Die Credit Suisse mässigt ihr Bonus-System
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 11.01.2011 4 Kommentare
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Wieder weniger Jobs für Banker
In der Schweizer Finanzbranche gab es im Dezember weniger offene Stellen als noch im Herbst. Gemäss dem Job-Directory-Index des des Finanzportals finews.ch hatten die Banken und Versicherungen Ende Jahr auf ihren Websites 3901 Stellen ausgeschrieben. Rund 1600 Arbeitsplätze hatten die Banken zu vergeben, etwas mehr als 900 Personen suchten die Versicherungen. Die restlichen Stellen waren in der Wirtschaftsprüfung, bei Beratungsfirmen oder bei IT-Zulieferern der Finanzbranche zu besetzen. Seit Sommer ist die Zahl der Stellenangebote in der Finanzbranche damit leicht rückläufig. Im Vergleich zu Anfang 2010 hat die Zahl offener Stellen allerdings 32 Prozent zugenommen.
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Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht: Im Frühling 2010 schüttete die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) über 3 Milliarden Franken an rund 400 Kaderleute aus. Konzernchef Brady Dougan war mit 71 Millionen Hauptprofiteur der Bonusausschüttung, gefolgt vom inzwischen verstorbenen Investmentbank-Chef Paul Calello (37 Millionen) und Walter Berchtold, dem Chef des Geschäfts mit den vermögenden Privatkunden (34 Millionen).
Inzwischen ist auch der Verwaltungsrat der Grossbank zum Schluss gekommen, dass solche Zahlen nicht nachvollziehbar und deshalb dem Image der Bank nicht förderlich sind. Das Aufsichtsgremium hat beschlossen, dem Bonussystem die Spitze zu brechen: Derjenige Bonusanteil des Geschäftsjahrs 2010, der in Form von Aktien vergütet wird, verfügt nicht mehr wie in früheren Jahren über eine Hebelkomponente.
Bonus vervielfacht
In den Programmen der vergangenen Jahre war es so, dass bei guter Entwicklung des Aktienkurses der Bonus durch einen Multiplikator vervielfacht wurde. Das führte beim letztes Jahr zur Ausschüttung gekommenen PIP (Performance Incentive Plan) zu den hohen zweistelligen Millionenbeträgen.
Am Grundprinzip der Bonuszahlungen ändert die Credit Suisse nichts. Auch in Zukunft wird ein Teil der Boni in bar, ein Teil in Form von Aktien ausgeschüttet. Und wie bisher wird ein Teil der Ausschüttung aufgeschoben, also erst nach Ablauf einer Sperrfrist ausbezahlt. Stärker als bisher sollen die Prämien aber an die mittelfristige Entwicklung des Erfolgs der Bank gebunden werden. Deshalb wird die Schwelle für Boni, die nicht sofort ausbezahlt werden, gesenkt – von heute 125'000 auf neu 50'000 Franken. Zudem unterliegt neu ein grösserer Anteil des Bonus der Sperrfrist. Konkret bedeutet das, dass für das Geschäftsjahr 2010 zugeteilte Bonusaktien erst in den Jahren 2012 bis 2015 – je zu einem Viertel – ausgeliefert werden.
Ein Nullbonus ist möglich
Das Gleiche gilt für Bargeldkomponenten. Auch diese werden verzögert und über vier Jahre gestaffelt ausbezahlt. Je nach Entwicklung der Eigenkapitalrendite können sich diese Ansprüche erhöhen oder vermindern. Schreibt beispielsweise das Investmentbanking im Geschäftsjahr 2013 einen Verlust, kann das zu einer Reduktion der Bonusausschüttung für die Mitarbeitenden dieser Division führen, selbst wenn die Eigenkapitalrendite des Konzerns in diesem Jahr positiv ist. Im Extremfall kann der Bonus auf null sinken.
Die Verknüpfung der Boni mit der Eigenkapitalrendite wird in der Fachwelt allerdings kritisiert, weil dieser Wert durch das Management manipulierbar ist – etwa, indem es das Eigenkapital reduziert und gleichzeitig höhere Risiken eingeht. Diesen Vorwurf könne man heute den Banken nicht machen, sagt CS-Sprecher Marc Dosch. Der Druck seitens der Regulatoren, das Eigenkapital zu erhöhen, sei viel zu gross.
«Einfacher und transparenter»
Mit den neuen Anpassungen glaubt die CS den Kritikern in zwei Punkten entgegenzukommen. Das neue System sei einfacher und damit transparenter, sagt Dosch. Zudem verschwinde die Asymmetrie zwischen den Bonuszahlungen ans Management und der Rendite der Aktionäre. Letztere mussten in den vergangenen Jahren bei sinkendem Aktienkurs zusehen, wie dem Kader hohe Boni ausbezahlt wurden.
Laufende Bonusprogramme sind von den Anpassungen nicht tangiert. Ende März läuft das Programm PIP-2 aus. In diesem Fall ist allerdings nicht mit Millionenausschüttungen zu rechnen. Liegt der durchschnittliche Aktienpreis von Januar bis März 2011 unter 47 Franken, verfallen die PIP-Einheiten wertlos. Gestern schloss die CS-Aktie bei gut 40 Franken.
Auch das wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das neue System verhindert die Extreme: kein 71-Millionen-Bonus mehr für Brady Dougan, aber auch kein Verfall seiner Einheiten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.01.2011, 23:15 Uhr
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