Wirtschaft

Die Schweiz – «schon immer ein Hort der Steuerhinterzieher»

Aktualisiert am 11.12.2012 115 Kommentare

Ein pensionierter deutscher Steuerfahnder erzählt über den Alltag als Fiskal-Ermittler. Und er erklärt, warum gerade Nordrhein-Westfalen so viele Steuer-CDs aus der Schweiz aufkauft.

«Eine schöne Zeit»: Frank Wehrheim ist pensionierter Steuerfahnder und Autor des Buchs «Inside Steuerfahndung». (Bild: PD)

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Wenn in deutschen Medien von Steuerhinterziehung die Rede ist, dauert es meist nicht lange, bis die Schweizer Banken zum Thema werden. So auch beim Beitrag über den pensionierten deutschen Steuerfahnder Frank Wehrheim auf dem Nachrichtenportal «Spiegel» online. Er arbeitete fast 30 Jahre lang für das Finanzamt Frankfurt.

2600 Steuerfahnder hätten in den vergangenen beiden Jahren dem deutschen Fiskus fast vier Milliarden Euro gesichert – dies vor allem dank den Steuer-CDs aus der Schweiz, gekauft von den nordrhein-westfälischen Behörden.

Wehrheim erklärt, warum gerade dieses Bundesland so aktiv nach Steuerbetrügern fahndet: Grund sei die Struktur der Verwaltung, denn anders als in anderen Bundesländern seien die Fahndungsabteilungen dort nicht an die Finanzämter angegliedert, sondern als autonome Behörden mit eigenen Leitern und eigenem Personal organisiert. Vor allem Peter B., der Chef der Wuppertaler Fahnder, sei «ein Star der Szene» (DerBund.ch/Newsnet berichtete).

«Mehr Schimanski als James Bond»

Der Betrag der in der Schweiz versteckten deutschen Gelder wird offiziell auf 100 bis 150 Milliarden Euro geschätzt. Die Schweiz sei eben schon immer ein Hort der Steuerhinterzieher gewesen, sagt Wehrheim gegenüber «Spiegel online». Sogar bei der Steuerfahndung selbst habe es einen Sachbereichsleiter gegeben, der sein Vermögen im Ausland gebunkert hatte.

Allerdings sei er auch der umgekehrten Konstellation schon oft begegnet: «Auch Ausländer sparen mit ihrem Geld gerne in Deutschland Steuern, übrigens auch Schweizer», sagte er in einem früheren Interview mit der «Handelszeitung». Da ginge es dann aber eher um manipulierte Taxirechnungen oder gefälschte Geschäftsbücher.

Der 63-Jährige gilt laut dem Bericht als «einer der unerschrockensten Steuerfahnder Deutschlands», in seinem Buch «Inside Steuerfahndung» erzählt er vom Alltag als Fiskal-Ermittler. Was einen exzellenten Steuerfahnder ausmache, wird Wehrheim gefragt. Er müsse denken wie ein Krimineller, gleichzeitig ein Jäger sein, aber kein humorloser Vollstrecker – «mehr Schimanski als James Bond». Und er nennt die grössten Schwächen der Steuerhinterzieher: «Geltungssucht und Dummheit.» Zu beobachten sei diese Kombination vor allem bei Männern, die bei ihren Frauen oder Freunden prahlen wollten. Diese würden dann nicht selten zu wichtigen Informanten der Steuerfahnder und lieferten die entscheidenden Hinweise. (fko)

Erstellt: 11.12.2012, 09:14 Uhr

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115 Kommentare

Michael Sold

11.12.2012, 09:41 Uhr
Melden 367 Empfehlung 82

Man hat und man wird es nie kapieren: Wenn jemand Steuern hinterzieht, selbst wenn er auf die Möglichkeit hingewiesen wird, ist nicht die Bank, der Bankster oder sonst wer schuld, sondern derjenige der diese Entscheidung trifft. Falls aber der deutsche Bürger sich dessen nicht bewusst oder mündig ist, dann ist das kein Problem für uns, sondern eine Frage an die Politiker, die nicht wissen was tun. Antworten


josef term

11.12.2012, 10:01 Uhr
Melden 221 Empfehlung 72

da wird schwarz gearbeitet in Deutschland für ca. 300 Milliarden im Jahr , da sollte die Steuerfahndung ansetzen, aber da sind die Schimanskis chancenlos, die Schwarzgelder in der CH sind Pea Nuts dagegen. Antworten



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