Der misslungene Abgang des Josef Ackermann
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 15.11.2011 25 Kommentare
Kirch-Prozess
Die Staatsanwaltschaft München hat Josef Ackermanns Büro in der Frankfurter Bankzentrale durchsucht. Sie ermittelt wegen Verdachts der Falschaussage und des Prozessbetrugs im Fall Leo Kirch. Auch gegen VR-Präsident Clemens Börsig, Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und den früheren Bankvorstand Tessen von Heydebreck wird ermittelt.
Der Medienunternehmer Leo Kirch musste im April 2002 Insolvenz anmelden. Er gab daraufhin der Deutschen Bank und Breuer die Schuld an seiner Pleite und verklagte sie auf 3,3 Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer hatte im Fernsehen gesagt, es sei allgemein bekannt, dass Kirch keine Kredite mehr bekomme. Die Klage wurde nur teilweise gutgeheissen. Daraufhin klagte Kirch erneut. In der Essenz ging es um den Vorwurf, die Deutsche Bank hätte Kirch in die Enge getrieben, um so ein lukratives Sanierungsmandat zu erhalten.
Im Mai 2011 bestritten Ackermann und die anderen Banker das Verhör vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Das Gericht sah in diesen Aussagen Widersprüche zu einem Vorstandsprotokoll und informierte die Staatsanwaltschaft. Diese hat sich daraufhin zu den nun laufenden Ermittlungen entschieden. Breuer ist bereits wegen falscher Aussage in einem anderen Kirch-Prozess 2003 angeklagt und steht deshalb ab 24. November vor einer Strafkammer des Landgerichts München.
Weil dies heimlich geschah, haben die Anwälte der Deutschen Bank am Montag einen Befangenheitsantrag gestellt. Der Senat habe sich verrannt und führe die Beweisaufnahme nicht mehr unparteilich durch, sagte Rechtsanwalt Peter Heckel. Über den Befangenheitsantrag müssen jetzt andere Richter des OLG entscheiden.
Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag nur ein Ermittlungsverfahren gegen «mehrere Beschuldigte» wegen des Verdachts falscher Aussagen vor dem OLG und die Durchsuchung «einer Bank in Frankfurt». Kirch-Anwalt Peter Gauweiler sagte, die Bank pfeife im Prozess aus dem letzten Loch.
(DAPD)
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Es ist das Ende einer Karriere. Josef Ackermann, 63 Jahre alt, geboren in Mels im Kanton St. Gallen, tritt bei der Deutschen Bank ab. Er wird nicht Verwaltungsratspräsident der Bank, obwohl er seit Jahren darauf hingearbeitet hat – gegen den Widerstand seiner Gegner innerhalb und ausserhalb des Hauses.
Der Machtmensch Ackermann geht. Und er geht untypisch unspektakulär: Eine trockene Medienmitteilung schickte die Deutsche Bank (DBN 29.165 -0.77%) gestern Abend. Ackermann, so die Aussage, finde angesichts der Herausforderungen in den Finanzmärkten keine Zeit für die zur Wahl nötigen Einzelgespräche mit den Aktionären. Darum verzichte er.
Doch was möglicherweise noch auf Ackermann zukommen könnte, ist alles andere als unspektakulär. Nur wenige Stunden vor der überraschenden Mitteilung wurde bekannt, dass Ermittler der Staatsanwaltschaft München Ackermanns Büro durchsucht haben. Er steht im Verdacht, bei einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse Deutschlands falsch ausgesagt zu haben. Ein Verbrechen, auf das Gefängnis steht. Die Deutsche Bank weist die Anschuldigung gegen Ackermann, den aktuellen VR-Präsident Clemens Börsig und zwei frühere Spitzenleute der Bank zurück. Trotzdem kam gestern unerwartet die Meldung: Ackermann und Börsig sind bald weg, neuer VR-Präsident wird Allianz-Chef Paul Achleitner.
Widerstand seit Monaten
«Sueddeutsche online» behauptete heute Morgen zwar, der Abgang Ackermanns habe überhaupt nichts mit den Ermittlungen zu tun. Diese Interpretation, so berichten Korrespondenten der Nachrichtenagentur DAPD aus Frankfurt, hätten Mitarbeiter der Deutschen Bank am Montagabend an der Euro-Finanzwoche «unter Journalisten gestreut». Ackermann habe einfach keine Zeit mehr, hiess es, was an der «komplizierten Aktionärsstruktur der Deutschen Bank» liege, die ihn zu direkten Gesprächen mit Aktionären über mehrere Monate hinweg gezwungen hätte.
Das stimmt natürlich. Denn Ackermann hätte, um direkt vom Vorstand in den Verwaltungsrat zu wechseln, 25 Prozent der Stimmen benötigt. Und weil eine ganze Anzahl von Kritikern der Meinung war, dass ein solcher Wechsel aus Gründen der guten Unternehmensführung nicht gut wäre, waren diese 25 Prozent alles andere als sicher. Doch der Punkt ist: Das war schon immer so. Dass ein Entscheid genau zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nichts mit den Ermittlungen zu tun haben soll, scheint Beobachtern unwahrscheinlich.
Kampf an zwei Fronten
Die Kehrtwende komme überraschend, schreibt denn auch die «Financial Times Deutschland». «Erst im Juli hatte sich Ackermann nach einem monatelangen internen Machtkampf gegen Aufsichtsratschef Clemens Börsig durchgesetzt und seinen Wechsel in das Aufsichtsgremium verkündet.» Ackermann, so schreibt die Zeitung weiter, habe jetzt an zwei Fronten kämpfen müssen: Erstens gegen die Staatsanwaltschaft und zweitens gegen opponierende Aktionäre.
Diesen Kampf hat Ackermann jetzt für beendet erklärt – ein «verpatztes» Ende, wie «Spiegel online» schreibt. Er wird jedoch kaum vollständig von der Bildfläche verschwinden. Bereits heute Morgen sagte der deutsche Finanzminister dem «Handelsblatt», Ackermann werde der Politik als kompetenter Ratgeber erhalten bleiben – schliesslich hänge «ein guter Rat nicht vom Amt des Ratgebers ab». Es sei denn, es kommt ein Gerichtsprozess.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.11.2011, 13:41 Uhr
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