Deutsches Nein zur Abgeltungssteuer stimmt Bankiers froh

Eine Umfrage zeigt: Eine Mehrheit der Banken wertet das Scheitern des Steuerabkommens positiv. Der Abfluss von Vermögen scheint vorerst gestoppt.

«Verschnaufpause» für Schweizer Banken: Die Gebäude der UBS und der CS am Paradeplatz Zürich. (22. Juni 2012)

«Verschnaufpause» für Schweizer Banken: Die Gebäude der UBS und der CS am Paradeplatz Zürich. (22. Juni 2012) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Über Monate haben sich Bundesrat und Bankiervereinigung für das Zustandekommen neuer Steuerabkommen engagiert. Nachdem das Wichtigste dieser Abkommen – das mit Deutschland – gescheitert ist, zeigt eine Umfrage, dass die grosse Mehrheit der Schweizer Banken den dafür verantwortlichen deutschen Sozialdemokraten alles andere als böse ist. 72 Prozent der von Ernst & Young im Dezember befragten 120 Banken geben an, dass sie von der Ablehnung positive Auswirkungen für ihr Institut erwarten.

Den Privat- und Auslandbanken, die ihr Geld vor allem mit Vermögensverwaltung verdienen, bringe das deutsche Nein eine «Verschnaufpause», sagt Iqbal Khan, Partner bei Ernst & Young. Die Banker gingen jetzt von geringeren Vermögensabflüssen aus. Kantonal- und Regionalbanken würden den Entscheid positiv werten, weil die Kosten für die Umsetzung der Abgeltungssteuer im Fall Deutschlands wegfallen.

Verflogene Euphorie

Mit der Bewertung der Steuerabkommen scheint sich die Branche jedoch schwer zu tun. 2010 beurteilten 74 Prozent der befragten Banken die Entwicklung rund um das Bankgeheimnis und die Idee einer Abgeltungssteuer positiv. Ein Jahr später war die Euphorie bereits verflogen. Die Zustimmung war auf 46 Prozent gefallen. Die Umfrage von Ende 2012 zeigt nun eine völlig polarisierte Branche: Die eine Hälfte der Befragten schätzt die Entwicklung positiv, die andere negativ ein. «Vor zwei Jahren sah man die Idee der Abgeltungssteuer als Befreiungsschlag», sagt Khan. Inzwischen habe man realisiert, dass deren Umsetzung die Banken teuer zu stehen komme.

Die Banken wurden auch zum Immobilienmarkt befragt. Eine grosse Mehrheit teilt heute die Meinung von Nationalbank und Finanzaufsicht (Finma), dass der schweizerische Immobilienmarkt zur Blasenbildung neigt. 2010 hatten nur 29 Prozent der Geschäftsbanken diese Meinung vertreten, heute sind es 77 Prozent. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.01.2013, 08:43 Uhr)

Artikel zum Thema

Steuerabkommen endgültig gescheitert

Der deutsche Vermittlungsausschuss hat entschieden: Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist definitiv gescheitert. SPD und Grüne zeigten sich unnachgiebig. Nun haben sie ein neues Ziel. Mehr...

«Die deutsche Regierung hat ihr Gesicht verloren»

FDP-Nationalrat und Wirtschaftspolitiker Ruedi Noser sagt im Interview, Kanzlerin Merkels Regierung sei nach dem Nein zur Abgeltungssteuer kein verlässlicher Verhandlungspartner mehr. Mehr...

Berlin sieht Steuerabkommen als nicht verhandelbar

Die Position der Schweiz bezüglich des Steuerabkommens sei klar, Raum für Nachbesserung sehe er keinen. Dies sagt der Staatssekretär im Finanzministerium – und kritisiert die Bundesländer. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Off the Record In St. Gallen haben neu Luzerner das Sagen

Die Welt in Bildern

Schirmrevolution: Das Symbol der pro-demokratischen Proteste in Hongkong (24. Oktober 2014).
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...