschland-Ableger künftig besser auf die Finger schauen.
Der Konzernsprecher der Zürich, Riccardo Moretto, erklärt die massive Korrektur mit der langen Bearbeitungsdauer der abgedeckten Schadensfälle. Bei den Versicherten handle es sich zum Beispiel um Ärzte oder Architekten, die sich gegen Schadensforderungen aufgrund von Kunstfehlern oder Gebäudemängeln absicherten. Bis geklärt sei, wie viel die Versicherung bezahlen müsse, könne es Jahre dauern. Neue Erkenntnisse über den Schadenverlauf und die Verbesserung der Datenqualität hätten jetzt zu einer genaueren Berechnung der Reserven geführt.
Abzug von Gewinn
Für Zürich-Aktionäre hatte die Rückstellung unerfreuliche Folgen. Bis am Nachmittag büsste die Aktie an der Zürcher Börse 3,5 Prozent ihres Wertes ein. Die Aktionäre fürchten um ihre Dividende, denn 550 Millionen Dollar nagen am Gewinn. Im ersten Halbjahr 2012 machte der Zürich-Konzern einen Profit von 2,2 Milliarden Dollar. Ein Gewinnabzug von mehr als einer halben Milliarde ist auch für einen Versicherungskoloss mit 60'000 Mitarbeitern in 170 Ländern schmerzhaft.
Für den Versicherungsanalysten Roger Degen von Julius Bär wirft die erneute Rückstellung die Frage auf, ob die Reservepolitik der Zürich im Nicht-Lebengeschäft «generell im Argen liegt». Nach seiner Auffassung hat die Zürich die Risiken in einigen Segmenten der deutschen Berufshaftpflicht falsch eingeschätzt und etwas zu aggressiv Verträge abgeschlossen. «Schadensfälle müssen mit den Prämien bezahlt werden, sonst hat man diese zu tief angesetzt.» Degen geht davon aus, dass Zürich bei der Präsentation der Quartalszahlen im November eine detaillierte Erklärung für die Rückstellung liefern wird.
Die Analysten der Bank Vontobel haben die Zürich-Aktie am Mittwoch von «Kaufen» auf «Halten» zurückgestuft. Das Ausmass der erneuten Rückstellung sei überraschend, sagt Vontobel-Analyst Stefan Schürmann gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Man frage sich, ob die Korrektur nur die Zürich Versicherung betreffe oder ähnliche Anpassungen auch von anderen Versicherern zu erwarten seien. Die Gewinnprognose pro Zürich-Aktie haben die Vontobel-Analysten um 10 Prozent auf 25,50 Franken reduziert.
Erstellt: 17.10.2012, 19:57 Uhr
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