Wirtschaft

Die Schuldenlast war zu gross: Brainstore geht Konkurs

Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 14.12.2011 1 Kommentar

Die Bieler «Ideenfabrik» ist zu schnell gewachsen und konnte nun ihre Kredite nicht zurückzahlen.

Nach 22 Jahren muss Markus Mettler den Betrieb einstellen.

Nach 22 Jahren muss Markus Mettler den Betrieb einstellen.
Bild: Valérie Chételat (Archiv)

«It’s possible» – der optimistische Slogan von Brainstore konnte das bittere Ende nicht abwenden: Gestern eröffnete der Richter den Konkurs über das Unternehmen. Damit ist eine der innovativsten Firmen des Kantons Bern und vielleicht auch der Schweiz Geschichte – und die Kommunikationsstadt Biel verliert eines ihrer Aushängeschilder.

Im Auftrag von Kunden – meist grösseren Unternehmen – Ideen entwickeln, so simpel war das Konzept der Brainstore AG. Egal, ob eine Marketingmassnahme oder ein ganz neues Produkt: Mit ihren ausgeklügelten Workshops und Werkzeugen wagten sich die Bieler an jede Fragestellung heran. Grossverteiler, Uhrenhersteller und deutsche Autokonzerne zählten zu den gut zahlenden Brainstore-Kunden, gar die FDP klopfte im Wahljahr 2003 bei der selbst ernannten «Ideenfabrik» an.

Trotzdem kam das Aus gestern nicht überraschend: Seit August befand sich Brainstore in der Nachlassstundung, doch auf Antrag der Sachwalterin Transliq hob das Gericht diesen Schutz vor den Gläubigern Ende November wieder auf. Begründung: Es sei unwahrscheinlich, dass das Sanierungskonzept von Brainstore-Chef Markus Mettler fruchte. Dieser wollte den angehäuften Schuldenberg von 3 Millionen Franken abbauen, indem Brainstore aus der teuer gemieteten Liegenschaft an der Bieler Aarbergstrasse ausgezogen wäre und künftig ein Viertel des Umsatzes in einen Gläubigerfonds einbezahlt worden wäre. Doch nach dem richterlichen Entscheid von Ende November verzichteten Mettler und seine Partnerin und Brainstore-Mitbesitzerin Nadja Schnetzler auf einen Weiterzug, womit der Konkursfall eintrat.

Wie Mettler und Schnetzler gestern in einer Mitteilung schrieben, war Brainstore im Jahr 2007 zu schnell gewachsen. Das Wachstum sei mit Krediten finanziert worden. «Durch die Finanzkrise im Jahr 2008 wurde das Wachstum jäh gestoppt, und Brainstore konnte sich zu wenig rasch erholen.» Tatsächlich wuchsen Mitarbeiterzahl und Umsatz der 1989 als Dactis AG gegründeten Firma stetig. 2008 war mit 80 Angestellten und 7,7 Millionen Franken Jahresumsatz der Höhepunkt erreicht. Ab Herbst 2008 brachen Brainstore die Aufträge weg – Unternehmen sparten zuallerst bei Ausgaben wie jenen für die «Ideenfabrik». Im März darauf entliess Mettler über 30 Mitarbeiter. Zuletzt arbeiteten noch zehn Personen für Brainstore, im Oktober erhielten auch diese die Kündigung. Mettler entliess auch seine Partnerin und sich selbst.

Gestern kündigte dieser bereits an, das Geschäft der Ideen-Produktion künftig in einer Einzelfirma weiterzuführen. Nadja Schnetzler will «beruflich eigene Wege gehen», es lägen ihr bereits «spannende Angebote» vor. (Der Bund)

Erstellt: 14.12.2011, 08:09 Uhr

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1 Kommentar

Peter Mühlentaler

15.12.2011, 15:16 Uhr
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Mettler ist ein Fantast. Seine Zahlen-Zaubertricks funktionierten irgendwann nicht mehr. Wer einen Geschäftsbericht seit 2008 gesehen hat, den erstaunt der Konkurs überhaupt nicht. Schon eher, dass man noch 3 Jahre ungestraft "weiterwursteln" konnte. Antworten



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