Wirtschaft
Die Neue an der Spitze der Post
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 22.11.2011 11 Kommentare
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Susanne Ruoff wird Chefin der Post – mit rund 60'000 Mitarbeitenden nach der Migros der grösste Arbeitgeber in der Schweiz. Sie übernimmt den Posten als erste Frau in der 160-jährigen Geschichte des Unternehmens. Davor hat sich Ruoff über zwei Jahrzehnte lang in der Informationstechnologiebranche bewiesen – einer Industrie, in der 85 Prozent Männer arbeiten. «Ich hatte das Gefühl, alles können zu müssen», sagte Ruoff einst über ihren Einstieg in der IT. Sie begann 1989 im Vertrieb von IBM Schweiz.
Dabei ist es ausgerechnet die IT-Branche, die seit wenigen Jahren mit einem erstaunlich hohen Frauenanteil an der Spitze brilliert. 2006 stieg Ruoff in die Geschäftsleitung von IBM Schweiz auf. 2009 folgte der ganz grosse Coup: Ruoff übernahm den Chefsessel von British Telecom Schweiz. Innerhalb von wenigen Jahren hatte sie eine ganze Reihe hochkarätiger Kolleginnen: HP, Alcatel-Lucent, IBM Schweiz – sie alle holten zwischen 2006 und 2010 Topfrauen an ihre Spitze. Dass die Frauen auch Mütter sind, war dabei kein Hindernis.
Was zählt, sind die Ergebnisse
Das, so machte Ruoff bereits bei ihrem Aufstieg bei British Telecom klar, ist kein Zufall: Wie kaum eine andere Branche setze die IT auf Talentmanagement und Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. Dass sich Kaderangestellte ihre Zeit selber einteilen, zu flexiblen Stunden arbeiten, Teilzeit oder Jobsharing wählen, sei in der Industrie längst selbstverständlich, machte Ruoff in einem Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» letztes Jahr klar – gemessen werde an den Ergebnissen. So konnte Ruoff nach der Geburt ihrer beiden Kinder jeweils für einige Zeit ihre Arbeitszeit reduzieren, später teilte sie sich mit einer Kollegin die Verantwortung für eine Abteilung mit 32 Angestellten. «Selbständiges Arbeiten ist Teil unserer Unternehmenskultur», sagte die IBM-Sprecherin damals auf Nachfrage von Journalisten.
Auch Jeannine Pilloud übrigens, die erste Frau in der SBB-Geschäftsleitung, hat ihren Aufstieg bei einer Telekomfirma, einer Tochter der Deutschen Telekom, hingelegt. Auch Pilloud hat zwei Kinder. Und was in der Schweiz immer genervt habe, sagte Pilloud 2009 der «Bilanz», waren «Kommentare im Stil von ‹eine Frau ist entweder eine gute Managerin oder eine gute Mutter›» – eine Haltung, so Pilloud damals, die ihr ausserhalb der Schweiz nie begegnet sei.
Was Pilloud ausserdem mit Ruoff – und mit vielen anderen Topmanagerinnen – verbindet, ist ein Lebenslauf, der nicht absolut gradlinig ist. Pilloud war Journalistin und Architektin, bevor sie Managerin wurde, Ruoff war Lehrerin, bevor sie Ökonomie studierte. Solchen mehrdimensionalen Persönlichkeiten dürften die flexiblen Arbeitsmodelle der IT-Branche besonders entgegenkommen.
Dienstleistung statt Rechenleistung
Es sind allerdings nicht nur die Arbeitsmodelle, die IT-Unternehmen für Frauen attraktiv machen. Es ist auch die Ausrichtung der Branche: Dort geht es nämlich zunehmend weniger um Hardware und Technologie als vielmehr darum, jedem Kunden eine individuelle Serviceleistung anzubieten. Darin seien Frauen oft deutlich besser als ihre männlichen Kollegen, sagte Alcatel-Lucent-Chefin Claudia Schwers 2010 dem «Tages-Anzeiger»: «Ich glaube, dass Frauen die Kundenorientierung gut verstehen und umsetzen», so Schwers. Im Umgang mit potenten potenziellen Grosskunden verschaffe das den IT-Frauen einen Vorteil gegenüber technikorientierten männlichen Arbeitskollegen.
Auch die Post war einst ein solcher potenter Grosskunde – von IBM nämlich, wo Ruoff für den Geschäftsbereich «öffentliche Verwaltungen» zuständig war. Jetzt soll die ausgewiesene Telecom-Expertin die Post in das digitale Zeitalter führen. «Gerade durch ihre grosse Kompetenz in der digitalen Welt kann Susanne Ruoff die Konzernleitung der Post für die künftigen Herausforderungen sinnvoll verstärken», schreibt die Post heute in ihrer Medienmitteilung. Die Kunden würden vermehrt digitale Dienstleistungen verlangen, und die Post wolle «ihre Strategie, die physische Postwelt mit der elektronischen zu verbinden, zielorientiert fortsetzen». Ruoff werde diesen Wandel aktiv unterstützen – mit anderen Worten: den Laden umkrempeln. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.11.2011, 11:59 Uhr
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11 Kommentare
Die Quote machts und in Sachen Marketing macht es sich verdammt gut, wenn eine Frau an der Spitze steht, solange sie nicht elektronische Dienstleistungen wie vormals Steve Jobs präsentieren muss, nimmt man den Frauen viel ab und man darf sie nicht kritisieren ... dass es besser wird ist ein Cliché, genau so wie das Gutbildimage der Frau als multitaskingfähige Alleskönnerin. Antworten
Die Schweiz ist ein Land, das den Frauen eine teure Aus- und/oder Weiterbildung zugesteht, sei es eigenfinanziert oder über Steuern bezahlt.Die praktische Umsetzung des Erlernten wird dann aber nur über einen beschränkten Zeitraum (bis die Frau Kinder bekommt) ermöglicht.Nach der Geburt liegt das ganze Wissen brach, eine Frau erhält kaum mehr die Chance, dieses Wissen zu nutzen.Teure Verschwendung Antworten
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