Die Swisscom kuschelt mit Cablecom
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 19.02.2010 7 Kommentare
Die Situation hat sich 2009 nochmals verschärft: Die Swisscom (SCMN 352 0.09%) hat erneut Marktanteile gewonnen. Im Mobilfunk beherrscht sie nun 62 Prozent des Marktes, so viel wie zuletzt 2007. Das gleiche Bild zeigt sich beim schnellen Internet: Hier stieg der Marktanteil innert Jahresfrist von unter 52 auf über 53 Prozent.
Was für viele Firmen ein Grund zum Feiern wäre, wird für die Swisscom zum Problem. Steigt ihre Dominanz im Markt, nimmt auch die Bedrohung aus der Politik zu: Dort wird in regelmässigen Abständen nach griffigen Gesetzen gerufen, um das Ungleichgewicht im Markt zu korrigieren.
«Der Wettbewerb wird intensiver»
Der Zeitpunkt für den neuerlichen Marktanteilzuwachs ist denn auch denkbar ungünstig: Das Bundesamt für Kommunikation legt im Frühling einen Bericht über die Wettbewerbssituation im Schweizer Telecommarkt vor. Er soll Bundesrat und Parlament aufzeigen, wo Bedarf für Änderungen im bestehenden Gesetz besteht. Im Fokus stehen ausgerechnet der Markt für Mobilfunk und Breitband-Internet.
Doch Rettung naht – ausgerechnet durch die Konkurrenz, in Form der Übernahme von Sunrise durch Orange. Swisscom-Präsident Anton Scherrer erklärt den Effekt so: «Nach der Fusion wird der Wettbewerb intensiver, die Marktkräfte spielen, und es besteht kein Bedarf mehr nach zusätzlicher Regulierung.» Ob der Zusammenschluss den Wettbewerb wirklich anheizen wird, daran bestehen allerdings berechtigte Zweifel. Das Fusionsgesuch liegt derzeit zur Prüfung bei der Wettbewerbskommission.
Alle landeten bei der Konkurrenz
Die Swisscom will solche Zweifel offenbar ausräumen. Bislang sträubte sie sich stets dagegen, ihr Mobilfunknetz fremden Anbietern zur Verfügung zu stellen. Mit M-Budget Mobile hatte sie diesen Trend zwar vor 5 Jahren lanciert. Danach foutierte sie sich um weitere Wiederverkäufer. Aldi, Lebara, Lyca, Red Bull, Cablecom, Mobilezone, Talktalk: Sie alle landeten bei der Konkurrenz. Diese Strategie hat die Swisscom relativ unbemerkt geändert: Letzte Woche kündigte sie die Zusammenarbeit mit einem Anbieter namens Bee One an.
Und nun verhandelt sie sogar mit der Cablecom über ein ähnliches Angebot. Das bestätigt Swisscom-Chef Carsten Schloter dem TA: «Ja, die Verhandlungen laufen.» Der bisherige Vertrag mit Sunrise läuft dieses Jahr aus. Und nicht nur das: «Für uns wäre es gut, dass die Zusammenarbeit zustande kommt.» Sonst, so fürchtet Schloter, geht das Geschäft mit den Handykunden der Cablecom an Orange. «Und das können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten.»
Swisscom würde Tarife senken
Das ist umso erstaunlicher, als dass Cablecom über einen eher zweifelhaften Ruf verfügt. Dass dieser der Swisscom schaden könnte, fürchtet Schloter nicht. «Die Cablecom wird noch dieses Jahr erstarken.» Der Swisscom-Chef schürt den Eindruck, dass Orange und Cablecom unter dem Einfluss ihrer Mutterkonzerne in den nächsten zwei, drei Jahren tiefgreifende Umwälzungen im Schweizer Markt bewirken werden: «Am Ende ist die Swisscom der Zwerg.»
Sollte all das die Wettbewerbshüter nicht überzeugen, wäre die Swisscom sogar zu weiteren Schritten bereit, um die Fusion zu ermöglichen. «Formal kann uns die Behörde zwar keine Auflagen machen», sagt Schloter. «Aber unter Umständen wären wir zu freiwilligen Massnahmen bereit.» Bis jetzt sei die Wettbewerbskommission noch mit keinem solchen Vorschlag an die Swisscom herangetreten. «Und ob wir auf so etwas eingehen würden, hängt selbstverständlich vom konkreten Fall ab.»
Einfluss auf Endkundenpreise
Eine Idee hätte der Swisscom-Chef allerdings schon: «Branchenweit tiefere Terminierungsgebühren.» Terminierungsgebühren sind jene Tarife, die sich die Anbieter verrechnen, wenn etwa ein Swisscom-Kunde auf ein Orange-Handy anruft oder umgekehrt. Sie haben einen indirekten Einfluss auf die Endkundenpreise. Konkret bietet Schloter an, diese Preise freiwillig zu senken, falls die Weko die fusionierte Orange ebenfalls dazu zwingen würde. Pikant: Bisher sanken diese Tarife immer erst auf massiven Druck der Behörden.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.02.2010, 12:54 Uhr
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7 Kommentare
Wobei M-Budget genaugenommen gar kein virtueller Mobilfunk-Anbieter ist. "M-Budget Mobile" ist ein Angebot von Swisscom (auch der Vertragspartner des Kunden ist Swisscom). Migros stellt lediglich ihre Marke zur Verfügung und erhält eine Entschädigung dafür. Ein echter virtueller Mobilfunk-Anbieter kauft auf eigene Rechnung ein und verkauft die Produkte auf eigenes Risiko weiter. Antworten
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