Die NZZ verliert den Kampf um die «Basler Zeitung»
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 09.02.2010 4 Kommentare
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In Basel kursiert seit gestern folgender Witz: «Weisst du, wie man einen Champagnerkorken zurück in die Flasche kriegt?» – «Nein.» – «Dann frag mal einen Zürcher Verleger.»
Noch am vergangenen Donnerstag schien laut einer gut informierten Quelle «alles geregelt». Albert P. Stäheli, CEO der NZZ-Gruppe, hatte die Basler Zeitung Medien AG (BZM) eigentlich im Sack. Er war sich mit BaZ-Verleger Matthias Hagemann über eine Transaktion einig. Er, Stäheli, würde seiner ehemaligen Arbeitgeberin und jetzigen Zürcher Konkurrentin Tamedia die Basler Mediengruppe vor der Nase wegkaufen. Der Coup schien perfekt, der Triumph vollkommen.
Tettamanti kam zum Zug
Dann, bei der Detailausfertigung der Verträge, tat ein NZZ-Anwalt, was er bei der Detailausfertigung der Verträge tun musste: Er feilschte hartnäckig um Details und hat dabei ein «bisschen zu viel Geschirr zerschlagen». Das war das Aus für die Verhandlungen. Der Deal scheiterte in letzter Minute. Stattdessen kam der Tessiner Financier Tito Tettamanti zum Zug. Der war vorbereitet und unkomplizierter. Schon Freitagabend knallten die sprichwörtlichen Champagnerkorken dann in Basel. Kurz nach 18 Uhr schloss man in der Kanzlei von Staiger, Schwald & Partner am noblen Basler Heuberg den Vertrag ab.
Gestern Morgen trat Matthias Hagemann in Basel vor die Medien und verkündete den Verkauf der BZM AG, also der «Basler Zeitung» und weiterer 14 Tochterfirmen mit 1200 Angestellten und einem Umsatz von rund 260 Millionen. 75 Prozent der Aktien gehen an Tito Tettamanti, der Rest an den Basler Wirtschaftsanwalt Martin Wagner.
Froh, eine Lösung gefunden zu haben
«Der Kapitalbedarf zum Betrieb einer regionalen Tageszeitung kann von einem Familienunternehmen nicht aufgebracht werden. Dazu braucht es ein Aktionariat mit entsprechenden finanziellen Ressourcen», sagte Hagemann. Man sei nun froh, eine Lösung gefunden zu haben, bei der die BaZ von den Zürcher Grossverlagen unabhängig und in Basler Hand bleibe.
Sowohl Wagner als auch Hagemann waren bemüht, zu betonen, wie sehr baslerisch die BaZ bleibe. «Unsere Motivation, die 'Basler Zeitung' zu kaufen, lässt sich am einfachsten mit der Gleichung 'Basler Zeitung' für Basel, Basel für die ,Basler Zeitung' aufzeigen», sagte Wagner. In der Tat sieht der neue Verwaltungsrat mit Präsident Wagner, Bernhard Burgener, Matthias Hagemann und Pascal Berger auf den ersten Blick unaufgeregt baslerisch aus. Doch die unscheinbaren Namen verbergen eine Machtkonzentration hinter Wagner. Und dieser orientiert sich eher an wirtschaftlichen Prinzipien, denn an Basler Kantonsgrenzen.
Gute Deals
Berger ist Wagners Kanzleipartner. Und dem Baselbieter Filmunternehmer Burgener (Constantin Film) steht Wagner seit rund 20 Jahren bei Übernahmen und der Organisation seines Film- und Verleihgeschäftes beiseite. Mit Constantin geschäften die beiden vornehmlich in Deutschland, mit Team Marketing, einer Tochtergesellschaft von Burgeners Highlight Communications, vermarkten sie die Fussball-Champions-League international.
Auch für Tettamanti hat Wagner gute Deals gemacht. So hat er 2002 beim Verkauf der Jean Frey («Weltwoche», «Beobachter») von BZM an Tettamanti die Fäden gezogen. Und 2006 hat er die Jean Frey für Tettamanti an den deutschen Verlag Axel Springer gebracht. Immer mit Gewinn, immer mit Einsitznahme in den Verwaltungsrat. Auch bei Axel Springer Schweiz sitzt Wagner im Verwaltungsrat.
Eine traurige Verlegerin
Eine baldige Veräusserung der BZM sei allerdings kein Thema, versicherte Wagner an der Pressekonferenz. Ebenso wenig sei eine Einflussnahme Tettamantis auf die politische Ausrichtung der Zeitung wahrscheinlich. «Ich stehe voll und ganz hinter dem geltenden Redaktionsstatut der BaZ und hinter Chefredaktor Matthias Geering», sagte Wagner. Bestehende Kooperationen, etwa mit der «Mittelland Zeitung» oder dem Onlineverbund Newsnetz (Tamedia) würden vorerst weitergeführt.
Die prekäre finanzielle Situation der BZM – kolportiert sind rund 100 Millionen Schulden – macht Wagner keine Sorgen. «Die Schulden sind tragbar und mit meinem Netzwerk und dem von Bernhard Burgener ist es möglich, diese Zeitung rentabel zu machen», sagt Wagner, der zusammen mit Tettamanti zwischen 70 und 100 Millionen für die BZM bezahlt hat. Trotz dieses Erlöses war Aktionärin Ruth Ludwig-Hagemann nicht glücklich, dass Tettamanti vor der NZZ das Rennen gemacht hatte. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie mit dem Deal zufrieden sei, sagte sie am Rande der Pressekonferenz: «Es geht so.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 06:20 Uhr
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4 Kommentare
Das ist so eine typisch überhebliche Hagemannsche Aussage..."es geht so" ...die Dame kann sich ja überglücklich schätzen, dass gerade in der heutigen Zeit, wo praktisch alles bald nur noch elektronisch läuft, überhaupt jemand für ein Printmedium so tief in's Portemonnaie gegriffen hat! Bin gespannt wie lange diese Zeitung überlebt! Antworten
"Ad'Säck" heisst es jetzt für NZZ und TA mit guten Baslerausgaben - sonst haben wir hier bald eine Berlusconisierung (Schwizerdütsch: Verblocherig) unserer Medienlandschaft. Aber die Hoffnung ist bei den Baslern, die sich ein Gewäsche a là Weltwoche wohl nicht jeden Tag gefallen lassen werden. Antworten
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