Wirtschaft

Die Regenmacher

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 27.04.2012 14 Kommentare

Investmentbanker mit den besten Beziehungen in die Wirtschaft sollen den Finanzinstituten wieder den erhofften Geldregen bringen. Doch den Top-Bankern eilt ein Starkult voraus, der nicht immer gerechtfertigt ist.

Wann kommt der erhoffte Geldregen: Mann mit Regenschirm vor einer Kurstafel der UBS in der Bahnhofstrasse in Zürich.

Wann kommt der erhoffte Geldregen: Mann mit Regenschirm vor einer Kurstafel der UBS in der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: Keystone

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Sie sind die Heilsbringer der Finanzwelt, die die Industrie beschwören und Unternehmen beraten, um bei Fusionen und Firmenkäufen Millionen zu machen. Um die «Rainmaker», zu deutsch: Regenmacher, wird in der Bankenszene ein veritabler Kult betrieben. Kein Wunder: «Das Geschäft wird sehr stark von einzelnen Deals geprägt. Wenn man keinen Deal macht, dann gibt es keinen Gewinn. Und wenn man einen abschliesst, dann sprudeln plötzlich die Erträge», sagt Manuel Ammann, Professor für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen.

Hoher Erfolgsdruck

Das erhöht den Druck auf die Investmentbanken, die in harter Konkurrenz zueinander stehen. Deshalb werben sie sich häufig Mitarbeiter gegenseitig ab, die die notwendigen Deals an Land ziehen sollen. «Das ist in dieser Branche üblich», sagt Ammann. Der Erfolgsdruck ist sogar so hoch, dass sich wie kaum in einer anderen Branche das Jobkarussell besonders schnell dreht. Zuletzt wurde zum Beispiel bekannt, dass Alex Wilmot-Sitwell von der UBS zur Bank of America geht. Im Gegenzug holt UBS-Chef Sergio Ermotti den BofA-Banker Andrea Orcel an Bord. Ein typischer Wechsel an der Spitze von zwei Grossbanken, wie er seit Anfang Jahr nahezu im Wochentakt vermeldet wird.

So wechselt etwa auch James Forbes von Merrill Lynch zur UBS, wie das Finanzportal «Finews» berichtete. Forbes war 1995 zu Merrill Lynch hinzugestossen. Davor war er unter anderem für die Credit Suisse First Boston (CSFB) tätig. In seiner letzten Funktion bei BofA/Merrill Lynch war Forbes für ein Investitionsvolumen von 20 Milliarden Dollar zuständig. Umgekehrt verlässt der Investmentbanker Rodney Ward die UBS und heuert nun bei Merrill Lynch an.

Zug zum Tor

Man muss die Akteure nicht kennen, um festzustellen, dass es offenbar um Schlüsselpositionen und sehr viel Geld geht. Doch was für ein Typ Banker ist das, der Finanzinstituten wie der UBS und anderen den ersehnten Geldregen bringen soll? «Kein Diplomat oder Politiker», sagt Ammann. Hingegen müsse er in der Geschäftswelt gut vernetzt sein, um an die grossen Deals überhaupt heranzukommen.

Die Financial Times schrieb jüngst: «Die UBS hofft, von Orcels Beziehungen zu den Banken Unicredit und Santander zu profitieren.» Für Amman nebst vieler Kontakte und für die gesamte Branche ebenso wichtig: Die Unternehmen müssen ihren Ansprechpartner in der Bank ernst nehmen können, der sie berät. Doch damit ist es auch noch nicht getan: Eine wesentliche Qualität des Regenmachers ist seine Abschlussfähigkeit, der Zug zum Tor.

Deshalb sei es auch nicht gerechtfertigt, gleich jedem Top-Investmentbanker, der von einer Grossbank zur anderen wechselt, den Status des Regenmachers zuzuschreiben. «Oft handelt es sich nur um eine Glückssträhne. Immer wieder sieht man, dass solche Stars eine Zeit lang liefern können, dann aber wieder verschwinden.» Ammann findet, dass die Rolle des Regenmachers überschätzt wird. Sie seien keineswegs die einzigen, die Geld im grossen Stil für die Bank verdienen.

Millionendeals, Millionenlöhne

Sie selbst hingegen verdienen oft mehr als ihr Chef, der sie an Bord geholt hat. Ermotti sagte jüngst im Interview mit der «SonntagsZeitung»: «Mama war überrascht, dass ich nur noch so viel verdiene. Sie glaubte, es sei ein Abstieg, denn früher verdiente ich mehr. Im Fussball würde man sagen: Ich bin heute nicht mehr der Starstürmer, der am besten bezahlt ist, sondern der Trainer, der dafür zu sorgen hat, dass das ganze Team gewinnt.»

Auch wenn der Trend derzeit in eine andere Richtung weise, werden Investmentbanker nach wie vor stark erfolgsabhängig entlohnt, so Ammann. «Da ist es keine Seltenheit, dass Top-Investmentbanker deutlich mehr bekommen als der Geschäftsleiter.» Branchenkenner schätzen, dass Andrea Orcel in einem durchschnittlichen Jahr mehrere Hundert Millionen Dollar für die UBS verdienen wird. Bekommen soll er dafür zehn bis 15 Millionen Dollar.

Doch Lohn und Boni sind nicht allein entscheidend für dieses gewinnbringende Geschäft. Amman sieht eine andere Gefahr für das Investmentbanking, auch wenn dies bei den ganz grossen Instituten eher nicht der Fall sein dürfte: Es kann gefährlich werden, wenn einzelne Regenmacher für das Überleben der gesamten Bank entscheidend sind. «Wenn das so ist, dann ist die Bank mindestens nicht optimal strukturiert.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2012, 15:09 Uhr

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14 Kommentare

Rolf Schumacher

26.04.2012, 15:20 Uhr
Melden 50 Empfehlung 0

Die Banken dürfen sich Geldregenmacher nennen und von mir aus auch Milliarden verdienen. Aber sie dürfen nicht systemrelevant sein und keine spezielle Behandlung vor dem Recht geniessen. Mir ist egal was Sergio Mammaiolis Mamma sagt, mir ist aber nicht egal, wenn ich resp. Nackommen (der Staat) dereinst für den eitlen Grössenwahn aufkommen muss. Antworten


Walter Kunz

26.04.2012, 15:20 Uhr
Melden 16 Empfehlung 0

So viel mit bekannt ist, sitzen die wahren Regenmacher, allerdings noch etwas höher oben? Antworten



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