Die Credit Suisse prescht mit «Cocos» vor
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 13.12.2010 10 Kommentare
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Die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) will bei den so genannten «Contingent Convertible»-Bonds (Cocos) eine Vorreiterrolle einnehmen. Gegenüber der «Financial Times» gab Brady Dougan, CEO der Grossbank, seiner Hoffnung Ausdruck, schon im nächsten Jahr mit den ersten solchen Anlagen starten zu können. Über die nächsten Jahre will die Bank rund 30 Milliarden Dollar an Kapital über Cocos aufnehmen.
Cocos spielen eine grosse Rolle bei den neuen Eigenkapitalvorschriften für Grossbanken, die bis zum Jahr 2019 implementiert sein müssen. Gerade weil sich daher die Credit Suisse länger Zeit lassen könnte, ist ihr Vorpreschen hier bemerkenswert. Banken hätten durchaus einen Anreiz, erst zuzuwarten und zu schauen, wie sich andere mit der neuartigen Anlage schlagen und aus deren Erfahrung lernen. Denn der Erfolg der Cocos ist umstritten und sie sind auf den Märkten noch kaum getestet worden. Anders als bei der Credit Suisse überwiegen bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) zum Beispiel die skeptischen Töne.
Kein Aufwärtspotenzial
Bei Cocos handelt es sich um eine spezielle Art von Pflichtwandelanleihen: Sie müssen in Aktien gewandelt werden, wenn eine Bank in eine Krise gerät oder wenn diese Gefahr besonders gross ist. Anders als bei anderen Pflichtwandelanleihen – und bei Wandelanleihen generell – partizipieren ihre Besitzer daher nie an einem Auftrieb der Bankaktien, sie erhalten die Aktien nur dann, wenn ihre Kurse angesichts einer Krise der Bank tief sind oder sogar noch weiter fallen. Um diesen Nachteil gut zu machen, werden Cocos einen hohen Zins bieten müssen.
Konkret gefordert werden Cocos weltweit erst für die Schweizer Grossbanken im Vorschlag der «Too big to fail»-Expertenkommission des Bundes. Die Kommission schlägt sie als wichtiges Instrument vor, um Banken stabiler zu machen. Künftig sollen solche Anlagen zum enger definierten Eigenkapital gezählt werden dürfen. Bis 2019 müssen die Grossbanken eine Eigenkapitalquote gemessen an den risikogewichteten Anlagen von 19 Prozent einhalten. Bis zu 9 Prozent davon darf aus Cocos bestehen. In den weniger weitgehenden Regeln nach Basel III, die international die Kapitalquoten für Banken festlegen, sind Cocos-Quoten noch nicht explizit verankert. Für systemrelevante Banken sollen sie aber künftig auch in dieser Verordnung eine Rolle spielen und auch für dieses Regelwerk läuft die Übergangsfrist bis 2019.
Zweifel an der Aufnahmefähigkeit der Märkte
Würden beide Grossbanken tatsächlich die maximal erlaubten 9 Prozent gemessen an ihren risikogewichteten Anlagen von je 400 Milliarden Franken mit Cocos abdecken, müssten sie zusammen rund 72 Milliarden Franken über dieses Anlageinstrument aufnehmen. Das Potenzial des Schweizer Marktes ist für diese Summe zu gering, doch ist eine internationale Verteilung der Risiken laut Thomas Jordan, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), durchaus erwünscht. Aber auch international könnte es für die Aufnahmebereitschaft von Cocos eng werden, umso mehr, wenn neben der Schweiz auch weitere Länder und die Basel-III-Vorschriften mehr Gewicht auf dieses Instrument legen und daher weltweit weitere Grossbanken milliardenschwere Cocos auf den Märkten anbieten müssen.
Zweifel am Instrument hegt man auch bei der UBS. John Cryan, der scheidende Finanzchef der Grossbank, erklärte schon Anfang Oktober, dass es für seine Bank möglicherweise attraktiver sein könnte, gleich einen höheren Anteil an echtem («hartem») Eigenkapital aufzubauen, statt auf teure Cocos zu setzen. Um ihr hartes Eigenkapital zu erhöhen, zahlt die UBS – anders als die Credit Suisse – bis auf weiteres keine Dividenden aus.
Substanziell «out of the money»
Ganz anders beurteilt man den Markt für Cocos bei der Credit Suisse. Schon in der Investorenpräsentation zu den Zahlen des dritten Quartals schwärmte die Bank geradezu von den Chancen des neuen Instruments. Ihre wichtigsten Argumente: Die Wahrscheinlichkeit einer Zwangswandlung sei sehr gering (die Optionskomponente liege substanziell «out of the money»). Damit wären Cocos-Anlagen relativ sicher, böten aber dennoch eine verhältnismässig hohe Verzinsung. Immerhin seien momentan 450 Milliarden Euro an eigenkapitalnahen Anlagen ausstehend. Wenn diese ersetzt werden müssen, würden sich Cocos als Alternative anbieten. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.12.2010, 14:07 Uhr
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10 Kommentare
Der 71 Millionen Boni Mann zeigt mit dem Finger auf den Schuldenberg den man als Eigenkapital bewerten kann. Die Irischen Banken wurden mit dem Rettungsschirm der EU gesichert um einen Dominoeffekt zu vermeiden. Und die Regierungen verschieben die Massnahmen zu "to big to fail" bis zum nächsten Crash, und der ist näher als wir denken. B. Dougan wird seine Schäfchen frühzeitig ins trockene bringen Antworten
Und wie im 20min beschrieben könnten diese COCOs gut als Bonusanteil hinzugezogen werden. Sofern die Bank keine grossen Verluste schreibt, bleiben diese Papiere im Wert erhalten. Die Bonusbeteiligten erhalten einen Zins darauf und können dann nach 3 oder 5 Jahren den Bonusbetrag beziehen. Es findet keine Ralley mehr auf möglichst hohe Aktien- oder Optionskurse statt mit viel Risko. Mut zu Neuem! Antworten
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