Wirtschaft

Die SBB werben im Ausland aktiv um Personal

Von Davin Vonplon. Aktualisiert am 08.05.2012 183 Kommentare

Weil der Markt in der Schweiz ausgetrocknet ist, buhlt die Bahn im Ausland um Mitarbeiter. Für die Gewerkschaften ist das eine Form von Lohndumping.

Zugverkehrsleiter gesucht: Zentralstellwerk Zürich HB.

Zugverkehrsleiter gesucht: Zentralstellwerk Zürich HB.
Bild: Tom Kawara

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Die SBB wachsen und wachsen – und können ihren Bedarf nach Personal nicht mehr allein in der Schweiz decken. Nun streckt die Bahn ihre Fühler ins Ausland aus: Im Januar hat sie in den französischen Départements Haute-Savoie und Ain eine Rekrutierungskampagne gestartet. Sie sucht dabei nach Zugverkehrsleitern – in Stellenanzeigen in französischen Zeitungen und an Informationsveranstaltungen.

In Deutschland sollen die SBB ebenfalls aktiv um neues Personal werben. Der Rücklauf auf die Rekrutierungskampagne war offenbar mässig: Aus Frankreich sind laut SBB dreissig Bewerbungen eingegangen. Laut der Gewerkschaft Transfair haben weitere acht deutsche Kandidaten ihr Bewerbungsdossier in die Schweiz gesandt. Allerdings ist das Auswahlverfahren noch nicht abgeschlossen: «Wir haben bislang keine der Stellen besetzt», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi.

«Zwiespältiger Eindruck»

Die SBB hatten in der Westschweiz zwanzig Zugbegleiter gesucht – es gelang ihnen jedoch nicht, alle offenen Stellen an Schweizer Bewerber zu vergeben. «Deshalb suchen wir im grenznahen Ausland nach Interessenten», sagt Pallecchi. Dass die SBB im Ausland rekrutieren, kommt selten vor: 2010 suchten die SBB für TGV Lyria zwischen Paris und der Schweiz Zugbegleitungspersonal – auch damals fand das Bahnunternehmen in der Schweiz nicht genügend Personal.

Auf Arbeitnehmerseite hinterlassen die Aktivitäten der SBB im Ausland «einen zwiespältigen Eindruck», sagt Peter Moor, Sprecher der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV): «Natürlich hat auch die bestehende SBB-Belegschaft ein Interesse daran, dass die vakanten Stellen besetzt werden können.» Sonst könnte diese keine Freitage beziehen und müsste Überstunden leisten. Das Vorgehen der SBB deute aber darauf hin, «dass sie zu tiefe Löhne bezahlt», so Moor.

«Gleiche Bedingungen wie für Schweizer»

Schauten sich die SBB im Ausland nach Arbeitskräften um, weil sie zu den im Gesamtarbeitsvertrag definierten Lohnuntergrenzen keine Schweizer findet, sei das auch eine Form von Lohndumping. Laut Hanspeter Hofer von der Gewerkschaft Transfair ist wichtig, dass die Anstellung gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag der SBB erfolge und ausländische Staatsangehörige die gleiche Ausbildung absolvierten: «Die Anforderungsbedingungen müssen gleich hoch bleiben wie bei Schweizern.»

Beiden Forderungen dürften die SBB nachkommen. «Die ausländischen Zugverkehrsleiter müssen – genauso wie Schweizer auch – eine achtmonatige Ausbildung durchlaufen, bevor sie dann in einem der Betriebszentren die reguläre Arbeit aufnehmen», sagt Sprecherin Sarah Riesen von Login, dem Ausbildungsverbund für den öffentlichen Verkehr. Laut SBB-Sprecher Pallecchi gelten für die ausländischen SBB-Angestellten die gleichen Arbeitsbedingungen wie für Schweizer Mitarbeiter.

Werben im Sinn des Bundesrats

Kritik kommt indes auch aus der Politik. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Bund die SBB jedes Jahr mit Milliardenbeiträgen subventioniere, könne er das Vorgehen der SBB «nicht nachvollziehen», sagt der Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet, der in der Sache mit einer parlamentarischen Anfrage an den Bundesrat gelangt ist. Er sei überzeugt, dass es genug Einheimische gebe, die sich für Stellen von so hoher Qualität interessieren würden, schreibt er in einem Vorstoss zum Thema. Falls nicht, müssten eben die Löhne erhöht werden.

Der Bundesrat hat die Rekrutierungsbemühungen der SBB im Ausland gutgeheissen. Die Bahn werde nach unternehmerischen Grundsätzen geführt, schreibt die Regierung in der Antwort auf den Vorstoss Buttet. Daher sollten die am besten geeigneten Kandidaten rekrutiert werden. «Es gibt weder Pläne noch Gründe, von dieser Politik abzuweichen», schreibt der Bundesrat. Die Antwort enttäuscht die Eisenbahnergewerkschaft SEV: Man würde sich wünschen, dass der Bundesrat auch den Einfluss der Personenfreizügigkeit auf das Lohngefüge thematisiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2012, 10:57 Uhr

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183 Kommentare

Daniel Huber

08.05.2012, 08:30 Uhr
Melden 238 Empfehlung 0

120'000 registrierte Arbeitslose in der Schweiz und die SBB findet kein Personal, dass soll mir b bitte jemand erklären! Brauchen wir etwa eine Sockelarbeitslosigkeit von 10% damit die SBB wieder eher Schweizer einstellt? Antworten


Kurt Blaser

08.05.2012, 08:37 Uhr
Melden 182 Empfehlung 0

"Weil der Markt in der Schweiz ausgetrocknet ist" das würde ja heissen das wir in der Schweiz Vollbeschäftigung haben, WOW. Aber halt wir haben doch da noch 2-3 Arbeitssuchende? Ahh, die sind mit der definierten Lohuntergrenze nicht kompatibel, o.k. im Aussland sind sie billiger, wie die Produkte, aber der KONSUMENT soll ja die schweizer Wirtschaft unterstützen, es lebe unsere hochbezahlte Elite. Antworten



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