Wirtschaft
Der millionenschwere Brezelkönig
Von Chantal Hebeisen. Aktualisiert am 26.09.2012 20 Kommentare
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Heute Morgen wurde bekannt, dass die deutsche Bäckereikette Ditsch und deren Schweizer Tochterunternehmen Brezelkönig an die Valora (VALN 174.1 -1.08%) verkauft werden. Über den exakten Kaufpreis haben die Valora und der Inhaber der Ditsch-Kette, Peter Ditsch, Stillschweigen vereinbart, sie gaben lediglich bekannt, dass Ditsch für 100 Millionen Franken einen Aktienanteil von 18,5 Prozent an der Valora erhält. In Deutschland, wo die Ditsch mit 195 Filialen vertreten ist, kennt praktisch jedes Kind den geschwungenen Schriftzug, bei dem es immer so lecker nach frischen Brötchen duftet. Auch an Schweizer Bahnhöfen und Einkaufsmeilen ist der Brezelkönig mit 35 Verkaufsstellen gut vertreten.
Die Geschichte seines Erfolges fängt eigentlich schon vor seiner Existenz an: 1919 eröffnete Bäckermeister Wilhelm Ditsch, Peter Ditschs Grossvater, zusammen mit seiner Frau Christine die «Bäckerei für Brezel und Laugengebäck» in Mainz. 1942 zerstörte die erste Brandbombe, die über Mainz abgeworfen wurde, die Backstube. Doch der Bäckermeister gab nicht auf und eröffnete an anderer Stelle in der Mainzer Altstadt ein neues Ladenlokal. 1952 übernahm Peter Ditschs Vater Heinz die Bäckerei und liess seine Ware durch «Brezelmänner» in Gaststätten und auf Volksfesten verkaufen.
«Wo immer ich bin, esse ich Brezel»
Eine Arbeit, die Peter Ditsch aus persönlicher Erfahrung kennt, wie der deutsche Ökonom und Journalist Hanno Beck gegenüber DerBund.ch/Newsnet erzählt: «Als Schüler zog er selbst durch das Mainzer Schwimmbad und verkaufte Brezeln», sagt er. Beck, der heute eine Professur an der Hochschule Pforzheim innehat, arbeitete bis 2006 unter anderem für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und traf den «Brezelkönig» zwei Mal zum Gespräch. «Mich hat Peter Ditsch sehr beeindruckt mit seiner bodenständigen, sehr direkten, aber freundlichen Art – er ist durch und durch Unternehmer», erzählt der Ökonom.
Er habe in seiner Journalistenkarriere eine Menge Vorstände börsenkotierter Firmen kennen gelernt, aber er möge diese mittelständischen Unternehmertypen, für die Ditsch sinnbildlich stehe, mehr, erklärt er. «Er ist das positive Gegenbild zu einem eingekauften Manager, der heute bei einem Energieversorger arbeitet und morgen bei einer Fluglinie. Diese Firmenchefs übernehmen die Verantwortung für das Unternehmen und ihre Mitarbeiter, weil es quasi ihr Baby ist», ordnet er den Chef der Brezelkette ein. Wie sehr sich Peter Ditsch mit seinem Unternehmen identifiziere, zeige sich auch an der folgenden Aussage, die er im Interview mit Beck machte: «Ich bin Brezelfan, wo immer ich bin, esse ich Brezel, jeden Tag mindestens eine.»
Der Backofen zum Erfolg
Peter Ditsch, der ursprünglich ausgebildeter Versicherungskaufmann ist, trat 1978 ins elterliche Unternehmen ein, obwohl er zuerst zögerte. Auf seine Initiative hin schwärmten ab diesem Zeitpunkt erste fahrbare Verkaufsstände aus, um die Backwaren an die Frau und den Mann zu bringen. Das Kleinunternehmen beschäftigte damals 5 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 300'000 DM. Heute arbeiten alleine an den Produktionsstandorten Mainz und im ostdeutschen Oranienbaum über 400 Mitarbeiter für die Brezelbäckerei Ditsch. «Es ist sehr bewundernswert, was er mit dem Unternehmen erreicht hat», findet Hanno Beck.
Den Erfolg hat der Deutsche nicht zuletzt der Entdeckung eines speziellen Backofens zu verdanken. 1980 sah er auf einer Bäckereifachmesse einen sogenannten Kettenofen und wusste sofort: «Das wird unser Geschäft revolutionieren», erzählte er Beck. Das Problem am herkömmlichen Absatzweg sei gewesen, dass die Brezeln bei warmem Wetter schnell hart und trocken wurden und die Salzkörner und die Lauge die Feuchtigkeit bei Regen anzogen, was die Brezeln labbrig werden liess.
New Yorker Filiale aufgrund der Entfernung wieder geschlossen
«Das Öfchen hat diese Probleme auf einen Schlag beendet», rekonstruierte Ditsch gegenüber Beck. Heute werden die schockgefrorenen Brezeln direkt an den Verkaufsstellen ausgebacken, sodass sie stets frisch sind. Diese Frische hat bei den Kunden eingeschlagen wie eine Bombe: Bereits 1991 erwirtschaftete die Grossbäckerei mit ihren 69 Angestellten 32 Millionen D-Mark, 2009 waren es 100 Millionen Euro Umsatz.
«So wie ich das Unternehmen und ihn kennen gelernt habe, ist es mehr oder weniger Peter Ditschs Verdienst, dass das Unternehmen innert dreissig Jahren derart gewachsen ist», sagt Beck. Ein Geschäftszweig hat sich aber nicht nach Ditschs Vorstellung entwickelt: 1993 eröffnete er eine Filiale in New York, die er wenig später aber wieder schloss. «Peter Ditsch sagte mir, dass er dieses Geschäft wieder aufgab, weil er sich nicht mehr darum kümmern konnte, weil es zu weit weg war», erzählt Beck und ergänzt: «Ich glaube, da war er sehr konsequent, indem er keine halben Sachen machte.» Überhaupt scheint Peter Ditsch eine gewinnende Art zu haben. «Mich hat Peter Ditsch wahnsinnig beeindruckt. Die Gespräche mit ihm waren jeweils sehr unterhaltsam und ich habe den Raum immer sehr gut gelaunt verlassen», sagt Journalist Beck. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.09.2012, 07:54 Uhr
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20 Kommentare
Vom Bretzelkönig Peter Dietsch können viele akademische Besserwisser, die oft noch ihr praktisches Wissen und Können verbessern müssen, sehr viel lernen. Der Bretzenkönig bzw. sein Erfolg gleicht sehr unserem Gipfeli-König Hiestand oder dem Kuchenteig-Bäcker Leisi, deren "Backstuben" an Grossbetriebe verkauft wurden und weiterhin sehr erfolgreich arbeiten. Antworten
Ditschist eben der geborene Unternehmer, der aus kleinsten Anfängen etwas aufbauen konnte und der für dieses Geschäft Verantwortung trägt. Nicht einer dieser Manager-Typen, die für einen schnellen Gewinn eine Firma übernehmen, diese wie eine Zitrone auspressen und dann den unbrauchbaren Rest fallen lassen. Antworten
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