Der intellektuelle Kapitalist
Von David Vonplon. Aktualisiert am 08.02.2010
Artikel zum Thema
«Ich bin kein Verleger und will es auch nicht werden», sagte Tito Tettamanti Ende 2006. Damals hatte er die Verlagsgruppe Jean Frey veräussert. Trotzdem wird der Tessiner nun wieder Besitzer eines Medienhauses und kauft – zur grossen Überraschung der Branche - die «Basler Zeitung».
Bei seinem Jean-Frey-Engagement war Tettamanti «in Würde gescheitert» («Basler Zeitung»). Dies obwohl er seinen Millionen-Einsatz je nach Rechenart verdoppelt oder verdreifacht hatte, und ein hochdefizitäres Unternehmen innert fünf Jahre in die Gewinnzone führte. Sein eigenes Ziel aber, die Jean Frey AG als unabhängigen Verlag unter den grossen Schweizer Medienhäusern zu etablieren, verpasste der Tessiner.
Am eigenen Ziel gescheitert
Tettamanti verkaufte die Früchte seines Erfolgs: Drei Zeitschriften gingen an den deutschen Medienkonzern Axel Springer, die «Weltwoche» vermachte er Roger Köppel. Dabei erfolgte der Ausstieg, obwohl durchaus Pläne vorhanden gewesen wären, mit dem Verlagshaus zu expandieren. Etwa mit der Idee des damaligen Jean-Frey-Chefs Filippo Leutenegger, mit einer unabhängigen rechtskonservativen Tageszeitung die zementierte Medienlandschaft aufzumischen. Doch Tettamanti, laut Weggefährten «in höchstem Masse geizig», erteilte der Idee am Schluss eine Absage, obwohl das Projekt schon weit vorangeschritten war.
Tettamanti, sein Vermögen wird auf 400 Millionen Franken geschätzt, war in seiner langen Laufbahn schon Politiker (mit 29 Jahren war er in den Regierungsrat des Kantons Tessin gewählt worden), dann Immobilienhändler, dann Financier und Industrieller. Ob beim Rasierklingen-Hersteller Gillette, oder bei grossen Schweizer Unternehmen wie Saurer und Sulzer, stets verfolgte Tettamanti ein beinhartes Erfolgsrezept: Er kaufte Aktienpakete unterbewerteter Firmen und setzte der Konzernleitung so lange Daumenschrauben an, bis sie so geschäftete, dass der Kurs kurzfristig anstieg und er seine Anteile verkaufen konnte.
In den letzten Jahren versuchte sich der einstige Finanzjongleur aber auch als Intellektueller Respekt zu verschaffen und betätigt sich nicht nur als Präsident des konservativen Vereins Zivilgesellschaft, sondern auch als Buchautor und Kolumnist. Allerdings mit durchzogenem Erfolg: Seine Werke fanden kaum Beachtung – und wenn, dann zerrissen sie die Kritiker. Was blieb, war ein Abwehrreflex gegen das Establishment, gegen politische Korrektheit und linke Journalisten.
Abwehrreflex gegen das Establishment
«Der Mainstream ist immer noch sehr stark, mit der entsprechenden Gefahr einer Kultur des Konformismus», erklärte er vor einigen Jahren in einem Interview und kritisierte die «Homogenisierung der Medienbranche». Diese Haltung wird Tettamanti auch diesmal dazu bewogen haben, «die Basler Zeitung als unabhängige Zeitung zu erhalten». Von seiner Vision, mit einem eigenen Blatt gegen politische Korrektheit und für mehr wirtschaftlichen Liberalismus gegen die Zeitungen der etablierten Verlagshäuser zu Felde zu ziehen, hat Tettamanti offenbar nicht Abschied genommen.
Dass er das Traditionsblatt zur Verbreitung seiner politischen Überzeugungen missbraucht, ist allerdings nicht zu erwarten. Dafür ist Tettamanti auch im hohen Alter viel zu sehr ein kühler und rationaler Kapitalist, der vor allem einen Massstab kennt: den Gewinn. Seinem Grundsatz «Geld zu verlieren, ist gegen meine Prinzipien» wird Tettamanti auch in Basel folgen. Doch wer kein Geld verlieren will, für den sind ideologiegetriebene Experimente Tabu. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.02.2010, 14:30 Uhr
Wirtschaft
Wirtschaft
Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen











































